Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Immobilienbesitz von Ausländern [Nachricht]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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100 — -von den Ausländern erlangten Rechte verkürzt, bildet den Gegenstand von Beschwerden, die aus verschiedenen Provinzen eingelangt sind. Infolgedessen haben die Botschafter der Großmächte beschlossen, bei der Pforte einzuschreiten und zu verlangen, daß das erwähnte Gesetz und das angeschlossene Protokoll genau eingehalten werden. Sie werden der Pforte einzeln ihre Protestnoten überreichen. Die Katasterbehörden verweigern auch die Zulassung der Abtretung von Immobilien, die sich im Besitz eines Ausländers befinden, an Ausländer anderer Nationalität, was gleichfalls gegen das Gesetz verstößt. In Bezug auf diesen Punkt haben die Botschaften bereits Schritte bei der türkischen Regierung unternommen. (Frankf, Zeitg. 26' III. 07.) Unzufriedenheit in Erzerum. In dem Gebiete von Erzerum herrscht eine Unzufriedenheit, die sich, wie das Bureau Reuter meldet, zuerst vor zwei Jahren bemerkbar machte, als die Bevölkerung gegen eine beabsichtigte Kopfsteuer protestierte. Die Truppen schlössen sich damals dem Volke an und die Behörden sahen sich deshalb genötigt, nachzugeben. Im vergangenen Jahre versuchten die Behörden, die Rädelsführer der Bewegung zu bestrafen und es kam dabei zu einem Handgemenge/ in dem der Wali verwundet wurde. Ein neuer Wali stieß sofort auf Widerstand, als er einen Mann wegen Verbreitung aufrührerischer Schriften verhaften lassen wollte. Die Regierung hat trotzdem den Steuergedanken nicht aufgegeben. Sie glaubt das Volk dadurch beruhigen zu können, daß sie sich statt mit der Forderung der Zahlung für zwei Jahre, mit derjenigen für ein Jahr zufrieden gibt. Das Volk hat aber in dieser Nachgiebigkeit der Regierung offenbar nur ein Zeichen der Schwäche erkannt. Neben der Kopfsteuer erregt die Viehsteuer Widerspruch. Erzerum ist bei diesen Streitigkeiten der widerspenstigste Ort und man hofft, daß alle Distrikte unweigerlich ihre Steuern zahlen werden, sobald es gelungen ist, Erzerum zu beruhigen. (Der Sultan hat es, wie telegraphisch gemeldet wurde, schließlich doch für geraten gehalten, beide Steuern ganz aufzugeben. D. Red.) — Unter den Armeniern des Distrikts .Erzerum macht sich eine merkwürdige Bewegung bemerkbar. Die Bevölkerung von ungefähr 40 Ortschaften trat der russischen Kirche bei. Diese Bewegung hat übrigens ebenfalls mit der Steuer zu tun, die auf den Leuten lastet. Die Bauern hoffen an Rußland einen Schutz gegen Erpressung zu finden, wenn sie sich russischen .Priestern in die Hände geben. Aus ähnlichem Grunde traten viele Nestorianer zu •der russischen Kirche über. (Frankf. Zeitg. 28. III. 07.) Rivalität der Konfessionen im Heiligen Lande. Laut Bericht der Schlesischen Zeitung führte der Pastor prim. Zickermann in einem über das Themaj Kämpfende Mächte im Orient" in Breslau gehaltenen Vortrage aus: Zur Zeit sind die Türken Herren des Landes, aber sie sind an Zahl •gering; der Stamm der Bevölkerung ist arabisch, wenn auch nicht reinen Blutes. Was alle verschiedenen Elemente fest zusammenhält, ist. die Religion, der Islam, ein starkes Band, durch welches den Gegnern der Kampf schwer gemacht ist. Es ist falsch, anzunehmen, daß heut eine Annäherung des Orients an Leben und Denken im Abendlande stattfindet. In Verachtung und Haß gegen die Bildungselemente des Abendlandes bleibt der Mohamedaner unversöhnlich. Dem Islam stehen gegenüber die orientalischen christlichen Kirchen, allen voran die griechisch-orthodoxe, die hier sozusagen ortsangehörig ist. Trotz der arabischen Gemeinden sind die Priester .ausschließlich Griechen; auch die Kirchensprache ist griechisch und wird vom Volke