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Palästina · 1907-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1907) · p. Seite 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 6-8 (Juni 1907)
Article
Ausgrabungsarbeiten in Palästina [Nachricht]
Date
1907-06-01
Page
Seite 216 (sequence 2)
Language
German
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- 216 — Stelle wurde die geschichtlich bekannte, berühmte Stadtmauer vor Jericho ange^ troffen. Es ist eine aus gebrannten Lehmziegeln gediegen aufgeführte Mauer, drei Meter dick, und ruht noch auf einem 60 Zentimeter hohen steinernen Fundament. Sie mündet in eine aus Felsen aufgeführte Burg. An der Westseite der Stadt erreicht die Mauer sogar 12 Meter Breite. Die dritte Grabungsstelle ergab ein ganz besonderes unerwartetes Resultat. Hier ist ein Privathaus über das andere geschichtet. Mit der Tiefe gerät man in eine immer frühere Epoche, so daß man bei völliger Durchgrabung auf eine Jahrtausende alte Kultur gelangen kann. Die zahlreichen Funde lassen auch die frühesten geschichtlichen Epochen erkennen. Primitive, mit der Hand gearbeitete sowie künstlerisch schön gestaltete Lampen, Teller, Schalen, Nadeln, Gewichte, Mörser, Mühlen, aus Bronze und Ton. Die Probegrabungen im Innern der Stadtanlage zeigten aneinanderstoßende Häuserreihen. Althebräische Lettern beweisen, daß die althebräischen Schriftzeichen im Gebrauche waren. Es ist nun für die ferneren Forschungsarbeiten hier eine Fülle von Arbeit und Studien eröffnet, die uns über die vorisraelitische, kanaanitische Zeit Aufschluß zu bieten vermag. Prof. Sellin gedenkt im kommenden Winter die Arbeiten fortzusetzen. Nach den Mitteilungen und Nachrichten des Deutschen Palästina* Vereins (1907, S. 40 ff.) ist der Wasserspiegel des Toten Meeres seit mindestens 15 Jahren im Steigen begriffen. Dafür sprechen folgende Tatsachen: Zunächst ist die am Nordende ehedem vorhandene kleine Insel Rudschm el-Bahr, welche auf der großen englischen Karte verzeichnet steht, seit dem Jahre 1892 ver> schwunden. Ferner ist ein Weg am Westufer des Meeres, der um einen Felsen* vorsprung herumführte, jetzt ganz mit Wasser bedeckt, so daß man über den Felsen reiten muß. Endlich stehen gegen das Südwestende des Sees mehrere Sträucher, die natürlich anfangs vom Wasser unberührt waren, jetzt im Wasser; sie sind um so mehr verdorrt und vertrocknet, je weiter sie vom Ufer entfernt sind. In der letzten Hauptversammlung der Deutschen Orient=Gesellschaft, die unter dem Vorsitze des Herrn James Simon stattfand, wurden interessante Mit' teilungen über die von der Gesellschaft oder mit deren Unterstützung in Mesopotamien, Kleinasien, Ägypten und Palästina vorgenommenen Ausgrabungen und Untersuchungen gemacht. In Asur in Mesopotamien war das Hauptergebnis der von Herrn Andrae geleiteten Ausgrabungen die Freilegung des Neujahrsfesthauses des Gottes Asur, das wohl auf König Sanherib, den Zerstörer Babylons, zurückzuführen ist. In Babylon selbst machen die Ausgrabungen gute Fortschritte. In Boghazkoi in Kleinasien hat nach mündlichem Bericht Professor Puchsteins Dr. Winkler, der dort mit einer Expedition der Archäologischen Gesellschaft zusammen arbeitet, zwei Tontafeln' Archive entdeckt und in einem von ihnen einen Vertrag des Königs Ramses 11. von Ägypten mit dem Könige Chattusil. Die Archive geben wichtige Aufschlüsse für die Geschichte der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausend vor Christus. Es ist dringend zu wünschen, daß die Ausgrabungen im nächsten Sommer fortgesetzt werden. Unter^ suchungen in Telhan in Palästina förderten, wie Dr. Güterbock berichtete, den Grundriß der dortigen Synagoge zutage, in der Christus als Knabe gepredigt haben soll. Diese Synagogen, etwas abgeändert durch die Römer, sind das Vorbild der christlichen Basiliken. Die Untersuchungen sollen fortgesetzt werden. In Ägypten

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