Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Die Burg des Königs Salomo [Nachricht]
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 237 (sequence 2)
- Language
- German
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— 237 - Seinen grössten Erfolg errang der Gelehrte, wie erwähnt, in der Auffindung des salomonischen Schlosses. In Anbetracht der Wichtigkeit dieses Fundes liess Dr. Sellin einen sehr genauen Plan anfertigen, weil hier zum erstenmale ein Muster der so oft in der Bibel erwähnten, von den israeli^ tischen Königen aufgeführten Burgen gegeben ist. Ferner wurden zwei Schächte aufgegraben, die eine solche Fülle von Material boten, dass es möglich ist, mit aller wünschenswerten Deutlichkeit ein umfassendes Bild von der Kultur der vorisraelitischen Bewohner des .Landes zu entwerfen. Am Schlüsse seines Berichtes erwähnt Dr. Sellin, dass der ganze Mai in Palästina auffallend kühl und angenehm war. (Frankfurter Zeitung.) # Jerusalem. Hier beabsichtigt man deutscherseits die Gründung eines Deutschevangelischen Institutes für Altertumswissenschaft. Seit Jahren schon trug man sich mit dem Gedanken einer solchen Gründung, die nach Umständen grosse Bedeutung für biblische Studien und Kenntnis des Orients gewinnen kann. Auch zur Hebung deutschen Ansehens mag sie bei dem grossen Wettbewerb, in den sie mit ähnlichen französischen, englischen und russischen Bestrebungen auf dem bezeichneten Gebiete hier eintreten muss, mit beitragen können. Freilich soll der ganzen Sache, soweit wenigstens die Benennung darauf schliessen lässt, ein protestantischer Beigeschmack gegeben werden. Ueber die Einrichtung des Institutes, die Mittel der Gründung und des Unterhaltes ist Näheres noch nicht mitzuteilen. Wie ernst es übrigens damit genommen wird, lässt sich daraus ersehen, dass eine der ersten Autoritäten auf dem Felde biblischer und jüdisch - rabbinischer Gelehrsamkeit, Professor der Theologie Dalmann in Leipzig, als Leiter des Institutes ausersehen ist. (Derselbe ist inzwischen ernannt worden. Vergl. Nr. 634 dieses Blattes.) Gegen Ende dieses Jahres schon wird derselbe nach Jerusalem übersiedeln und seine Thätigkeit hier beginnen. (Kölnische Volkszeitung.) * Die Mohnkultur ira Vilayet Brussa (Klein Asien). (Nach Oesterr. Mtsschrift f. d. Orient Bd. XXVIII No. 2.) Das Vilayet von Brussa ist reich an Mohnpflanzungen, die zur Gewinnung des Opiums dienen. Besonders häufig wird der Mohn im Thal des Saccariaflusses, zwischen Gueve und Lefke und dann längs der anatolischen Eisenbahnlinie zwischen Afiun- Karahissar und. Akschehir, ferner noch in Balukesser, Kutahia, 1 Eskischehir u. s. w. kultiviert. Nachdem der Opiumverbrauch zurückgegangen ist, hat auch die Mohnkultur erheblich abgenommen, dennoch zählt er zu den einträglichsten Exportartikeln dieses Vilayets. Die Gewinnung des Opiums geschient auf folgende Art: Sobald die Mohnkapseln die Grösse einer starken Walnuss erreicht haben, wird mit einem, spitzen Messer ein kreisförmiger Einschnitt um die Ansatzstelle des Stengels eingeführt. Aus der Wunde quillt der Milchsaft heraus und verfärbt und verdickt sich an der Luft. Man lässt ihn bis zum folgenden Tage unberührt und kratzt dann das fertige Opium mit dem Messer ab. Sollte unglücklicherweise über Nacht Regenwetter eintreten, dann ist das Opium verdorben. Dies wird in Klumpen von 1—2 Oka geknetet, mit frischen Mohnblättern umhüllt und so in den Handel gebracht. Die Operation des Einritzes wird nur einmal ausgeführt. Diese ganze Arbeit wird zumeist von Frauen ausgeführt. Aus dem Mohnsamen wird Oel gepresst, welches, trotz seines unangenehmen Geruches und Geschmackes der armen Bevölkerung als Nahrungsmittel dient; der zurückgebliebene, ausgepresste Mohn wird zu Kuchen geformt und als Viehfutter benutzt. Um eine Oka Oel zu pressen, braucht man 3 Oka Mohnsamen, der Wert des Oeles ist ca. 3 Piaster gleich 60 Heller. Der Morphiumgehalt ist verschieden und richtet sich je nach der Güte der Ernte. Opium der Umgebung von Kirahissar zählt ungefähr 11 Prozent Morphin. Da dieses Produkt ein wesentlicher Spekulationsartikel ist, variiert sein Preis sehr. Man hat für 1 Oka bis zu 5 L. bezahlt, , dann wieder fiel der Preis bis auf 85 Piaster, heute notiert er 140 bis 150 Piaster. Auch vielfachen Fälschungen ist er unterworfen. In der Beimengung scheint man nicht sehr wählerisch zu sein. Dem Opium wird vor der Verarbeitung Mohnsamen, Weinbeermus, Eidotter, Gummi, Honig, Mehl, Ocker zur Färbung, ja selbst Psirich, eine Art Schusterkleister, zugemengt. Die heurige Opiumernte scheint keine besonders günstige gewesen zu sein, der Ausfall beträgt ca. 20 Prozent gegen das Vorjahr. Die Produktion dieses Vilayets wird mit ungefähr 3000 Körben a 60 Oka bewertet, wovon auf Karahissar allein 1300 Körbe entfallen. Der weit grösste Teil des Opiumertrages ist zur Ausfuhr bestimmt, und zwar gegen 40 Prozent via Konstantinopel und 60 via Smyrna. Hauptabnehmer ist Nordamerika, grössere Quantitäten werden nach England und Holland versendet, weniger importiert Frankreich und Deutschland.