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Der Orient · 1843-12-26 · Heft 52 (26.12.1843) · p. Seite 411

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 52 (26.12.1843)
Article
Königsberg : Berichtigung. Synagogeneinweihung in Tuchel [Nachricht]
Date
1843-12-26
Page
Seite 411 (sequence 2)
Language
German
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411 Achtung und Rücksicht ist. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir die geehrten Leser des Orients auf die nun geschlossene Recension des GhiUany'schen Buches von Dr. Lowositz im Könlgsb. LL., welches öfters auch die Aeitfcagen des Judenthums berührt, aufmerksam zu machen. In Tu chel hat die kleine jüdische Gemeinde eine neue Synagoge erbauen lassen, welche den 20. Sptbr. von dem Rabb. H. Horwitz und Hr. Dr. Bram aus Danzig feierlich eingeweiht wurde. -— Es wundert uns hier sehr, daß das Schulbuch, Vocabularium zum Pentateuch, zur leichtern Erlernung desselben, nebst Biegungstabellen der hebr. Substantiva und Verba für Schulen u. s. w. mit einem Vorworte von Dr. Bram (Danzig 1844) in Ihrem LB. nicht beurtheilt wurde *). Frankfurt a. M., 18. Dec. In unserer Gemeinde, die überhaupt in der letzten Zeit viel von sich reden machte, beginnt es nun lebendig zu werden. Hr. Dr. Leopold Stein, Rabbiner in Burgkundstadt, ist zum zweiten Rabbiner der hiesigen Gemeinde erwählt worden. Hr. Stein ist den Lesern dieses Blattes durch seine trefflichen religiösen Poesien, durch sein Gutachten über den Reform-Verein, und uns hier noch durch sein treffliches Rednertalent, dessen wir so sehr nöthig haben, bekannt. Die Wahl liegt nun dem Senate zur Bestätigung vor, die gewiß nicht lange ausbleiben wird. Der neunzigjährige Rabbiner, Hr. S. Trier, ließ sich zwar durch eine überorthodoxe Partei verleiten, beim Senate gegen diese Wahl Einspruch zu erheben, allein es glaubt hier kein Mensch, daß dieser Einspruch zu etwas nutzen kann, da Hr. Trier dazu gar nicht berechtigt ist. Nun hofft man auch, daß die neue Synagoge bald zum Aufbau kommen wird, weil das Wedürfniß nach derselben der zweite Akt ist von dem Wunsche nach einem guten Prediger. Der Aufbau des neuen Schul- und Gemeindehauses hat nun bereits begonnen; die Kosten dazu sollen sich aüf 160,000 Gulden belaufen, die durch Emitticung von Gemeinde-Obligationen aufgebracht werden. — Was die Beschneidungsfrage anlagt, die einzige positive des Reform-Vereins, so ist bis jetzt von Seiten des Senats noch nichts entschieden; eine 20 Seiten starke Broschüre, die von einem pseudonymen Bar Amithai erschienen ist, soll, wie es scheint, den Verein repräsentiren, was aber gegen das gehalten, was schon über diesen Punkt erschienen ist, nur sehr unvollkommen geschehen ist. Die allgemeine Sage hält Hrn. Dr. Zohlson für den Verfasser, was aber dem Schnftchen nach höchst unwahrscheinlich ist. — In Bezug auf die eingegangenen rabbinischen Gutachten über die Beschneidung, so sind deren 38 angelangt, von welchen eine Auswahl unter der Presse ist. Red. Posen, 15. Dec. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Korporation hat unserer christlichen Stadtbebörde rin höchst empfindliches Dementi gegeben. Während nämlich letztere allen laut ausgesprochenen Wünschen zum Trotz fortwährend hartnäckig schweigt und noch keine Bereitwilligkeit offenbart, den Bürgern einen genauen Einblick in die Kommunverwaltung zu gestatten und insbesondere von dem Stadthaushalte Rechnung zu legen, hat gestern der.Vorstand der jüdischen Gemeinde dies unaufgefordert in vollständigster Weise gethan, indem er den hiesigen Zeitungen eine besonders abgedruckte genaue Uebersicht aller Einnahmen und Ausgaben sowie der Geschäftsführung der gegenwärtigen Administratoren beigefügt hat. Nachdem schon vor einigen Tagen dem dermaligen Vorstande der jüdischen Gemeinde eine öffentliche Danksagung für seine musterhafte Verwaltung votirt und dieselbe in den Zeitungen abgedruckt worden war, erhalten wir nun einen ausführlichen Bericht über die segensreiche Thätigkeit disselben. Der jetzige Vorstand übernahm die Leitung der Geschäfte im Sommer 1837 und fand ein Minus von 4000 Thlr. bei einem baaren Kassenbestande von 68 Thlr. vor. Zn notwendigen Bauten bedurfte er noch eine Summe von 5230 Thlr. Sämmtliche Schulden sind abgetragen worden, ohne daß zu diesem Zwecke von den Korporationsmitgliedern besondere Beiträge geleistet worden sind, oder die Zuflucht zu einer Erhöhung der Steuern genommen worden wäre. Die Gesammteinnahmen pr. 1837 beliefen sich auf fast 17,500 Thlr.; sie sanken bis 1839 auf noch nicht 12,000 Thlr.; dann aber hoben sie sich allmälig wieder, sodaß sie im Jahr 1842 die Höhe von 17,000 Thlr. wieder erreichten. Die Verwaltungsbehörde machte es sich zum Grundsätze, nie den Etat zu überschreiten, sondern noch immer einen, wenn auch geringen Ueberschuß zu behalten. Es gelang ihr dies trotz der Schuldenabtragung und der sehr beträchtlichen Armenunterstützungen durch weise Sparsamkeit und unentgeltiche Uebernahme von Verwaltungsgeschäften so vollständig, daß das Kommunalvermogrn gegenwärtig völlig geregelt ist und sich in der besten Ordnung befindet. Der Etat des lausenden Jahres liefert eine Einnahme von 23,300 Thlr., wodurch es möglich geworden ist, den Ausgabe-Etat gleichfalls auf 22,500 Thlr. zu erhöhen. Die jetzige Verwaltung hat im Allgemeinen so musterhaft gewirthschastet, daß alle baulichen Institute in tadellosem Zustande sind, daß das Armenwesen, dieser furchtbare Krebsschaden der frühern Zeit, zur allgemeinsten Zufriedenheit geordnet ist, und daß sie dennoch beim Schluß ihrer Verwaltungsperiode jetzt der nachfolgenden Administrationsbehörde einen baaren Bestand von 10,200 Thlr. überliefert. Ein Hauptverdienst der bisherigen Verwaltung ist, wie gesagt, die Regulirung des Armenwesens. Zu einer wahrhaft unerträglichen, ja anstößigen Last war das Betteln hiesiger jüdischer Armen geworden, ohne daß hiergegen früher irgend radikale Maßregeln getroffen wären. Im Jahr 1837 war noch kein Groschen zur Armen- und Krankenunterstützung auf dem Ausgabe-Etat; im Jahr 1838 wurden dazu schon 3000Thlr. an- 52 * *) Ich habe cs nicht erhalten.

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