Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Eine schwimmende Ausstellung [Nachricht]
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 240 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 240 - marktes machen, werden abermals durch ihre neueste Schöpfung auf dem Gebiete der Propaganda grössten Stiles -bewiesen, die schwimmende. Ausstellung auf einem Hochseedampfer, welcher die Häfen in Asien, Afrika und Australien anlaufen und bald in See gehen soll. Der Gedanke dazu, der von einem Konsortium, nämlich der Commercial Oriental Expedition Company in Seattle Wash., ausging, hat nach den Meldungen eines führenden amerikanischen Industrieblattes (Iron Age) die lebhafte Unterstützung der amerikanischen Konsulate gefunden; diese hätten sich mit ihren eingehenden Kenntnissen der von ihnen vertretenen fremden Gebietsteile sofort der Sache sowohl zur richtigen Inauguration angenommen, als auch wollen sie zum erfolgreichen Verlauf mit dem Unternehmen in engerer Fühlung bleiben. Die Ausführung dieser Ausstellung ist folgendermassen geplant: Der gecharterte Dampfer „Oregon" wird in seinem Inneren auf den Stand von grossen modernen Ausstellungsräumen gebracht. Einem jeden interessierten Industriellen wird hier der gewünschte Raum mit allem. nötigen Zubehör zur Aufstapelung seiner Produkte mietsweise zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich sind alle Vorkehrungen für Ueberlassung von Licht und Kraft an die Aussteller in ausreichendstem Masse getroffen. An einem passenden Hafenplatz des Auslandes angekommen, soll dann vor allem die Arbeit der Konsulate in ihre Rechte treten. Diese.werden nämlich, wie berichtet wird, nicht nur die Kaufleute in ihren Distrikten — etwa in Indien — von der Anwesenheit des Ausstellungsschilfes -in Kenntnis setzen, sondern sie werden ihnen auch die besten Verkehrs Verbindungen sowie die passendste- Zeit .für die Reise aus dem Hinterland nach dem Anlegehafen bekanntgeben. Der „Oregon" wurde vor allem auch mit vielseitigen Transporteinrichtungen versehen, um in Hafenplätzen mit primitiven Ouaianlagen ungehinderten Zutritt sowie das Verladen von Waren, Maschinen etc. zu ermöglichen. An der Spitze des Unternehmens stehen erfahrene Kräfte der Industrie wie der Haute finance des Staates Washington; bei der Energie und Geschäftsroutine, welche die Amerikaner stets beweisen, kann man wohl ziemlich gewiss aus dieser Ausstellung eine weitere Ausdehnung des amerikanischen Handels auch in solchen Ländern erwarten, die bis jetzt hauptsächlich deutsche Produkte einführten. # Zukunftspläne für Südwest-Arabien. Vor einiger Zeit wurde gemeldet, dass England sich mit. den Plänen für eine Eisenbahn in Süd-Arabien' trage;* die Aden mit dem Innern Arabiens verbinden solle. Diese Meldungen sind darauf zurückzuführen, dass sich in Aden ein Rückgang des Handels bemerkbar machte, da die Zufuhren aus dem Innern des Landes sich immer schwieriger gestalten, und da auch andere Häfen am Roten Meer anfangen, mit Aden in Wettbewerb zu treten. Unter den. gegenwärtig herrschenden Verhältnissen werden die nach Aden aus den Kaffeegebieten kommenden Karawanen schwer besteuert. Jeder, Sultan, dessen Land eine Karawane zu durchziehen hat, verlangt eine Abgabe, ohne dafür aber sicheren Durchzug zu gewährleisten. Kleinere Karawanen haben sehr oft das Missgeschick, unterwegs von Beduinen besteuert oder gar ausgeplündert zu werden. Diesem Uebelstande würde in der That durch den Bau einer Eisenbahn nach Sanaa, der Hauptstadt von Türkisch-Jemen, abgeholfen werden, eine solche ist auch in einem Gesuch der Kaufmannschaft von Aden erbeten worden. Diese Bahn wird von den Bewohnern von Aden auch deshalb dringend gewünscht, weil durch sie die 5000 Fuss hoch gelegene Hochfläche von Sanaa für Aden in erreichbare Nähe (etwa 150 km) gerückt werden und dadurch für die allerschlimmste Hitzezeit die Möglichkeit für einen Erholungsaufenthalt geboten werden würde. Ein Regierungsausschusshat den Plan begutachtet und sich „im Grundsatz" zustimmend ausgesprochen, jedoch seheint man nicht daran zu denken, den Plan auszuführen. Privatgelder würden sich dafür nicht finden, da die politischen Verhältnisse in Süd-Arabien zu unsicher sind und sich auch die Nachrichten von Kohlen- und Goldfunden als ganz unzuverlässig herausstellen. Dabei ist noch gar nicht in Betracht gezogen worden, wie die türkische Regierung sich zu dem Plane stellen würde. Nach den jüngsten Vorgängen in Süd- Arabien dürfte in Konstantinopel nicht viel Stimmung für eine Bahn mit dem englischen Hafen Aden als Ausgangspunkt vorhanden sein. Ein weiterer Grund des Rückgangs für den Handel von Aden i st, wie schon gesagt, darin zu suchen, dass der Handel Dschibutis in letzter Zeit einen grossen Aufschwung genommen hat. Es haben sich dort mehrere französische Geschäftshäuser niedergelassen und den Handel mit Abessinien entwickelt. Die Ankäufe' werden durch Messagerie-Dampfer nach Europa verfrachtet und nehmen nicht mehr den Weg über Aden. Falls es gelingen sollte, zwischen Hodeida Mocha und anderen Häfen der arabischen Küste niedrige Fracht-