Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1843)
- Article
- Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-12-12
- Page
- Seite 398 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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368 fremde Juden sind? Viel stichhaltiger sind übrigens die Gründe gegen die Emancipation auch in Deutschland nicht. So scheitert jetzt der gute Wille der meklenb. Negierung an der Macht der Stande und der Gewerb- Lreibenden, obgleich Inden wie Christen sich in Zeitungen und Petitionen an die gesetzgebende Versammlung gewandt und den Beweis geführt haben, daß den meklenburg. Juden gesetzlich die volle Gleichstellung gebühre. So hat ein Arzt in Grevismühlen, Dr. Behrends, eine (auch gedruckt erschienene) Petition in diesem Sinne an dm jetzigen Landtag gerichtet und außer den jüd. Behörden in Schwerin soll auch ein christl. Advokat zu Wismar für denselben Zweck thatig wirken. In der Meklenburg nahen Hansestadt Lübeck ist vor einigen Tagen der Syndikus Dr. Buch holz, gestorben, der einst die Jnteresten der aus Lübeck vertriebenen Juden vertrat, spater aber, sei es der Macht der Umstände, oder andern unbekannt gebliebenen Rücksichten weichen mußte. Ob vielleicht eine Dersassungsreform in Lübeck auch dm Juden sich vortheilhaft erweisen würde, ist vorerst noch nicht zu bestimmen. — Erfreulich ist, was seit einigen Jahren für Schul- und Gewerbswesen in den erwähn? ten norddeutschen Staaten geschehen ist. Außerdem gedeihen auch in allen Theilen Deutschlands die Wohl? rhatigkeitsanstalten quantitativ und qualitativ. So ist erst vor Kurzem die neue jüd. Madchenwaisenanstalr in Berlin, eröffnet worden, die ihr Entstehen demselben unermüdlich thatigen Inspektor Baruch Auerbach zu verdanken hat, der vor etwa 10 Jahren das immer mehr zunehmende jüd. Knabenwaisenhaus daselbst gründete. Einstweilen find 2 Mädchen ausgenommen und für ein drittes noch ein Platz offen behalten. — Nicht blos für Berlin, sondern für ganz Preußen, ja, man darf wohl sagen, für alle deutsche Juden von größerer Wichtigkeit, als diese innere Angelegenheit, ist die Beweisführung, daß die Angaben des Militär-Wochenblattes in Betreff der Anzahl der Juden, die von 1813 — 15 gedient haben, ungenau ist und jedenfalls diese zu gering cmschlagk. Bereits hat ein Herr Simon in der Spen. Zeit, durch Namen und Details nachgewiesen, daß in einem 200 Mann starken Jägerdetachement außer ihm selbst noch 6 Juden (wovon 4 Preußen und 2 Hamburger) gedient haben, unter denen einige dekorirt, andere zu einem höhern Range befördert waren. — Es wäre zu wünschen, daß in allen größeren Städten Data dieser Art gesammelt und den jüd. Zeitschriften zur Veröffentlichung zugesandt, dann zusammengestellt und den Militacwochenblatt zur Benutzung mitgetheilt würden. Lassen auch wir die Zuhlen einmal für uns reden, nachdem man sie so lange hat gegen uns reden lasten! Dann erst, wenn das ^.uclialiu' et altera. pai'8 eine Wahrheit geworden, sind statistische Mittheilungen kein todter, unfruchtbardr Schatz mehr, sondern eine reiche Quelle der Belehrung. Frankfurt a» M., 2. Dec. Die augsburger Allgemeine Zeitung läßt sich in der Nummer vom 18. Nov. über die hiesigen israelitischen Zustände Sachen berichten, welche mindestens eine große Unkenntniß der Sachlage an den Tag legen, und die wir daher keinen Anstand nehmen, hier zu berichtigen. Es ist dies um so notwendiger, weil die hiesige Iudenschaft, welche immer noch wie früher eine kompakte abgeschloffene Maffe bildet, in den letzten Monaten viel von sich sprechen gemacht hat, und es eine Zeit lang sogar den Anschein hatte, als ob die hiesige jüdische Gemeinde auf alle übrigen m ganz Deutschland influiren würde, wovon sich jetzt freilich das Gegentheil vollkommen herausgestellt; wie denn bei der großen Meinungsverschiedenheit, welche hier herrscht, bei den Extremen, welche sich hier so feindlich gegenüberstehen, ein solcher Einfluß keineswegs zu erwarten war. Es ist aber durchaus unwahr, daß der hiesige sogenannte Reformverein Fortschritt mache und Männer von Ansehen sich dafür ausgesprochen haben. Wir können vielmehr mit größter Bestimmtheit versichern, daß alle Stimmen, welche man bis jetzt darüber vernommen, entschieden dagegen waren, weil die Tendenzen dieses Vereins sich unmöglich auf das Iudenthum stützen können, und es eine ganz falsche Ansicht ist, wenn man glaubt, daß die jüdische Religion selch einer Reform fähig wäre, welche eigentlich nichts weiter übrig läßt als das, wozu der positive Glaube nicht mehr nöthr'g ist. Wir'wissen, daß die Zahl der hier beigetretenen Mitglieder seit langer Zeit auf -45 steht, und den Beitritt von allen Seiten Deutschlands wird Niemand eher glauben, bis er die Namen veröffentlicht sieht, was aber sicher nicht eintreten wird. Wer erinnern uns des Falles, daß man früher von dem Beitritt eines stettiner Hauses gesprochen, dies aber von demselben entschieden zurückgewiesen ward. Wer aber weiß, in welchem Tone hier von dem Reformverekne gesprochen wird, der kann unmöglich eine günstige Meinung davon fassen. In ganz letzter Zeit' haben die Streitigkeiten, in welche derselbe mit einzelnen Gegnern gerieth, und die zu den unwürdigsten Gereiztheiten führten (denn die von den Juden so allgemein in Anspruch genommene Toleranz findet man grade hier am wenigsten), die Veranlassung gegeben, daß man mit seinen bisherigen Leitern minder zufrieden war, weil man ihnen allerdings die Schuld dieser widerlichen Streitigkeiten beimessen mußte, und es könnte sich gar leicht ereignen, daß derjenige, welcher sich erst an die Spitze gestellt, später unter dem bescheidenen Namen eineö- Sekreta'rs austreten wird. Ich wollte diese Notizen nicht auslassen, weil sie zu besserer Verständigung dienen. Eben so wenig ist es wahr, daß der Baron v. Rothschild dem Unternehmen feindselig entgegentritt; er har vielmehr bis jetzt nicht die geringste Notiz davon genommen und sich nur in Einer Frage allerdings in der Art bethätigt, daß er, aus persönticher- Gereiztheit wohl mehr als aus andern Gründen, die Verbindung mit dem Hause F. abgebrochen, was wahrscheinlich nicht geschehen wäre, wenn dieses Haus den jüdischen Glauben ganz verlassen hätte. Ist dieser ältere Baron v. Rothschild aller-