Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 15 (Dezember 1907)
- Article
- Zur Geschichte des Verbandes
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Vereins eingeführten Fortbildungskurse, die entschieden einen größeren Wert haben als die einzelnen Borträge, die eigentlich doch nur zur Erbauung und Belehrung der von der Mühe des Tages absorbierten Massen bestimmt sind. Doch auch hier heißt es: Das eine tun, das andere nicht lassen. Bildet die Jugend, für die wir Fortbildungskurse und systematische Belehrung fordern, unsere Zukunft, so repräsentieren die Erwachsenen, die im Kampfe des Lebens stehen, unsere Gegenwart, und wie segensreich umgestaltend die Literaturvereine mit ihren öffentlichen Vorträgen auf die Gegenwart gewirkt haben, das dürsten auch diejenigen nicht in Abrede stellen, die an den Vereinen und ihrer Wirksamkeit nur Mängel und Schattenseiten wahrnehmen. Auch wir wissen, daß die Literaturvereine nach mancherRichtung hin reformbedürftig sind, daß nicht immer die geeigneten Männer an der Spitze der Vereine stehen, daß innerhalb derselben viel Personenkultus getrieben wird, und daß nicht alle, die sich zu Vorträgen melden, auch immer die geeigneten Redner sind. Indessen sind das Mängel, die sich leicht beseitigen lassen, und ganz besonders der letzte Punkt wird einen Gegenstand der Erörterung des nächsten Berbandstages bilden, auf dem sämtliche Vereine, ob sie dein Verbände angehören oder nicht, sowie alle, die gleich uns in den Literaturvereinen den Stolz des Judentums in der Gegenwart erblicken, ihre Wünsche und Vorschläge zu deren Hebung und gedeihlichen Fortentwickelung werden geltend machen können. Ist auch an manchen Vereinen, wie einzelne wohlmeinende Kritiker behaupten, eine gewisse Ermüdung wahrzunehmen, so sind sie doch in ihrer Gesamtheit ein Stück frisch pulsierendes Leben, auch in ben Kreisen, wo der religiöse Jndifferentismus alle Lebenssymptome erdrückt hat. Wir glauben fest daran, daß die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur eine hohe und heilige Mission zu erfüllen haben, und daß ihr Wirken und Schaffen nicht bloß der Wissenschaft und den Vereinsmitgliedern, sondern der Religionsgemeinschaft, dem Judentum selbst, zu gute kornmen wird.