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Der Orient · 1843-12-12 · Heft 50 (12.12.1843) · p. Seite 399

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 50 (12.12.1843)
Article
Frankfurt a. M. : Die A. A. Z. über die dortigen Juden ... [Nachricht]
Date
1843-12-12
Page
Seite 399 (sequence 2)
Language
German
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399 dings ein orthodoxer Jude, was durch sein hohes Mer sich gar leicht erklärt, so ist er doch aufgeklärt genug, um die freilich alle Grenzen überschreitende Frömmigkeit seines Neffen zu tadeln, und ist diese an Wunder grenzende Ueberspanntheir des sechzehnjährigen Jünglings nur durch die sonderbare Erziehung, welche er in Neapel durch einen jüdischen Renegaten erhalten, der seinen Uebergang bereute und so selbst ein Schwärmer geworden war, zu erklären. Wir sind zu dieser ausführlichen Mittheilung durch die vielen falschen Berichte, welche wir mitunter finden, veranlaßt, worden. (D. 2t. A.) Oesterreich. Böhmische Grenze, 26. Nov. Mit Vergnügen erlaube ich mir folgende erfreuliche Mittheilung; denn wenn in den böhmischen Gemeinden noch nichts von einem wesentlichen Fortschritte des Geistes, von einem aus der niedern Sphäre der Gleichgültigkeit gegen echt religiöses Interesse zu einem nur mittelmäßigen Äuffchwunge des allgemeinen Wirkens gehört und gesehen wurde, so ist hauptsächlich die Ursache-—wiewohl auch rheils die unrühmliche Trägheit unserer Rabbinen und Seelsorger, die statt der Heerde blos sich weiden, die es mit Niemanden verderben wollen und dadurch nicht nur nichts verbessern, sondern Alles verschlimmern, wie auch der Jndifferentismus, der die Vorsteher der Gemeinden beherrscht, Schuldträger sind — das Unbekümmertsein des Staates um unsere Synagogen - Verfassung. Etwas Großartiges zu. leisten ist eine fremde Erscheinung bei unfern reichen böhmischen Juden, eines Augenmerks und Beihilflichkeit von Seiten des Staates erfreuen wir uns nicht, und so erlischt allmälig jedes Feuer der Religiosität und die Wärme nimmt ab, und der Edle, der es fühlt, der gerne arbeiten möchte an dem Aufbau, bläst vergebens noch Gluth in die erkalteten Herzen. Darum muß es unseren so lauge schmachtanden Augen wohlthun, wenn sie einen milden Schein in finsterer Nacht gewahren, nnd mit Freudigkeit übergebe ich hier der Oeffentlichkeit das schöne Beispiel des wahren Stcebens, zu arbeiten an der Erleuchtung der Menschheit, das unseres vielgeliebten Grafen E ajetan von Berchhem Heimhausen, der für das geistige Wohl seiner Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens Sorge tragt. Um aber dem edlen Bestreben des hochherzigen Mannes und seinem Eifer, mit welchem er sich ans Werk machte, allegem einen Anerkennung zu verschaffen, will ich den geehrten Lesern des Orients mit dem Beginn der Sache bekannt machen. Voriges Jahr ward Hr. S. Lengs selb er, Pred. und Relkgionslehrer in Tachau, von dem kuttenplaner Vorsteher, Herrn I. Meier, aufgefordert, in der dortigen Synagoge zu predigen; die Predigt sagte gerade den Gemürhern zu, wovon der Graf, da viele christliche Zuhörer zugegen waren, bald Kunde hatte, und er ward nun vom Grafen selbst ersucht, den nächsten Samstag abermals einen gottesdienstlichen Vortrag zu halten, wozu er mit der ganzen grast. Familie sich einfand. Die Zuhörer verließen ganz zufrieden und erbaut das Gotteshaus. Aus Veranlassung und Wunsch des Grafen wurde die sämmtliche Gemeinde berufen, und der Graf erschien in eigener Perfon im jüd. Gemeindehaufe, hielt eine treffliche Rede an die Versammlung und stellte ihr die Nochwendigkeit vor, einen Seelsorger in der Mitte einer Gesammtheit zu haben. Am andern Morgen besuchte er die andere Gemeinde Dürrmaul auf seiner Herrschaft, forderte sie ebenfalls auf, und so ward Hr. L. weil er von Tachau nicht Weggehen wollte, für diese beiden Gemeinden als Prediger exciuTando augestellt und die Verpflichtung hatte, alle 4 Wochen in jeder dieser Gemeinde zu predigen und die,Schulen zu überwachen, wozu der Graf sein Scherflein beitrug. Ein schöner Verein unter dem Namen n}W»n wyü, Quelle des Heiles, entstand in diesem Jahre, dessen Blüthen schon reichliche Früchte verheißen; da aber, wie leicht zu denken ist: das Wirken eines excurrendo Predigers dem eines stabilen nicht gleich kommen kann, so ward Hr. L. vom Grasen nochmals schriftlich ausgefordert, in Kuttenplan zu domiziliren, weil er gesonnen sei, einen stabil hinzunehmen; doch der Rabb. wollte nicht von Tachau Weggehen. Die Gemeinde traf eine glückliche Wahl in der Person des Hrn. D. Ehrmann, welcher von L. auf grast. Verlangen am 28. Oktober d. I. instaltirt wurde. Der Graf überreichte der Gemeinde die Sicherstellung von 115 fl. EM. jährlichen Beitag, wo zu bemerken ist, daß er schon seit Jahren der dortigen jüd. Schule den Bedarf des Holzes hergiebt. Mögen die kuttenplaner Israeliten sich einer solchen Aufmerksamkeit würdig zeigen; mögen sie die treslichen Reden des H. Ehrmanns beherzigen und möge endlich dieses Faktum viele Nachahmer bei unfern christl. Mitbrüdecn - finden! G. Wardein, 20. Juni. (Verspätet.) Aus allen ungarischen öffentlichen Blättern ist ersichtlich, daß die Majorität der Stande, selbst in Komitaten, wo man für zeitgemäße Aenderung adeliger Vorrechte nicht gestimmt hat, Instruktionen für die Emancipation Der Juden an ihre Deputirten erlassen habe. Ein Beweis, daß der hierländische Jude einen nicht unbedeutenden Schritt vorwärts gemacht hat, und ununterbrochen dahin arbeitet, das Interesse des Landes auch zu dem Einigen zu machen. Freilich waren Manche auch engherzig genug, Grundsätze zu äußern, die, wenn sie Gewicht hätten , verderblich werden konnten; die erleuchteten Männer aber, die in jedem Komitate zu finden sind, und in den Kongregationen Sitz und Stimme haben, entkräftigten durch die Gewalt und Beweiskraft ihrer Bered-

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