Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Eine deutsche Niederlassung auf dem Ölberg [Nachricht]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 104 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 104 - Die „Kaiserin Auguste Viktoria-Stiftung" verfolgt einen dreifachen Zweck: sie will ein Erholungsheim werden für die erholungsbedürftigen Deutschen Palästinas, ein Hospiz für die deutschen Jerusalemspilger aus der Heimat, und ein Mittelpunkt für die gottesdienstltchen Feiern an den hohen Festen. Es gelang im Herbst 1903 der Auguste Viktoria-Pfingsthaus-Stiftung, die den Plan in die Hand nahm, unter Vermittelung des Auswärtigen Amtes in Berlin durch den deutschen Konsul Dr. Schmidt in Jerusalem, auf dem Ölberg ein 81000 qm großes Landstück zu erwerben, das inzwischen durch den Ankauf zweier Nachbargrundstücke auf 10 Hektar gebracht worden ist. Es liegt auf freier Höhe in nordöstlicher Richtung der Stadt, auf der nördlichen Fortsetzung der Ölbergkette in der Nähe von dem Gehöft des Engländers Gray Hill. Die Araber nennen den Gipfel, auf dem das Sanatorium sich erheben wird, Sarweka, und das Landstück, das westlich von der Straße dazu angekauft wurde, die Feigenbaumwiese. Das Geld für den Bau steht bereit, eine hochherzige Zionsfreundin aus dem Rheinland hat eine Million Mark für den Zweck gestiftet. Die Kosten mit den Nebenanlagen und der inneren Einrichtung werden nur auf 8 bis 900 000 Mk. ver* anschlagt und vom Reich und von Preußen sind Zuschüsse in Aussicht gestellt. Der Bau wird voraussichtlich zwei Jahre dauern. Zwei mächtige Zisternen, sind als Grunderfordernis jedes Hauses seit Jahren fertig, weitere, namentlich für Trinkwasser, sind geplant. Aber der Fortgang der eigentlichen Bauarbeiten wird von der Zahl der verfügbaren Maurer und Steinmetzen abhängen. Es gibt deren unter den Eingeborenen eine große Zahl in Jerusalem oder Bethlehem und Umgegend, trotzdem viele nach Amerika ausgewandert sind, und andere auf Zeit in Abessinien arbeiten. Aber es sind auch große Bauten im Gange; neben dem mit Hochdruck betriebenen Kirchbau der deutschen Katholiken haben auch die Griechen in der Nähe des Ecce-Homo-Bogens eine neue Klosteranlage in Angriff genommen. So ist die Nachfrage nach Bauleuten groß, und die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Eine neuentdeckte Höhle am Toten Meer. In der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins berichtet Regierungsbaumeister Sandel über eine Partie am Toten Meere, wo er eine von einem Beduinen bei Engedi gefundene interessante Höhle besuchte. Die Kunde von der Entdeckung dieser Höhle veranlaßte ihn zu dem Ausflug nach der Paßhöhe von Engedi, von wo der Ausblick nach dem Toten Meere ein überwältigendes Bild bietet. Die Höhle ist nicht künstlich in den Felsen gehauen, sondern eine große natürliche Höhle, an der man außer einer kleinen, gemauerten und verputzten Zisterne am Eingang und einigen niederen Terrassenmauern wenig Spuren von Menschenhand sieht. Bemerkenswert waren indessen die Reste von Gebrauchsgegenständen. Eine kleine Seitenhöhlung links am Eingang hat, nach den angehauenen Knochenstücken, der Asche, einem natürlichen Rauchabzug und den vielen Scherben von Gefäßen zu schließen, den Bewohnern einst als Küche gedient. Es fanden sich Scherben sowohl von gläsernen Gefäßen als auch von solchen aus feinkörnigem Ton. Weiter innen standen mehrere halbzertrümmerte größere Gefäße mit einem vergorenen^ jetzt wie Taubenmist anzusehenden Inhalt, der wohl Traubenhonig oder sonst eine aus Früchten bereitete Nasse gewesen sein mag. Der Verputz der kleinen, nur etwa 12 Kubikmeter fassenden Zisterne am Eingang ist noch sehr gut erhalten. Das Wasser floß von der Hochfläche über der Höhle in einem senkrecht an der äußeren Felswand herabführenden Kanal, von dem noch das unterste Stück von 2 m Höhe