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Der Orient · 1843-12-19 · Heft 51 (19.12.1843) · p. Seite 404

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 51 (19.12.1843)
Article
Hamburg : Zwei Wochenberichte [Nachricht]
Date
1843-12-19
Page
Seite 404 (sequence 2)
Language
German
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der Juden in Preußen erschienen. — Die Petition zu Gunsten der von der Grenze zu entfernenden polnischen Juden sind vom Kaiser höchst ungnädig ausgenommen worden. Diese Nachricht, so betrübend sie ist, hat uns nicht überrascht. Auf Humanität ist von dieser Seite her nicht zu rechnen. Daher ist auch der in diesen Tagen von franz. Blattern reproducirte Protest des Grafen von Montalembert, Pairs von Frankreich, gegen die Unterdrückung des röm. Katholrcismus in Rußland und Polen, eine reine Thorheit, weil überflüssig und nutzlos. Uebrigens bedauern auch wir die poln. Katholiken, finden aber, daß der Herr Graf gut thate, wenn er endlich zu der Erkenntniß gelangte, daß man eine unverantwortliche Sünde sich zu Schulden kommen läßt, wenn man nur seine Glaubensgenossen gegen Willkür in Schutz nimmt. Bekanntlich hat derselbe Pair in dem scheußlichen Damaskusprocesse der Folter das Wort gesprochen. Oder sollte er so kurzsichtig sein, zu glauben, daß die Katholiken geschworne Feinde der Juden sein müßten? Am Rheine ist man anderer Meinung; gerade die Katholiken zeigen sich jetzt dort der Emancipation günstig, wahrend die Protest. Geistlichen im angrenzenden Westphalen auf einigen Synoden gegen die Juden deklamirten, zwei schauderhafte Pamphlets (das von Marcard und das von dem Hauptmann von Scheele) von Protest. Federn in Minden ausgingen und das ganze pietistische Wupperthal, den bisherigen Redakteur der Elbecf. Zeitung, Dr. Martin Runkel an der Spitze, am liebsten einen Kreuzzug gegen die Juden predigen möchte. Die guten, lieben, frommen Herren wollten, da Runkel von der nun wieder freisinnig gewordenen Elberfelder Zeitung abtreten muß, für diesen ein neues Blatt in Elberfeld, den Ni e derr h einisch e n Ko u ri er schaffen, an dessen Feuilleton der bekannte Krummacher daselbst und noch ein ihm geistesverwandter Geistlicher Theil nehmen wollten. Zu ihnen hatte sich auch der Proselyt Dr. Frankel in Elberfeld, der sich durch seine judenfeindlichen Broschüren einen nicht beneidenswerthen Ruf erworben hat, gesellt; er wollte für Unterbringung der Aktien sorgen. Das Unternehmen ist aber als Embryo verunglückt. Beiläufig bemerke ich, daß auch Dr. Runkel Proselyt ist. Dem Auditeur Marcard und dem ungenannten Verf. der Schmähschrift: Darf ein Jude Mitglied einer christl. Obrigkeit sein? ist nun auch durch eine von Seiten der Vorsteher der jüd. Gemeinde in Minden erbetene Entscheidung des Kriegsministeriums das Handwerk gelegt, ihnen jede fernere ähnliche Publikation untersagt und dem jnterimist. Eensor wegen der Zulassung der zuletzterwahnten Broschüre ein Verweis ertheilt worden. — Schon oben erwähnte ich, daß nordamerik. Juden den ersten Impuls zu der Subskription für den unglücklichen Prof. Jordan gegeben hätten. Am 28. Octbr. versammelten sich die Juden New-Porks zu diesem Zwecke öffentlich. — In Breslau ist von Neuem das Verbot, ausländ. Juden in Dienst zu nehmen, eingeschärft worden. — In Franks, et. M. soll nun nächstens ein Senatsdekret wegen der Beschneidung erfolgen. — Der kürzlich verstorbene Lübecker Syndikus Buch Holz war auch Vers, einer Schrift: Ueber Verbesserung des bürgerl. Zustandes der Israeliten. Stuttg. und Tübingen 1615. — Die Statuten der eben errichteten Berliner Kinderheilanstalt sind u. A. auch vom Buchh. Heymann, dem prakt. Arzte Dr. Löwenstein und dem Bcmquier Muhr unterzeichnet. — Von den Angelegenheiten der Juden war auf dem letzten Bücgerkonvente in Hamburg nicht die Rede; doch sotten die vom Senate entworfenen Anträge nur für den nächsten Konvent removirt sein. — Posen, 24. Nov. In meiner Mittheilung vom 6. Nov. in Betreff der neun Fragen des Kultusministeriums habe ich eine Ergänzung versprochen, worin alles das zusammengestellt werden soll, was seit dem Regierungs-Antritte unsers Königs im Jahre -1840 zur Vorbereitung dieser Fragen geschehen. Die Aeltesten und Vorsteher der israelitischen Gemeinden zu Berlin, Breslau und Königsberg richteten heute vor drei Jahren den 24. Nov. 1840, eine Vorstellung an unseren König, worin sie ihre Wünsche und Hoffnungen in ungeheuchelter Sprache vortcugen, und da unsere so so große Pcovinzialstadt, welche fast die größte Judengemeinde in Preußen hat, sich zum Bedauern aller besseren Gemeindeglieder diesen Aeltesten nicht anschloß, so konnten wir gar nicht erwarten, daß-jene Vorstellung gerade auf uns einen Einfluß üben würde. Jndeß war es doch der Fall; ja gerade auf unsere Provinz hatte jene Vorstellung den größten Einfluß, wie wir hier zeigen werden. In jener dreieinigen Vorstellung nämlich wurde unter andern Wünschen auch die Bitte ausgesprochen, daß der Paragraph 39 des Edikts vom 11. Marz 1812, welcher die Regelung der jüdischen Kultusangelegenheiten in Aussicht stellt, endlich ausgeführt werden möge. Denn der betreffende tz sagt: „Die nöthigen Bestimmungen wegen des kirchlichen Zustandes und des Verbesserung des Unterrichts der Juden werden Vorbehalten, und es sollen bei der Erwägung derselben Männer des jüdischen Glaubensbekenntniffes, die wegen ihrer .Kenntniffe und Rechtschaffenheit das öffentliche Vertrauen genießen, zugezogen und mit ihrem Gutachten vernommen werden". — In der königlichen Beantwortung der gedachten Vorstellung, die den 13. Dec. 1841 erfolgte, wurden in der That die Kultusangelegenheiten nicht vergessen. Der Bescheid nämlich lautet: „Ich habe Ihre Vorstellung vom 24. Nov. v. I. dem Ministerium des Innern zugefertigt, um die darin gemachten Anträge bei den von mir cmgeordneten Derathungen über die bürgerlichen Verhältnisse

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