Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Die Insel Cypern
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 72 — 3. Die grossen Schwankungen der Jahres-Erträge je nach den Niederschlags Verhältnissen. Der Boden wird heute noch ebenso wie vor Jahrhunderten und ohne Anwendung moderner Methoden bestellt. Noch jetzt herrscht überall das primitivste System. Die begüterten Einwohner verwenden ihre Kapitalien am liebsten zu Darlehen an die Bauern und verdienen dabei mit Hilfe gewisser Manöver 30—40%. Es ist klar, dass kein landwirtschaftlicher Betrieb und keine direkte oder indirekte Ausnutzung des Bodens, unter welchem System immer, eine solche Zinsenlast tragen kann. Cypern ist trotzdem eine vorwiegend Ackerbau treibende Insel und hat Gegenden von unzweifelhafter Fruchtbarkeit. Wir haben schon oben gesagt, dass Cypern unter der venezianischen Herrschaft Tage von Pracht und Wohlstand gesehen hat. Aber so wie der Export von Baumwolle von 6 000 000 auf 150 000 Kilo gesunken ist, so ist auch das früher im südlichen Teil der Insel angebaute Zuckerrohr so selten geworden, dass man es nur noch in Gärten antrifft, und auch Bananen und Datteln findet man nur noch an wenigen Plätzen. Ebenso ist der Weinbau seit der Vertreibung der Venezianer bedeutend zurückgegangen, trotzdem gerade Cypern bis zu einer Höhe von 1200 Metern ein einziger Weingarten sein könnte. Nur die Weine der Kommanderia (bei Limasso]) geniessen noch einen Ruf. Nach diesem Niedergang unter türkischer Herrschaft, während der die Cyprioten fast sogar die Erinnerung an ihren früheren Wohlstand verloren haben, hoffte man auf ein erneutes Aufblühen unter englischer Administration. Ein Vierteljahrhundert ist seit diesem Wechsel der Verwaltung verflossen, und man kann leider nicht sagen, dass die Hoffnungen, die diese Veränderung ausgelöst hat, sich ganz erfüllt hätten. Durch die Konvention vom 4. Juni 1878 hatte sich England verpflichtet, der Türkei eine Jahresabgabe von £ 93 000 zu zahlen. Diese Abgabe wurde der Insel auferlegt und verzehrte die Hälfte ihrer Einkünfte. „Es ist klar, dass nach einem „solchen Aderlass ein-verarmtes Land kaum noch die notwendigsten Kosten der Administration aufbringen kann und dass „jede Verbesserung, und sei sie auch noch so notwendig, ein „unerfüllbarer Traum bleiben muss." *) *) Skiadaressi, Journal du Caire, 1. März 1906.