Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1843)
- Article
- St. Nikolau : Die Emancipation in Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1843-11-21
- Page
- Seite 374 (sequence 2)
- Language
- German
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374 Bedauern und Mitleid bedürfen jene die sie ausfprachen, daß ihnen der Haß oder die Liebe, nämlich die Liebe zu dem Zunftgeiste ihrer Kommittenten, solche Worte in den Mund legen konnte, von deren schändlichen Abschmacktheit sie vielleicht selbst überzeugt sind.—Uebrigens, wenn auch im Principe, ist der materielle Rechtszustand unsrer Glaubensgenossen bis jetzt noch um nichts gebessert, denn die Cicßularsitzungen haben keinen unmittelbaren Einfluß auf die Gesetzgebung. Da aber deren Beschlüsse sowohl den Berachungen der Ständeals Magnatentafel zu Grunde gelegt werden, so können wir uns der Hoffnung hingeben, daß die Mitglieder dieser Körperschaften von einem und demselben Geiste beseelt, unsre Sache bald dem erwünschten Ziele zuführen werden". Der Korr, geht dann zu einer Polemik gegen den Korr, aus Ungarn in Nr. 38, die frühe Beerdigung und das schlechte Benehmen der dortigen Rabbiner betreffend; allein diese Polemik ist so maaßlos und entfernt sich so sehr von einer unbefangenen Darstellung, daß ich sie nicht aufnehmen konnte. Licht- und SchntteubLLdee aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Das Jüdisch-Schreiben in unserer Zeit. Ein gewisser H. wünschte einst in einem jüdischen Blatte, daß das Lehren der jüdisch-deutschen Schrift aus allen Schulen Deutschlands verbannt werde, und gab zur Annahme seines Vorschlages Gründe an, bittend, im entgegengesetzten Falle ihn widerlegen zu wollen. Ich erlaube mir hierauf Folgendes zu bemerken: . Zuvor muß ich aber in gedrängter Kürze die Gründe, aus denen Herr H. das Iüdisch-Schreiben entfernt zu haben wünscht, nochmals der Reihe nach aufzählen, um diese Punkt für.Punkt zu widerlegen. Diese sind: 1) Wozu in aller Welt sott das Iüdisch-Schreiben nützen, und wozu ist es nöthig, eine besondere Schrift, die kein anderer versteht, fortzupflanzen? 2) Warum rauben wir unserer Schuljugend zu diesem Unterrichte einen köstlichen Theil ihrer Zeit? 3) Judenfeinde könnten uns wegen einer solchen besondern Schrift der Kameraderie, der Komplotte und eines im Staate gebildeten Staates beschuldigen, und 4) so wie wir uns beengt und unheimisch fühlen, wenn wir in den Kreis einer Familie getreten, deren Glieder sich einander durch Zeichen, halbe Worte, Mittheilungen machen, die dem Fremden unverständlich sind, eben so ausgeschlossen muß der nichtjüdische Freund sich fühlen, wenn er in unserer Mitte Briefe und Papiere cirkuliren sieht, die expreß geschrieben scheinen, damit er sie nicht soll verstehen können. Zur Baantwortung der ausgestellten Fragen finde ich für nöthig, folgende Bemerkung vorauszuschicken. Schon seit grauen Zeiten, seitdem die Schreibekunst mit ihren Schristzeichen entstanden ist, haben sich die Schriftgelehrten Mühe gegeben, eine Schrift, die Deutlichkeit mit Kürze verbinden soll, ausfindig zu machen, und noch jetzt suchen viele Gelehrte eine gleichmäßige und einfache Handschrift in den Schulen Deutschlands einzuführen. Dadurch entstanden: Die Kalligraphie, Telegraphie und die Schnellschreibekunst. Wie bekannt, werden die Buchstaben der hebräischen und jüdisch - deutschen Schrift nicht aneinander gefügt, wie es mit den Schristzeichen der deutschen Buchstabenschrift geschehen muß, sondern sie werden einzeln nebeneinander gesetzt. Zwischen einem und dem andern Buchstaben bleibt ein kleiner Raum übrig, und beim Ende eines Wor tes, zum Zeichen, daß das Wort beendigt sei, wird der Zwischenraum vergrößert. Hieraus folgt also, daß die jüdischdeutsche Schrift eine solche Deutlichkeit enthält, daß wenn das Schulkind die Laute und Buchstaben kennt, es sogleich ohne Schwierigkeit die Wörter' syttabiren und lesen lernt. Wie oft verläßt ein Kind die Schule-, welches Jahre lang sich die deutsche Schrift eingeübt und 'nach den Schuljahren nicht im Stande ist, eine geschriebene Quittung zu lesen, weil durch das Aneinandersügen der Buchstaben eine Undeutlichkeit und oft eine Verunstaltung der Buchstaben entstanden ist, welches bei dem Jüdisch-Deutsch-Schreiben selten der Fall sein kann. Uebrigens fällt die Kürze der jüdischen Schrift Jedem ins Auge, denn wer sieht nicht ein, daß die W-Zeichen, welche nur aus zwei kurzen einfachen Strichen bestehen, leichter aufzufassen und zu schreiben sind und weniger Raum einnehmen, als das deutsche gleichlautende W, das Alef-Zeichen als das A u. s. w., und so sind fast sämmtliche jüdisch-deutsche Buchstaben kürzer und einfacher gestaltet, als die deutschen kleinen, um so mehr die großen Anfangsbuchstaben, und bedürfen zu ihrer Schreibung weniger Raum und Zeit. Hieraus folgt also der doppelte Nutzen dieser Schrift:^ 1) sie erspart Zeit und Mühe, und * ,, ■ 2) sie übertrifft an Deutlichkeit und Kürze jede anbere. So lange unsere Eltern und Großeltern mit der dcut-<" schen Schriftsprache nicht ganz vertrauet scheinen, ist es nothwendig, die jüdisch-deutsche Schrift ferner fortzupflanzen. Wie mistrauisch und zweifelhaft sind wir nicht oft beim Emp-