Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Einfuhr von frischem Obst aus der Kapkolonie nach Grossbritannien [Nachricht]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 244 — marktgängigen Sorten und vor allem bei sorgfältiger Verpackung sowie ■ genauer QualitätsSichtung als ein lebensfähiges Unternehmen anzusehen ist, das besonders in der nach den klimatischen Verhältnissen obstarmen Jahreszeit als rentables Geschäft anzusehen sein dürfte. (Nach der African Review, mitgeteilt durch den Kolonialbeirat in London.) * Die Seidenzucht in Griechenland. Die Seidenkultur, welche in Griechenland seit Jahrhunderten betrieben wird, weil Boden und klimatische Verhältnisse der Entwicklung dieser Industrie ausserordentlich günstig sind, beginnt jetzt, nachdem sie lange Zeit infolge einer Erkrankung der Seidenwurmeier darniedergelegen hatte, sich langsam wieder zu erholen. Wenn auch der frühere Jahresertrag bisher nicht erreicht worden ist, so deuten doch die Anstrengungen, welche in den letzten Jahren mit staatlicher Unterstützung und aus privaten Mitteln gemacht worden sind, darauf hin, dass der alte Produktionsumfang in absehbarer Zeit nicht nur eingeholt, sondern sogar noch üb er troffen werden wird. Die Regierung bezieht alljährlich Sendungen von Seiden wurmeiern aus dem Auslande, die sie kostenlos verteilt, und ist bemüht, durch Versuche und eigene Probezüchtereien die lür das Land geeignetste Kulturmethode ausfindig zu machen. Die für die Zucht nötigen Maulbeerbäume werden in Griechenland selbst, und zwar aus dem Samen direkt gezogen, um nach ein bis zwei Jahren verpflanzt zu werden. Der Samen wird zum grössten Teil aus Deutschland, in kleinen Mengen auch aus Italien importiert. Der Preis des weissen Maulbeerbaumsamens stellt sich sowohl aus Deutschland wie Italien auf 8 bis 10 M. pro kg. Die Zahl der Bäume pro Acre richtet sich je nach der Güte des Bodens, in der Regel werden d'iß Bäume in Abständen von 7 zu 9 m gesetzt. . Die Bäume erreichen dort ein Alter von 50 bis 70 Jahren. Der Bedarf an Seidenwurmeiern wurde bis zum Jahre 1900 nur vom Auslande gedeckt, was auch noch heute zum überwiegenden Teil der Fall ist, denn die Menge der im Lande selbst gezogenen Eier ist sehr gering. Die wichtigsten Bezugsländer sind der Reihe nach: die Türkei, Frankreich, Italien und Ungarn. Der Preis für die Seidenwurmeier schwankt zwischen 5 und 15 Drachmen pro 25 g. Die Seidenkokons finden in grünem Zustand e Verwendung und werden mit 4,5 bis 6,5 Drachmen pro Oka bezahlt. Schadhafte Kokons werden zu halben Preisen verkauft. Die Zahl der in der Seidenkultur beschäftigten Personen, meist Frauen und Kinder, nimmt von Jahr zu Jahr zu, doch lassen sich hierüber sowie über .den jährlichen Produktionsumfang der Industrie mangels jedes statistischen Materials keine näheren Angaben machen. (Nach einem Bericht des amerikanischen Konsuls in Athen.) # Die jüdische Kolonie Woodbine in New Jersey ist kürzlich von der Gesetzgebung mit Stadtrechten ausgestattet worden und sie soll jetzt der einzige Ort der Welt sein, der ausschliesslich von Juden verwaltet wird. Die Kolonie besteht nunmehr zwölf Jahre und hat ihre Gründung der Einwanderung russischer Juden zuzuschreiben, die sich vor den Verfolgungen anfangs der neunziger Jahre nach Amerika retteten. Es wurden aus dem Baron Hirsch-Fonds Mittel zum Ankauf eines Landkomplexes mit einem Flächenraum von etwa 6000 Morgen bewilligt, der jetzt zum grössten Teil urbar gemacht worden ist. Die ersten Ansiedler hatten in der Wildnis viel auszustehen, sie haben den von so vielen amerikanischen Ansiedlern geführten Kampf mit dem Wald indessen sehr gut bestanden und finden sich jetzt durchweg in recht behaglichen Verhältnissen. Der Ort hat eine Ackerbauschule gegründet, es besteht schon Industrie dort" und die gedeihliche Fortentwickelung der Kolonie scheint ausser Frage zu stehen. Die Kolonisten müssen natürlich dem Baron Hirsch-Fonds den Ankaufspreis des Landes erstatten und viele haben dies schon lange getan. Andere haben die betreffenden Hypotheken nur zum Teil abgetragen. Unter dem Einfluss der „amerikanischen Luft" entfaltet sich ein reges geselliges und geistiges Leben, wie daraus hervorgeht, dass der verhältnismässig doch recht kleine Ort ein Dilettantentheater und einen literarischen Verein hat. Ausserdem finden sich dort ein Turnverein, ein Frauen-Turnverein, ein politischer Klub und eine freiwillige Feuerwehr. * Von deutscher Besiedelung Kleinasiens und Syriens ist wiederholt gesprochen, aber diese Andeutung allein versetzte die französischen Chauvinisten in gelinde Raserei. In Deutschland selbst legte man solchen Anregungen, den Auswandererstrom nach jenen türkischen Provinzen hinzuwenden, wenig Bedeutung bei. Der Vorschlag taucht aber nachdrücklich