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Palästina · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Bekämpfung der Malaria [Nachricht]
Date
1902-05-01
Page
Seite 238 (sequence 1)
Language
German
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— 238 — Bekämpfung der Malaria. Versuche zur Bekämpfung der Malaria mit dem von Prof. R. Koch erfundenen Verfahren, wonach Chinin in 8—9 tägigen Zwischenräumen als vorbeugendes Mittel genommen werden soll, hatten nach Mitteilungen Dr. Guiarts, Rom, keinen Eriolg. Günstigere Ergebnisse erzielten Versuche Prof. Grassis mit einer eigenartigen Verbindung von Chinin, citronensaurem Eisen, arseniger Säure und Bitterextrakt. Dieser Stoff wurde in Form von Pillen oder Lösungen bis zu 6 Pillen täglich an Erwachsene, an Kinder in geringeren Dosen verabreicht. Auf einem Landgut in der Umgegend Ostias erkrankte von 60 nach diesem Verfahren vorbeugend behandelten Dreschern kein einziger, während ihre 60 Arbeitsgenossen ausnahmslos von der Malaria befallen wurden. (Mitt. d. Deutschen Kolonialgesellschaft.) * Jerusalem. Die russisch - orthodoxe Palästinagesellschaft unterhält jetzt in Palästina und in Syrien 67 Schulen mit 10 000 Schülern; davon kommen 4 auf Judäa, 18 auf Galiläa, 28 auf Südsyrien und 17 auf Nordsyrien. Alle diese Schulen wurden von der Regierung anerkannt und erhielten Steuerfreiheit. Die russischen Spitäler in Jerusalem, in Bethlehem, Bethgala, Nazareth und Damaskus pflegten im ganzen 100 000 Kranke. Jeder Zögling kostet 20 Rubel und jede Krankenvisite 12 Kopeken. Im letzten Jahre pilgerten 9279 Russen nach Jerusalem. Jetzt wird ein Hospiz für 1200 Pilger erbaut. In Haifa hat die Gesellschaft ein grosses Haus und einen geräumigen Garten gekauft, um daselbst ein Hospiz für Pilger zu errichten. Die Einnahmen der Gesellschaft beliefen sich im abgelaufenen Jahre auf 419 040 Rubel, die Ausgaben auf 407 160 Rubel. Ende 1901 besass die' Gesellschaft Realitäten im Werte von 1 763 994 Rubel und 153 441 Rubel Bargeld. — Im Juni passierten 302 Rubel und 153 441 Rubel Bargeld.—Die Einnahmen der Jaffabahn beliefen sich im Jahre 1901 auf 763 169 Francs, 34 000 Francs mehr als im Jahre 1900. Die Ausgaben betrugen 331 000 Francs, 13 000 Francs mehr. Im Jahre 1899 betrugen die Einnahmen 735 000 Francs, 1900 sogar nur 729 000 Francs bei einer Länge von 87 Kilometer. Auch die Eisenbahn Beirüt-Damaskus steht ungünstig bei einer Einnahme von 2216000 Francs auf einer Länge von 250 Kilometer. * Die Cholera in Palästina. Brieflichen Nachrichten aus Palästina zufolge war am 5. Dezember in Gaza, Lydda und Tiberias die Cholera vollständig erloschen. Dagegen ist sie in Salt, Kerak und Jericho aufgetaucht. In Jaffa, wo die Krankheit am 16. November ihren Einzuggehalten hat, ist sie immer noch im Steigen begriffen. Die Zahl der Krankheitsfälle betrug vom 1. bis 5. Dezember 105 und die der Todesfälle 65. Auffallend ist die geringe Zahl der Cholerafälle unter den Juden, eine Thatsache, die die Aufmerksamkeit selbst der Behörden und der Konsulate auf sich zu lenken beginnt. In Jaffa hat der neue Kaimakam die dortigen jüdischen Notabein nach dem Grund, weshalb die Cholera über die Juden so wenig Macht habe, direkt gefragt. Als Antwort wurde er auf die Thatsache hingewiesen, dass die Juden überall die von der Regierung und den Aerzten erlassenen Vorschriften streng beobachten, dass sie femer Vereine gebildet haben, welche jedem Choleraverdächtigen durch Abreibungen etc. die erste Hilfe leisten, und dass sie endlich gegen alle von Cholera heimgesuchten Häuser eine innere Quarantäne eingerichtet haben. So haben die 40 jüdischen Familien von Gaza, wo von der arabischen Bevölkerung an 3000 gestorben sein sollen, gleich nach dem Ausbruch der Cholera sich in ein ausserhalb der Stadt gelegenes, grosses Haus zurückgezogen, dass sie gegen die Aussenwelt hermetisch verschlossen hielten. Der Erfolg war, dass in Gaza kein einziger Jude an der Cholera gestorben ist. Man vergleiche damit das Verhalten der Araber, die nicht nur sich um die ärztlichen Vorschriften .nicht kümmern, sondern häufig aus Bosheit und Neid die Cholera in bisher von ihr verschonte Nachbardörfer böswillig zu verpflanzen suchen. So haben die Araber des von der Cholera dezimierten Dorfes Kafr Anah dadurch, dass sie die Wäsche eines an der Cholera Verstorbenen in die Quelle des benachbarten Dorfes Sakha warfen, die Krankheit glücklich auch in dieses Dorf importiert. Mit dem bösen Willen der Nachbarn müssen auch die Kolonisten von Rischon Le Zion rechneu. Es ist vorgekommen, dass beim Weintransport von Rischon Le Zion nach Jaffa die Araber des Dorfes Jazur an die Kameeltreiber mit der löblichen Absicht sich herandrängten deren Kleider zu besudeln. Der Weintransport wird daher von bewan°neten jüdischen Reitern eskortiert. In Lydda sollen von 4000 Einwohnern 700 der Cholera zum Opfer gefallen sein. Auch hier starb nicht ein einziger Jude. Dagegen haben die Juden gleich der übrigen Bevölkerung selbstverständlich ausserordentlich unter einer Begleiterscheinung der

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