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Palästina · 1907-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1907) · p. Seite 212

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 6-8 (Juni 1907)
Article
[Über die jüngst von der] Türkei eingezogene Anleihe [Nachricht]
Date
1907-06-01
Page
Seite 212 (sequence 2)
Language
German
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— 212 — Ursachen der Verzögerung sind heute kein Geheimnis mehr. Die französische Diplomatie hat, wie man wohl mit Sicherheit annehmen kann, auf Drängen der englischen, ihr Veto beim Sultan eingelegt. Dieser Schritt wurde durch eine bei hiesigen Finanzoperationen nicht seltene Nebenbuhlerschaft höherer Beamten des Palais unterstützt und das Ergebnis war, daß der Sultan den Abschluß des Geschäftes hinausschob. Was die englische Diplomatie veranlaßte, sich der Hilfe der französichen Freunde zu bedienen, um das Finanzgeschäft der Deutschen Orientbank zu hintertreiben, ist nicht schwer zu erkennen. Die Engländer sind seit geraumer Zeit redlich bestrebt, dem Sultan und der türkischen Regierung möglichst unangenehm zu sein. Ein sehr wirksames Mittel ist es, die Geldquellen, die sich ihnen bieten, zu verschließen. Die chronische Geldnot der Türkei ist heute größer als früher. Die KonvertierungS' und Unifikationsoperationen waren eine stets willkommene und reichlich ausgenützte Gelegenheit für den türkischen Staat, sich bares Geld zu verschaffen. Diese Quellen sind seit der vor drei Jahren durchgeführten Unifikation des größten Teils der türkischen Staatsschuld und der mit ihr verbunden gewesenen größeren Anleihe versiegt. Das Geldbedürfnis hat aber seit jener Zeit nicht abgenommen. Die militärischen Reformen in den europäischen Vilajets, die Geschützbestellungen bei Krupp, der Aufstand im Yemen, die Hedschasbahn, die makedonischen Reformen und manches andere verursachen große Auslagen, für deren wenigstens teilweise Deckung die Türkei seit Monaten eine Anleihe von zwei Millionen türk Pfd. anstrebt, die bei der Ottomanbank auf Verpfändung des Regierungsanteils der Einkünfte der Leuchtturmgesellschaft aufgenommen werden sollte. Die Verhandlungen führten, hauptsächlich wegen des englischen Widerstandes, zu keinem Ergebnis. Der ,,kleine" Vorschuß der Ottomanbank (200 000 türk. Pfd.), der vor einigen Wochen gegeben wurde, fiel wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Seither laufen die verschiedenartigsten Finanzprojekte nebeneinander. Die Deutsche Orientbank, die Deutsche Bank, die Leuchtturmgesellschaft, die Ottomanbank und ein Syndikat, das die Kohlenminen von Heraclea am Schwarzen Meer erwerben will — alle diese Institute verhandeln gegenwärtig mit der Regierung. Es ist ein Rattenkönig von Finanzprojekten und dies allein könnte es schon erklärlich machen, weshalb die Verwirklichung auch nur eines davon so schwer ist. Denn Einfluß arbeitet gegen Einfluß und jedes Institut sucht ein möglichst gutes Geschäft zu machen Das türkische Heer. Einem interessanten Aufsatz aus der Feder von Oberst Gädke im „Berl. Tagebl." vom 9. Juli entnehmen wir nachfolgende Ausführungen: Die fortdauernd ungewissen Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel, die gespannte Lage, die durch die Mißerfolge der türkischen Truppen in Arabien geschaffen ist, und die nähere oder entferntere Möglichkeit eines Thronwechsels lassen es wünschenswert erscheinen, das türkische Heer und seinen vergleichsweisen Wert gegenüber seinen möglichen Gegnern fort' dauernd im Auge zu behalten. Die Anteilnahme hervorragender deutscher Offiziere an der Reorganisation des türkischen Heeres hat allerdings vermocht, seinen äußeren Rahmen derart zu erweitern, daß augenblicklich die Türkei im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung bei weitem die größte militärische Machtanspannung von allen Staaten der Erde leistet, aber sie hat die inneren Schäden, an denen der sieche Körper des Reiches leidet, wenn überhaupt so nur in sehr geringem Maße zu heilen vermocht. An dem Beispiel Japans und der Türkei vermag man zu sehen, wie verschieden die Wirkung europäischer militärischer Unterweisung und europäischen Beispiels

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