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Der Orient · 1843-12-19 · Heft 51 (19.12.1843) · p. Seite 402

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 51 (19.12.1843)
Article
Frankfurt a. M. : Ueber die Palästina-Spenden ... [Nachricht]
Date
1843-12-19
Page
Seite 402 (sequence 2)
Language
German
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402 iji, daß die Amsterdamer Sammlergesellschast, trotz mehrfacher Aufforderungen, sich seit 20 Jahren beharrlich weigert, von dm ihr anvertrauten Arwengeldern — wie Sir Montefrore solches stets unaufgefordert gethan hat und thut — öffentliche Rechnung ab zu legen, und daß es 2) nicht minder wahr ist, daß die geistlichen und weltlichen Behörden Leider israelitischen Gemeinden in Jerusalem, in Betracht der unter der bisherigen, von Amsterdam aus installirten Verwaltung ununterbrochen stattgehabten,. alles menschliche Gefühl empörenden Mißbräuche, Bedrückungen, Unterschleife rc., sich veranlaßt gesehen haben, die verderbliche Dienstfertigkeit des Amsterdamer Komitö's und seiner Fllialkomite's — worunter auch das hiesige — in den ernstlichsten und entschiedensten Formen z u r ü ck z u w e i s e n. Leipzig, 12. Dec. In dem oben mitgetheilten Rechnungsauszüge bitte ich folgende cingeschlichene Fehler zu verbessern, da sonst die ganze Rechnung unverständlich ist. S. 387 Sp. 6 statt 40 muß es heißen 540 Er.; Sp. 7 streiche Ert.; Sp. 9 streiche f 6.; Sp. 13 statt Caurella .muß es heißen Laurella; Sp. 15 statt 450 muß es heißen 510 Lst.; Sp. 17 statt Ert. muß es heißen Ertrag; Sp. 17 streiche 3 u. do. und muß heißen ferner 50 Er. gesammelt; Sv. 30 statt fr. 15 muß es heißen 15J-. Auch erlaube ich mir hier zu bemerken, daß mit dem Anfänge des Jahres 1844 eine vollständige Beantwortung der Anfragen des Hrn. v. W. in Wien von Seiten der.Befragten erfolgen wird, da die Beantwortung für die letzte Nummer dieses Jahres zu groß ist. Deutschland. Vom RHeitt, 1. Dee. Wer kennt nicht jene politische Marketenderin, die mit ihrem geist- und saftlosen Zeitungskram herumschwarmt in allen Ecken und Enden, wo es was abzusetzen giebt, da jene Dienstmagd des sogenannten gemäßigten Fortschrittes, jene politische Hebamme, die von den modernen Pharaonen dazu bestellt scheint, die Zeit, so oft sie idem- und thatenschwanger einherschreitet, genau zu bewachen, und jedem neugebornen männlichen Kinde, jeder großen, Humanität athmenden Idee, in dem Schlamme und in dem Wasser ihrer Zeitungsartikel den Garaus zu machen. Wie die Augsburgerin sich auf diese Mission versteht, werden wir bald sehen. Da Deutschland sich in neuerer Zeit die Augen zu reiben anfängt, so ist es ganz natürlich, daß es unter den Gegenständen der Außenwelt auch das Iudeuthuin wahrnimmt. Es ließe sich sehr leicht aus der Geschichte beweisen, daß jedes Volk, so oft es zu sehen, d. h. geistig zu sehen ansing, sich zugleich aufgefordert fühlte, die Juden aus der Schmach ihrer Knechtschaft zu reißen und ihkren das Licht des Rechts und der Freiheit zu gönnen; denn wer frei ist, und um sich herum dennoch den Druck mit ansehen kann, in dem ist die Freiheit noch nicht lebendig geworden, sie ging in sein Fleisch und Blut nicht über. Ein Theil der deutschen Nation will nun die große Idee der Emancipatron zur Wahrheit machen; — siehe da veröffentlicht die Augsburgerin Zeitungsartikel, die so plump, so blasirt, in ihrer Tendenz so vereinzelt dastehen, die aller und jeder christlichen Tugend so bar und ledig sind, daß man sich versucht fühlte zu glauben, die Augsburgerin folge einer höheren Weisung, die Alles sanktionirt, was gegen die Iudeufrage geschrieben werde; sei es noch so plump, noch so unwahr, noch so unlogisch. Und so stieß zuerst von Mainz aus ein Antiemancipationsapostel in die Trompete. (A.Z. Nr. 311.) „Es ist Ihnen vor einiger Zeit gemeldet worden, daß die in den Rheinprovinzen von den Ständen zu Gunsten der Juden entschiedene Emancipationsfrage auch bei uns die völlige Beseitigung der zwischen Christen und Juden durch die transitorische Legislatur des Kaiserreichs nach begründeten Rechtsungleichheiten angeregt habe." Die Augsburgerin erblaßte, als ihr diese Nachricht zukam, und. da ihre Korrespondenten den Tod und das jüngste Gericht zu fürchten haben, weil sie dann von ihren Unverschämtheiten und servilen Gesinnungen werden Rechenschaft ablegm müssen, so spricht der Mainzer Apostel in all' seiner Liebe zu der Augsburgerin besänftigend, beruhigend weiter: „Dessenungeachtet würde man irren, wenn man voraussetzte, daß der Unterschied zwischen Christ und Jude so ganz verlöscht sei, daß der Jude dem Christen als gleichberechtigt erschiene. Die Augsburgerin lächelte zwar ob dieser Beruhigung wieder selbstgefällig, allein was geht uns das Lächeln der Augsburgerin an? — Darum muß sich die Frankfurter Börse kümmern; wir sagen daß in den obigen Worten ein Unsinn liegt; da wir über die Zeitungsartikel der A. A. Z. unbefangener als sie selbst urtheilen können. Denn würde der Jude dem Christen als gleichberechtigt erscheinen, so hätten die Juden gewonnenes Spiel, und es gäbe keinen Kampf und keine Mainzer Apostelpredigtm mehr I — Ferner heißt es: „Dieß ist so wenig wahr, daß selbst die von dem Gouvernement einige Mal versuchte (wie vorsichtig!) Erhebung von getauften Juden zu hohern öffentlichen Aemtern, die entschiedenste Mißbilligung im öffentlichen Urtheile (sio!) erfahren hat." Also taugen die getauften Juden auch nichts! O Christenthum wie tief bist du gesunken, wie sehr wirst du selbst von deinen Bekennern verrathen! In den heiligen Schooß der 2CUetnfcU0mad;cnbcn nimmt man den Juden auf, aber eines Amtes hält man ihn, wenn auch gerauft, also Christ, für unfähig. Und warum? Etwa eben deshalb weil er eine christliche Gesinnung angenommen? Hören wir, wie der Mainzer Apostel auf diese Frage antwortet: „indem man", sagt er, „ iit dem Ucbertritt höchstens den Gewinn der künftigen Generation für das Christenthum erblickt, die Neuchristen aber sämmtlich nach Gesinnung- Denk- und Hand- . lungsweise fortwährend für Juden hält, und hierin auch die Erfahrung für sich hat." Wir wissen wahrlich nicht, ob wir über dieses Geschwätz uns ärgern, oder lachen sollen. Das ist ja eben der Krebsschaden unserer Zeit, daß man es wagen darf, das Kastensystem auch auf die Gesinnung auszudehnen.

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