Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Aus den Anfängen der kalifornischen Kolonisation
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 230 (sequence 1)
- Language
- German
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— 230 — AUS DEN ANFAENGEN DER KALIFORNISCHEN KOLONISATION. Annaheim ist der Name eines Dorfes von deutschen Winzern, inmitten einer grossen Ebene, etwa 24 Meilen östlich von "Wilmington. Der Ort liegt 12 Meilen von den Santiago-Bergen, 8 Meilen von der See und 3 Meilen von dem Santa Anna River. Die Entwicklung dieses Dorfes, das jetzt einer der wichtigsten Weindistrikte der Gegend ist, ist so geeignet zu zeigen, was selbst vermögenslose Leute durch wohlgeleitete Arbeit erreichen können, dass wir die Einzelheiten in etwas ausführlicherer Weise zur allgemeinen Kenntnis bringen wollen. Im Jahre 1857 war der Ort, wo heute das Dorf steht, eine leere, trockene und sandige Ebene, ähnlich der, die sich bis heute dort ringsum meilenweit ausdehnt. Im Sommer jenes Jahres kauften eine Anzahl deutscher Weinbauern 1625 acres in dieser Ebene, zu zwei Dollars per.acre, um zu versuchen, ob der Boden sich zur Weinkultur eigne. Das Land wurde in 50 rechtwinklige Parzellen von je 20 acres geteilt und Strassen dazwischen freigelassen. Das Dorf wurde in der Mitte des Komplexes angelegt und 60 Bauplätze vorgesehen — eines für jeden Kolonisten und zehn für Gemeindezwecke. Alle Parzellen wurden mit Weiden, Sykomoren und Pappeln umpflanzt und ungefähr 10 acres jeder Parzelle mit Wein bebaut. Ein Graben von 7 Meilen Länge wurde angelegt, um vom Santa Anna River Wasser herbeizuführen. Zwei Jahre lang wurde zunächst das Land bebaut und zwar von Lohnarbeitern auf Kosten der Kolonistengruppe; nach dieser Zeit wurden die Parzellen unter die Einzelnen verteilt. Diejenigen, die so glücklich waren, die besten Parzellen zu bekommen, hatten denen, deren Stücke in Bezug auf Lage oder sonstwie weniger günstig waren, eine gewisse Summe zu bezahlen. Alles in allem kostete jede Parzelle von 20 acres, eingezäunt und teilweise mit zweijährigen Weinstöcken bepflanzt und zuzüglich einer Dorf bausteile von 100 X 200 Fuss, die Summe von 1400 Dollars. Jede dieser Parzellen ist gegenwärtig ihrem Besitzer ein kleines Vermögen wert und wird in wenigen Jahren noch viel mehr wert sein. Ungefähr eine Million Weinstöcke wachsen in dieser Kolonie —: 3/4 derselben tragen bereits Früchte. Es sind dort auch 10 000 Fruchtbäume verschiedener Arten und der ganze Ort gleicht einem Walde und Blumengarten, von Weiden, Pappeln und Sykomoren durchzogen die die Fruchtbäume vor jedem Winde schützen. Fast jede Parzelle enthält ein bequem eingerichtetes Haus, und das Dorf zählt ca. 400 Einwohner. Eine gute~ Schule ist da, mehrere Käufläden sowie eine Postanstalt, aber weder ein Rechtsanwalt, noch Arzt, noch Geistlicher. Hunderte solcher Plätze existieren noch im Süden Californiens, wo derartige Kolonien mit gleichem und selbst grösserem Eifolge angelegt werden könnten. <„The natural Wealth. of CaliforniaTitus Fey Cronice, H. H. Bancroft New-York. 1868, page. 107.)