Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Zukunftspläne für Südwest-Arabien [Nachricht]
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 241 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 241 — sätze einzuführen imd den Arabern einen guten Markt für ihre Waren zu bieten, so ist es ■ sehr wahrscheinlich, dass der bisher über Aden geleitete Handel auf Dschibuti abgelenkt werden wird. Die indische Regierung beobachtet die Vorgänge in Dschibuti mit besonderem Interesse, und . die englisch-indische Presse hat verschiedentlich auf die Gefahren hingewiesen, die dem indischen Handel durch den steigenden Einfluss Frankreichs in Dschibuti erwachsen. Man fürchtet, dass der vorzügliche Hafen von Dschibuti auch den Handel Zeilas und Berberas ebenso wie den von Aden schädigen und sogar mit der Zeit lahm legen werde. Ferner werden in Indien auch Stimmen laut, die auf die politischen Gefahren hinweisen, die für England durch die französische Bahn von Dschibuti nach Harrar erwachsen. Dies würde es Frankreich ermöglichen, mit Schnelligkeit Truppen nach Harrar zu werfen, die angrenzenden Gebiete, namentlich aber die Zugänge vom indischen Ozean aus nach Abessinien zu beherrschen und ßritisch-Somaliland abzuschliessen. Der Vorschlag, Berbera und Harrar durch einen Bahnstrang zu verbinden, wird als bestes Mittel bezeichnet, um in Britisch-Somaliland und Ost-Abessinien indischen Handel und britisches Ansehen zu fördern. (Kölnische Zeitung.) # Die Damaskus-Mekkabahn. Ein vor einigen Tagen erschienenes kaiserliches Iradeh befiehlt den .Ankauf der Kaiffa- Damaskusbahn für den Betrag von 155 000Lt., zahlbar innerhalb zweier Jahre in Monatsraten und zwar in Anweisungen auf die Schafsteuer. Die Regierung beabsichtigt diese Strecke zu einer Zweiglinie der Damaskus-Mekkabahn auszubauen und in Kaiffa einen Hafen anzulegen/ der auch für grössere Schiffe tief genug ist. Auf diese Weise bekäme die Damaskus—Mekkabahn zwei Kopfstationen am Meere: Beirut und Kaiffa. Die Linie Kaiffa—Damaskus wurde 1891 einem Herrn Pilling konzessioniert, dem Vertreter eines englischen Syndikats. Mit vielen Mühen gelang es dem Konzessionär, eiue Gesellschaft mit 600 000 Lst. Kapital' zu gründen, die „Syria Ottoman railway Co.", welche auch bald mit den Erdarbeiten begann, 'dieselben aber nach Vollendung von mehreren Kilometern wieder einstellte. Das ganze Unternehmen war nur dazu bestimmt, der französischen Bahn Beirut—Damaskus Konkurrenz zu machen, und "' nur daraus erklärt sich die merkwürdige Trassenführung. Die Engländer wollten vom Meere aus eine Bahn nach Damaskus bauen, zuerst versuchten sie es von Saida aus, schliesslich wählten sie Kaiffa. Die Trasse führt zunächst nach Beisan am Jor ian, 25 km südlich vom See von Tiberias; von da geht sie das Jordanthal aufwärts an den See und erreicht. Damaskus als Parallelbahn zu der bereits gebauten französischen Linie Damaskus-— Muzerib. Die Trassierung war, wie ersichtlich, ganz widersinnig; überdies sollte die Spurweite der neuen Bahn die der englischen Eisenbahnen sein, nämlich 4' S72". Merkwürdig ist die Konzession dieser Linie; sie enthält alle möglichen Verbote für Konkurrenten, welche von der syrischen Küste ins Innere vordringen möchten, und räumt der englischen Gesellschaft Vorzugsrechte ein für alle Linien an der Küste und im Innern Syriens, ausserdem gewährt sie ihr das Schiffahrtsmonopol auf dem See von Tiberias. An Zweiglinien waren vorgesehen eine nach Hasbayah und eine nach Bosrah; die erstere sollte den Jordan hinaufgehen bis an seine Quelle, fast in die Mitte der Linie Beirut—Damaskus, die zweite kreuzte die Hauranbahn und beraubte ihr dadurch die Möglichkeit, sich über Mezrib hinaus zu verlängern. Richtig wäre es gewesen, die Bahn von Baisan ab den Jordan abwärts zu führen, am Toten Meere vorbei bis an den Golf von Akabah, eine Idee, die jetzt aber weiter östlich und ohne sich dem Meere zu nähern die Damaskus—Mekkabahn zu verwirklichen sucht. Kaiffa, wohl geschützt durch ein Vorgebirge gegen die Südwinde, hat als Hafenplatz dem einst so hochberühmten Akka (Saint-Jean d'Acre) den Rang abgelaufen, welches letztere nur mehr 10 000 Einwohner zählt. Kaiffa wird heute von den christlichen Pilgern vielfach benutzt, um ans Land zu gehen, einmal um die schwierige Ausschiffung in Jaffa zu vermeiden, dann, um von hier aus das Karmelgebirge, den Berg Tabor und vor allem Nazareth zu besuchen. Man reise von Kaiffa über Djenin, Nabulus nach Jerusalem. Ist Kaiffa erst einmal mit der Damaskus— Mekkabahn verbunden, dann wird es auch von zahlreichen mohammedanischen Pilgern benutzt werden. Nach einer Depesche des Generaldirektors der Arbeiten der Damaskus— Mekkabahn, Kiazim Pascha, haben zwei Bataillone Soldaten mit den Terrassierungsarbeiten von Kilometer 112 ab begonnen. Die Schienen sind auf eine Länge von 40 km gelegt. Um den Bau zu beschleunigen, wird die Bevölkerung, der angrenzenden Gebiete zur Arbeit herangezogen, und um die Kosten für den Bahnbau aufzutreiben, wurde beschlossen, eine Anleihe von einer Million Pfunden aufzu-