Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1907)
- Article
- Gesellschaftsreisen nach Palästina
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 46 — warten, bis sie ihre Passagiere ans Land setzen dürfen. Da nun auch Jaffa, Haifa und Beirut unter der Botmässigkeit des Sultans stehen, ist der Verkehr Syriens und Palästinas mit Ägypten mancherlei Beschränkungen unterworfen. Nachdem neben Beirut auch Jaffa in der letzten Zeit eine Quarantänestation bekommen hat, durfte man eine Milderung der überaus lästigen Massregeln erwarten. Doch hat sich diese Hoffnung als trügerisch erwiesen. Handelt es sich nur um einen Tag Quarantäne, so halten einige der von Port Said kommenden Dampfer 24 Stunden vor den Felsen Jaffas und setzen dann die Passagiere ans Land, andere — darunter die grossen französischen — geben nur die Post ab, verzichten auf das Vergnügen des Wartens, gehen nach Beirut weiter und sitzen dort die Wartezeit ab. Die für Jaffa bestimmten Passagiere können dann sehen, wie sie dorthin gelangen. Kommen aber, wie es gewöhnlich der Fall ist, mehrere Tage Quarantäne in Betracht, so gehen die Dampfer, die fahrplanmässig Jaffa anlaufen müssen, einfach vorbei und legen sich in Beirut vor Anker. Man kann den Dampfschiffahrtsgesellschaften diese Anordnung nicht verdenken, denn bei unruhiger See ist es kein Vergnügen, auf der ungeschützten Reede Jaffas allen Unbilden der Witterung preisgegeben tagelang müssig zu liegen, während Beirut einen sicheren Ankerplatz bietet. Bei Aufstellung des Programms der Orientreisen muss mit den vorstehend angeführten Tatsachen unbedingt gerechnet werden. Nur eine Kategorie von Orientfahrern bleibt davon unberührt, nähmlich diejenigen, die nur Ägypten besuchen wollen, denn auf der Rückreise haben sich diese Passagiere in den italienischen Häfen nur einer kurzen ärztlichen Visitation zu unterziehen. Soll aber Athen und Constantinopel am Schlüsse noch mitgenommen werden, so ist mit den oben angegebenen Schwierigkeiten zu rechnen, denn in der Regel trifft auch Griechenland dieselben Contumaz-Massregeln gegen alle Provenienzen aus Ägypten wie die Türkei. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Orientreisenden, die sich nicht nur auf Ägypten beschränken, den Besuch dieses Landes an den Schluss der Reise verlegen müssen. Die eigentliche Orientreise muss demnach in Beirut beginnen. Diese Stadt hat direkte Verbindungen mit Ägypten und Smyrna—Constantinopel. Den von Ägypten kommenden Dampfern werden türkischerseits die eingangs erwähnten Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Es bleibt demnach als Zugangsroute nur der von Constantinopel—Smyrna kommende Dampfer übrig, da Beirut keine direkten Verbindungen mit Athen und anderen europäischen Häfen hat. Auf der Linie Constantinopel—Smyrna—Beirut verkehren nun in 14tägigen Zwischenräumen russische, österreichische und französische Dampfer, von denen die beiden erstgenannten, da sie unterwegs mehrere Häfen anlaufen, 6 bis 10 Tage zur Zurücklegung der Strecke Constantinopel—Beirut gebrauchen, während die grossen französischen nicht ganz 4 Tage benötigen und nur in Smyrna und Rhodos bezw. Vathy auf Samos anlegen. Für die Touristen kommen daher in erster Linie die französischen Dampfer in Betracht. Die Reiseroute ist dadurch von vornherein festgelegt. Da nur alle 14 Tage ein Messageriesdampfer von Constantinopel abfährt, hängt der Antritt der Orientreise in Constantinopel von dem Fahrplan dieser Linie ab.