Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Olivenbau für Palästina
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 227 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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— 227 — sprach davon, dass eine solche Ernte nur unter günstigen Vorbedingungen und auch dann möglicherweise nur jedes zweite Jahr erwartet werden könne. Ich bin mir auch selbst durchaus genügend klar, das Landwirtschaft kein Rechenexempel ist. Aber Durchschnitte gelten auch hier, wie überall, und der Leser wird gefunden haben, dass andere Autoritäten anderwärts ähnliche und grössere Durchschnitte angeben. Zudem wird man ja bei Beginn eines wöhlgeleiteten Unternehmens ohnehin sorgfältig darauf achten, dass nichts vernachlässigt werde. Und schliesslich würde auch eine Ernte in zwei Jahren ein vorzügliches pekuniäres Resultat ergeben. Im übrigen lässt sich der grösste Posten in unserer Rechnung, nämlich £ 1000 für die Bäume, fast völlig sparen, wenn man im Laufe der Zeit dazu übergeht, selbst das Propfen zu besorgen (Wildlinge stellt die Regierung umsonst) oder Stecklinge in eigener Baumschule zu ziehen. Es sei hier auch darauf hingewiesen, dass die deutschen Kolonien in Palästina mit einem Ertrage von 1600 M. brutto per Hektar Oliven rechnen und zwar bis 200 Bäumen per Hektar (also in Abständen von 7 m gepflanzt) ä 8 M. Ertrag. In dem Aufsatz über die schwäbischen Kolonisten ist auch 1 ha Oliven mit 3000 Frcs. bewertet. (Für Tunis findet sich übrigens in dem bekannten Geographie-Buche von Seydlitz die Angabe, dass Land, welches als Viehweide verwertet, für 10 Frcs. per Hektar zu kaufen ist, mit Oliven bepflanzt 800 Frcs. kostet!) Wir kommen nun zu der Verwendung des zwischen den Olivenreihen unbenutzt liegenden Landes und hier eröffnen sich ganz neue und überraschende Perspektiven. Eine Olivenpflanzung von 100 ha würde die 'Ausnutzung fast der gesamten Bodenfläche für Körnerbau oder Gemüsezucht — zumindest für eine Reihe von Jahren — gestatten. Nun ist es klar — nach den Erfahrungen in allen Ländern —- dass bei rationellem Betriebe des Gemüsebaus eine Bauernfamilie schon von 1 ha leben kann. Es würden also von 100 ha eine grosse Anzahl von Kolonisten leben können — eine viel grössere jedenfalls, als die für die Arbeit an den Oelbäumen erforderlich ist. So würde die Aufzucht der Oelbäume bezahlt werden können durch den Ertrag des Landes an Gemüse und die schliessliche Ernte von den Oelbäumen würde quasi einen Ueberschuss darstellen. * * * Noch ein Wort zum Schlüsse: Wie immer es mit den Aussichten der jüdischen Kolonisations-Bestrebungen im Orient sich verhalten möge, so ist jede legale Vergrösserung der jüdischen Seelenzahl, jede Verbesserung des jüdischen Besitzstandes in Palästina ein nationaler Gewinn, — jeder Rückgang und besonders eine Auswanderung gerade der wertvollsten Arbeiter-Elemente des Landes ein nationaler Verlust. Diese Auswanderung muss unbedingt verhindert werden! Welchen besseren Weg kann es da geben, als einen, der gleichzeitig mit der sofortigen Hilfe Lebensmöglichkeiten für die Zukunft schafft — der geeignet ist, nicht bloss den Tagelöhnern, sondern vielen tausend anderen einen lohnenden Unterhalt zu gewähren, die heute der nationalen Sache mit nichts anderem dienen, als mit ihrem blossen Aufenthalt in Palästina!