Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1843)
- Article
- Posen : Verwaltung des Vorstandes der isr. Korporation [Nachricht]
- Date
- 1843-12-26
- Page
- Seite 412 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360309--4269-2371310- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
412 gesetzt, und im laufenden Jahr über 6200 Lhlr., und doch sind die bisherigen Korporations-Abgabensätze nicht erhöht worden. Das Betteln der jüdischen Armen hat seitdem vollständig aufgehört. Möchte der so sehnlich erwartete, nun hoffentlich auch zur Publikation gelangende Etat unsers Stadt- Haushalts doch eben so glänzende Resultate liefern! Doch wenn das wäre, hätte man wohl nicht die gehässige Einkommensteuer eingeführt. D. A-. Z. Hamburg, 11. Dec. (W.-B. vom 3 — 10. Dec.) Die politischen Verhältnisse der Juden machen gegenwärtig auf jeden, der den Schwingungen der Zeit mit Aufmerksamkeit folgt, einen weit trüberen Eindruck als die literarischen Produktionen über Juden und Judenthum, obgleich auch die Literatur des 1.1843 über dieses Zeitthema nicht wenig schmutzige Seiten aufzuweisen hat. Wir brauchen uns btos an die gehässigen und tollhäuslerischen Schmähschriften, die in und bei Hamburg erschienen sind und an die beiden von Minden ausgegangenen Pamphlets zu erinnern. Indessen ist wenigstens an letzterem Orte dem Auditeur Marcard und dem Hauptmann von Scheele auf geschehenes Ansuchen der Mindener Gemeindevorsteher durch eine an die Verfasser und den interim. Censor ergangene Weisung des Kriegsministeriums das Handwerk gelegt. Mit Recht sind schon in diesem Blatte alle Gemeinden. Preußens aufmerksam gemacht worden, sich in einem Falle, wo der Buchstabe des Censurediktö so klar zu Gunsten jeder Konfession spreche, immer direkt an die Behörde zu wenden, die im vorigen Jahre ihren Willen dem Regierunzssekretär Theodor Brand in Breslau gegenüber klar genug zu erkennen gegeben habe. Man wird dies freilich von gewissen Seiten her eine Appellation an die Censur zu nennen belieben; aber es würde dieses Verfahren nur dann einen solchen Namen verdienen, wenn einmal die nichtswürdige Taktik unserer Gegner aufhörte, das Ganze entgelten zu lassen, was der Einzelne gethan oder auch nicht gethan, und dann den Einzelnen / wegen seiner Vertheidigung des Ganzen mit Koth zu bewerfen. Um den Skandal zu verewigen, fordert man von den Juden immer Antwort auf Fragen, die schon zum Ueberdruffe beantwortet sind. Für unsere Gegner ist Reden und Schweigen von unserer Seite ein gleicher Vorwand zu neuen Beschuldigungen. Indessen verdient es erwähnt zu werden, daß, außer B. Bauer, kein einziger Mensch sich an den Juden reibt, der auch nur mir einem Gran Einsicht oder einem Skrupel gesunden Menschenverstandes begabt wäre. — Die Literatur gegen Bauer nimmt übrigens fortwährend zu. Während- Dr. G. Salomon uns vor einigen Wochen eine populäre Gegenschrift lieferte, sehen wir auch schon im dritten - Bande von Dr. Karl Weils konst. Jahrbüchern (Stuttgart bei Krabbe 1843) die Fortsetzung des G. Riesser'schen Aufsatzes gegen B. Bauer. Überhaupt glauben wir auf die tüchtigen publicistischen Kräfte aufmerksam machen zu müssen, die sich jetzt unter den Juden regen und von denen einzelne Namen, wie Rieffer, Berthold Auerbach, H. B. Oppenheim und Karl Weil schon im 2. Bande jener Jahrbücher sich vereinigt fanden, während im dritten Bande, der von B. Auerbach nichts bringt, wieder Jakob Weil unter den Mitarbeitern austritt und außerdem M. Cohen (in Hannover), der Advokat Creizenach (Mitarbeiter an Biedermanns deutscher-Monatsschrift), Bernays, J.Jacoby u. A. gegenwärtig zu den besten politischen Schriftstellern gehören, — gewiß die schlagendste Widerlegung gegen den Bauer'schen Vorwurf, daß die Juden sich um den Staat nicht kümmerten. -- Franck in Paris, der Vers, eines jetzt übergepriesenen Werkes über die Kabbala, geht nach der A. A. Z. mit dem Plane um, unter Cousin's Auspizien ein franz. Philosoph. Lexikon zu bearbeiten. Beiläufig gesagt, hat diese Zeitung den Grundsatz, keinem ausgezeichneten Juden, von dem sie nur Löbliches sagen kann, den Namen eines Juden, der in diesem Falle zum Ehrennamen werden würde, zu gönnen; so sind der verstorbene Gans in Celle, der Bibliothekar Dr. Gustav Weil in Stuttgart und nun wieder Franck in Paris in der A. A. Z. nie als Juden erwähnt. — Man sieht, die A. A. Z. hält es nach Umständen mit der Ceremonie, deren Erörterung jetzt in Franks, a. M. an der Tagesordnung ist, oder verleugnet auch ihre Kraft. — Ueber die Beschneidung hat sich Dr. Bergson in Berlin vernehmen lassen; Hr. B., der im vorigen Jahre einen großen Theil der von ihm gewonnenen Resultate dem Lit.-Blatt des Orients mitgerheilt, hat so eben auch eine größere Schrift über denselben Gegenstand herausgegeben. Wie wir vernehmen, beschäftigt sich auch ein junger prakt. Arzt außerhalb Berlins mit einer Abhandlung über dieselbe Frage, während eine größere Anzahl von Rabbinern bereits theologische Gutachten über sie abgegeben haben. — Oesterreich. Wlatietibab, Ende Nov. dn nrw Es wäre gut, die Frage, wenn ein getaufter Jude Christ sei, einmal von einem Ehrengericht, aber von einem wahrhaften — nicht etwa einem solchem sogenannten, das über das Recht einander todtschlagen zu dürfen urtheilt — deutlich beantwortet zu sehen, um wenigstens die Judenheit von ihrem armen Sündenbockposten für ein bereits in eine andere Heerde eingetretenes Schafelein-frei sprechen zu können. Zwar sollte man meinen, daß diese Frage nach dem gesunden Menschenverstände schon die Antwort in sich trage: hat nicht der getaufte Jude eben durch die Taufe sich von dem alten Sauterteig los gemacht? — hat nicht die allein selig machende Mutterkirche durch die Aufnahme des belehrten Bekehrten, von Andern aus seinem Volke dadurch so hoch Geehrten dargethan,- daß sie ihn berechnet und erwogen, geprüft und für würdig gesunden, in ihren Schooß ausgenommen zu werden, um als ein neugebornes Kindl ein, von dec früheren Schlacke und Unsauberkeit gereinigt hervorzugehen?! Doch scheint der gesunde Menschenverstand,