Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1843)
- Article
- Vom Rhein: Die A. A. Z. und die Juden
- Date
- 1843-12-19
- Page
- Seite 403 (sequence 2)
- Language
- German
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403 Es giebt nur Eine Gesinnung, und die ist nicht jüdisch und nicht christlich — sie ist menschlich; Eine Denkweise, die Beachtung verdient, und die ist die vernünftige; — Eine Handlungsweise, und die ist wieder weder christlich noch jüdisch — sondern edel und ist Gemeingut. — Da aber der M. Apostel diese Dreieinigkeit nicht zu bekennen scheint — denn sonst könnte er nicht gegen die Emanckpacion schreiben — so wollen wir nicht langer mit ihm rechten. Ich will die Schranke zwischen mir und ihm ziehen, und die ist nicht die ,, Nationalität", wie er meint; sondern die Rationalität, die mir gebietet, mit Verachtung auf Gesinnungen heräbzusehen die nur dann am wenigsten strafbar sein könnten, wenn sie erheuchelt wären. — Noch ist nicht aller Lage Abend. Wer weiß, ob sich nicht die Augsburgerin eines Tages gemüthlich niederlegt, einen gemäßigt fortschreitenden, konservativen Schlaf schläft, von Franzoseniresserei und Judenverfolgung träumt, und wenn sie dann aufwacht — die Juden emancipirt findet. Und sie wird ihre Kleider zerreißen und Asche auf ihr Haupt streuen, und wird Artikel von Mainz aus drucken lasten, welche die Schranke zwischen Jud und Christ rc. erörtern werden — Aber alles umsonst — die Zeit wird antworten: Emancipation ist ein Gedanke Und dieser kennet keine Schranke. Ein Unbefangenem Hamburg, 27. Nov. (WB. v. 19—26» Nov.) Aller Augen sind noch immer nach Polen und den übrigen russischen Grenzgegenden gerichtet. Wir glauben mit Recht. Denn dort entwickelt sich eine Tragödie, die mit den Judenverfolgungen im Mittelalter an Harte und Grausamkeit wetteifert. Die A. A. Zeitung schreibt andern Blattern nach, daß viele junge und reiche Juden (des. in Kalisch) zum Christenthume überlaufen, um noch vor Thoresschluß (d. h. vor dem Januar 1844) in den Schooß der griech. Kirche, gegenwärtig der sichersten Schutzwehr gegen die Konskription, anzukommen. Die Kurzsichtigen! Als wenn sie das auch nur für einige Monate schützen könntet — Der „Telegraph" rath — sehr post feslmn — den deutschen Juden, Alles aufzubieten, um ihre polnischen Glaubensgenoffen vor den Letzten Konsequenzen der autokrarischen Willkür zu schützen. Der Vers, des Aufrufes, Louis Simon aus Erfurt, derselbe, der zugleich für den Franks. Resormverein geschrieben und der Zeit, des Judenthums Materialien zu ihrem Angriff gegen denselben geliefert zu haben beschuldigt wurde, scheint demnach, von den wohl erfolglos bleibenden Petitionen von 4 deutschen und 1 holländ. Gemeinde gegen die gewaltsame Versetzung von der Grenze nichts erfahren zu haben. — Wir wünschen vor Allem, daß die Einwendungen gegen die Richtigkeit der vom Militärwochenblatt überlieferten Zahl der jüd. Kombattanten in den Jahren 1813—15 zusammengestellt würden. Der von H. Isaak Simon vorgebrachten Gegengründe habe ich neulich erwähnt, und trage hier blos Namen und Details nach. Es dienten nach der Spen. Zeit, von 8. Nov. außer Isaak Simon (jetzt in Berlin) noch sein Bruder, Arzt in Colberg, nur 16 Jahre alt, und unter den ersten 15 Freiwilligen des unten erwähnten Detachements, beide aus Pommern, ferner Baruch (damals mit der hanftat. silb. Medaille geziert) und Lenz, beide Hamburger, so wie Kicchheim und Jmberg, (letzterer bei Ligny gefallen, beide aus Berlin) endlich Löwenthal aus Pommern, vor Namur verwundet, lahm, Ritter des eisernen Kreuzes und des St. Georgs-Ordens, also 7 Juden in dem 200 Mann starken Jager-Detaschement des ersten Bataillons vom 9. Linien-Jnf.-Reg. (Colberg). Noch günstiger stellt sich das Verhaltniß für die Juden nach den Angaben des Herrn Karl Heymany in Berlin. Er berichtet in der Spen. Zeit, vom 22. Nov. Folgendes: Es dienten im Bataillon fteiwill. Jager im 3. Ostpreuß. Linien-Jnf - Regiment 1815 gegen 30 Juden; namentlich aufgeführt werden: 1) Bernhardt (bei der Intendantur), 2) Callenbach, 3) Cohn, 4) Conradi, 5) Fckdheim, 6) Friedlander, 7) Heilmann, 8) Jacobi I., 9) Jacob! II., 10) Jakobi 111., 11) Krakauer, 12) Krohn, 13) Kuno I., 14) Kuno II. (16 Jahr alt), 15) Levy, 16) Michaelis, 17) Riel, 18) Seelmann (Leutn. u. Ritter des eis. Kr.), 19) Wolff und 20) der Berichterstatter Karl Heymann, damals Oberjager und spater zum Officier empfohlen. Eine Anzahl galt nicht für Juden, ohne es darum minder zu sein. — Einen neuen Beweis für den Wohlthatigkeitssinn, der noch immer unter den Juden herrscht, giebt der Umstand, daß die ersten 400 Mark, die in New-Pock für Prof. Jordan gesammelt wurden, von Juden herrührten. — lieber Dr. Salomon's „Judenfrage" stand eine Recension von St. (Dr. Steinheim?) im Hamb. Korrespondenten. Hamburg, 4. Deo. (WB. v, 26. Nov. — 3. Dec) Das kürzlich von mir erwähnte neueste Werk des Herrn Dr. Ed. Kley hat jetzt unter dem Titel: Predigt-Skizzen von Dr. Eduard Kley. Erstes Heft. Grünberg und Leipzig. Druck und Verlag von W. Levyson. 1844. (64 S. 8.) die Presse verlassen. Der aus dem Titelumschlage befindlichen Anzeige des Verlegers zufolge wlrd das Ganze in 6 —7 Heften ä 4 Bogen, zum Preise von -i Thlr. pr. Heft erscheinen und bis Ostern 1844 vollendet sein. Einer genauem Würdigung, die gewiß recht bald im LB. des Orients erscheinen wird, will ich auf keine Weift vorgreifen; nur über die Form glaube ich, ohne einen Widerspruch fürchten zu dürfen, mich schon jetzt dahin äußern zu dürfen, daß sie aufs Neue einen Beleg für die dem Hm. Vers, eigene Gewandheit und Klarheit des Styles giebt. Daß das Buch auch praktisch den gewünschten Erfolg haben werde, scheint uns keinem Zweifel unterworfen zu sein. — Von dem Geh. Obersinanzrathe Wolsart ist eine Broschüre über die Emancipation 51*