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Der Orient · 1843-12-05 · Heft 49 (5.12.1843) · p. Seite 390

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 49 (5.12.1843)
Article
Stettin : Schulwesen [Nachricht]
Date
1843-12-05
Page
Seite 390 (sequence 2)
Language
German
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390 des Rabbinen unserer Zeit begriffen und ausgeführt hat; wahrlich alle Eltern, deren Kinder hier unterrichtet werden, sind ihm zum Danke verpflichtet, und jeder Andere, der die Nützlichkeit einer jüdischen Schule und die wohltätigen Folgen eines guten Religionsunterrichts kennt, kann ihm seine Hochachtung nicht versagen! — Aber auch Dank den andern bei unserer Schule thatigen Lehrer! 1) dem würdigen Herrn Reichert, einem Veteranen, dem ein großer Theil der jetzigen Mitglieder unserer Gemeinde seinen religiösen Unterricht verdankt; 2) den Lehrern christlicher Konfession, den Herren Seefeld, Krüger, Golde und Latz, die keine Mühe scheuen, um den Schülern den Unterricht leicht und faßlich zu wachen, in kollegialischer Eintracht mit den jüdischen Lehrern wirken und ihr Bestreben redlich und human mit größter Toleranz unterstützen. — Cvefeld, 1. Nov. In dem Nekrologe über den verstorbenen Konsistorialrabbinen Ullmann in Erefeld (Orient Nr. 42) befinden sich mehrere Ungenauigkeiten, die wir in diesen Zeiten berichtigen möchten. Baruch Lion Ullmann war zu St. Goar im Jahre 1805 (nicht zu Ende des vorigen Jahrhunderts, wie es am cmg. O. heißt) geboren. Eine Reihe von Geschwistern hatte vor ihm der Tod hinweggerafft, und die Eltern bestimmten ihn aus diesem Grunde dem Studium der Theologie. Er erlernte die rabbinischen Wissenschaften zuerst in Boizen, dann in Darmstadt, und erhielt von drei der angesehensten Rabbinen das Rabbinatsdiptom. Seine wiffenschaftlichen Studien machte er in Bonn, hielt sich nach deren Absolvirung eine Zeitlang in Koblenz auf, erhielt von der philos. Fakultät zu Gießen das Doktordiplom, wurde von dem Konsi'stocialbezick Crefeld zum Rabbinen erwählt im Jahre 1835, und trat sein Amt im Marz 1836 an. Er verwaltete, dasselbe 1\ Jahr, und starb am 4. Sept. d. I. im 38. Lebensjahre. Seine Kraft widmete er besonders der Hebung der sehr zerrütteten Schulen seines Sprengels und hat in diesem wichtigen Punkte Nahmhaftes und andauernd Segensreiches gewirkt. Obgleich schwere und langwierige Krankheit ihn wahrend der letzte Jahre seines Lebens danieder warf, so daß er eine Zeit lang sogar des freien Gebrauches seiner Sprache beraubt war, so vermochte doch alles dieses nicht, ihn von der treuesten Erfüllung seiner Berufspflichten, sowie von dem eifrigsten Selbststudium abzuhalten. Noch wenige Tage vor seinem Tode hat er dem Nabbinate zu Franks, a. M. ein abverlangtes Gutachten über die dortige Beschneidungsangelegenheit zugeschickt. Seine Kenntnisse in allen Zweigen philosophischer, philologischer und rabbinischer Wissenschaften waren ausgezeichnet. Seine Beerdigung fand am 7. statt. Deputationen der auswärtigen Gemeinden, und die Geistlichkeit aller Konfessionen folgten dem unabsehbaren Zuge. Am Grabe sprach der zu diesem Zwecke aus Bonn berufene Siiul. tlieol. Abra-? Ham Stein „Worte der Trauer und Verehrung^' j Die vortreffliche Rede erschien „auf den Wunsch vieler Verehrer und Freunde des Verstorbenen^ im Drucke (bei Jul. Cohen in Cleve). Wir machen das Publikum um so mehr auf diese gehaltreichen und schönen Worte aufmerksam, als der Ertrag zu einem sehr wohltätigen Zwecke bestimmt ist. — D. Minden (in Westphalen), 19. Nov. Der Vorstand der hiesigen isr. Gemeinde, heißt es hier allgemein, geht damit um, eine Klage gegen den Censor, welcher das Pamphlet: „Darf ein Jude Mitglied einer Obrigkeit sein, die über christliche Unterthanen gesetzt ist? Ein freundliches, schlichtes Wort, zu dem deutschen Bürger und Landmann gesprochen, von Treumund Wahrlieb," welches hier für einen gGr. erschienen ist, censirt hat, bei der Regierung einzureichen.. Denn bei aller Schreib - und Druckfreiheit, die wir im Interesse des Liberalismus von Herzen wünschen, kann es dem Staate unmöglich gleichgültig sein, daß über ganze Religionsgenossenschaften Haß und Verachtung verbreitet werde, zumal über die jüdische Glaubensgenossmschaft, gegen welche fast ein zweitausendjähriges Vorurtheil noch immer nicht geschwunden. Wir haben übrigens auch ein praktisches Beispiel vor Augen. In Breslau hat die Regierung bei einem ähnlichen Falle mit dem'Judenfeinde Brand sich ebenfalls sehr misbittigend gegen den Censor ausgesprochen. Zur Schande unserer Vorsteher muß ich aber erwähnen, daß sie zu diesem so nahe liegenden Schritte nur von Außen her veranlaßt worden sind. Was das Pamphlet selbst anlaugt, von welchem, da man es in die Häuser geschickt, bereits die neunte Auflage ausgegeben wird, erlaube ich mir hier eine Recension mitzutheilen, die ein namhafter Schriftsteller im „Morgenstern" gegeben. Sie lautet: Ein Kuriosum von Judenhaß, Verdrehungskunst und Unwissenheit ist in Minden, in Westphalen, erschienen. Die Westphalen nämlich, die, stolz auf ihre „rothe Erde" und ihren etwas geringeren Grad von Cwilisation, sich der Leutschen teutscheste dünken, sind über die Anträge der Rheinischen Provinzialstä'nde gewaltig erschrocken; sie. sehen schon die Grauet der Iudenemancipation über den christlichen Staat Hereinbrechen und alle 200,000 Juden, die es unter den fünfzehn Millionen Preußen geben soll, als Schulzen, Bürgermeister, Stadtverordnete, Aktuare und Nachwächter angestellt. In dieser Gefahr des Vaterlandes erhebt sich ein westphälischer Federheld und versöhnt zugleich den beleidigten Schatten Hermanns und Jesu Christi durch eine Broschüre. Diese bedeutende Schrift beruft sich unter Anderm auf den berühmten westphä'lischen Schriftsteller Marcard, welcher sonnenklar nachgewiesen, daß die Juden keine Christen, sogar keine Deutschen sind, sintemal ihre Vorfahren mit Odin und den Helden der Frithiofssage durchaus Nichts gemein hatten. Treumund Wahr lieb bemerkt auch sehr treffend, daß dje- Vorfahren der Juden den Heiland gekreuzigt haben!!! Dies ist leider wahr. Nur begreifen wir nicht, wie man die Abkömmlinge der Gottesmörder durch bloße Nicht-

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