Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Palästinaforschung und Palästinakolonisation im Programm der demokratisch-zionistischen Fraktion [Nachricht]
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 161 — einsetzen, das mit einem, bes'immten Budget zu dotieren ist. § 15. a) Es ist eine dringende Pflicht der zionistischen Organisation, in Palästina schon jetzt möglichst grosse Ländereien zu erwerben. b) Als eine wichtige Vorarbeit und ein wesentlicher Faktor für den Zionismus ist die Umwandlung der palästinensischen Judenheit in ein produktives, mit zionistischem Bewusstsein erfülltes und von den nationalen Aufgaben durchdrungenes Element zu betrachten. c) Ferner ist die Entfaltung einer kulturellen Thätigkeit in Palästina, sowie eine engere Verbindung zwischen der Judenheit Palästinas und der der Diaspora zu erstreben. * Eine jüdische Hochschule in Palästina. Dieselbe Strömung, welche die demokratischzionistische Fraktion ins Leben gerufen bat, liess auch das Projekt einer jüdischen Hochschule reifen. Diese Anstalt hätte im wesentlichen eine dreifache Bestimmung: dem Mangel an Bildlingsgelegenheit für die jüdische Jugend des Ostens abzuhelfen, das Centrum für eine neue, national-jüdische Kultur zu bilden und der jüdischen Landwirtschaft und Industrie geschulte Kräfte zuzuführen. Die Hochschule würde eine Kombination einer Universität (mit Ausnahme der medizinischen Fakultät), eines Polytechnikums und einer Landwirtschafts- Akademie darstellen. Im „Jüdischen Verlage" erscheint soeben eine Broschüre „Eine jüdische Hochschule", in welcher die Initiatoren Martin Buber, Berthold Feiwel und Dr. Ch. Weizmann ihre Idee lichtvoll auseinandersetzen. Es ist der sehnlichste Wunsch des Hochschul-Komitees, dass es gelingen möge, das Institut in Palästina ins Leben zu rufen. „Vollkommen gelungen wird die Lösung des jüdischen Hochschulproblems sein, wenn es glücken wird, das Institut in Palästina selbst zu begründen. Es wäre damit nicht nur die moralische, sondern auch die wissenschaftliche, sogar auch eine ökonomische Unterlage für den grossen Heimstättenplan gegeben. Es müsste ein unvergleichlicher Impuls davon ausgehen, wenn unsere Jugend sich zugleich mit dem heimatlichen Boden und dem Judentum in den schönsten Formen vereinigte Kein Zweifel, dass mit der Existenz und dem Gedeihen einer palästinensischen Hochschule sich zugleich bei allen Juden der Welt das Vertrauen in die Möglichkeit der Etablierung einer Heimstätte um ein Vielfaches steigern und festigen würde. Von der Hochschule als dem Centrum aus könnte eine grossangelegte kulturelle Arbeit erfolgen, mit der die technische Erschliessung des Landes und die Erziehung des Volkes in ökonomischer Hinsicht Hand in Hand gehen könnte. Die Jüdische Hochschule wird — um ein Beispiel aus der technischen Abteilung zu wählen — alljährlich drei Kategorien entsenden können: Höhere Techniker (Ingenieure), Lehrer in den technischen Fächern und fachlich geschulte Praktiker. Man wiid bald verstehen, was das bedeutet. Es ist damit die Möglichkeit der Etablierung einer jüdischen Industrie gegeben, einer Industrie, bei der alle Arbeiter von unten nach oben mit den erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnissen ausgerüstet sind. Durch die Verwertung der Lehrkräfte und durch die Instruktion in den Fabriken ist die Heranziehung beziehungsweise Schulung einer ganzen Reihe von Kräften möglich. Endlich ist es nicht unwesentlich, dass das moralische Besitzrecht, das wir auf unsere Heimat haben, durch die Existenz einer Jüdischen Hochschule, durch die Vereinigung der nationalen Jugend und durch die voraussichtlich bedeutsame neue jüdische Geistesentfaltung an öffentlicher Geltung und Anerkennung gewinnen würde. Die Vorteile, die eine Jüdische Hochschule in Palästina gegenüber einer Hochschule in Europa aufweist, sind so grosse, der nationale Antrieb, der nach Palästina drängt, ist so mächtig, dass von vornherein bei Aufstellung des Hochschulprojektes nicht einen Augenblick ausser acht gelassen wurde, kein Mittel unversucht zu lassen, die Hochschule in Palästina zu errichten. Freilich — stehen und fallen kann die Hochschule mit der Möglichkeit der Errichtung in Palästina nicht. Aber wenn auch die Hochschule in einem anderen Lande — in England oder in der Schweiz — etabliert werden sollte, wird es immer in der Voraussetzung geschehen, dass es in früher oder später Zukunft beschieden sein wird, sie nach Palästina zu verlegen." * Eine Handelsgesellschaft in Palästina. Herr H. Vogelsohn in Lodz, welcher eine Handelsgesellschaft für Palästina ins Leben zu rufen gedenkt, veröffentlicht in der „Welt" die nachstehenden Ausführungen über die Bedeutung dieser Handelsgesellschaft für die industrielle Entwickelung Palästinas, die wir der Aufmerksamkeit unserer Leser empfehlen: Vom Standpunkte ausgehend, dass die Kolonisierung Palästinas nur dann zweckmässig betrieben werden kann, wenn die-