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Der Orient · 1843-11-21 · Heft 47 (21.11.1843) · p. Seite 371

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 47 (21.11.1843)
Article
Berlin: Dr. Kley's Verdienste um den Hamb. Tempel
Date
1843-11-21
Page
Seite 371 (sequence 2)
Language
German
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371 der Statuten erwählt wurde. Das Werk wurde sogleich mit solchem Eifer begonnen, daß im.Oktober 1818 der Tempel eingeweiht werden konnte. Da die Hauptfeste vorüber warm, so war zuerst nur das Gebet für den Sabbat gedruckt, ein halbes Jahr darauf, das für die 3 anderen Feste (Pesach, Schebuot und Sukkot), daher sie, obgleich hinten sich befindend, von pag. 65 mit * bezeichnet sind als Fortsetzung des Sabbat; ganz zuletzt für Neujahr und den Versöhnungstag. Dc. Kley hatte von Berlin Gesänge und Melodien mitgebracht, erstere ließ er hier zuerst 1818 drucken; diese Gesänge wurden beim Gottesdienst gebraucht; 1821 ward eine zweite, um 55 Lieder vermehrte und 1827 die dritte Auflage abermals um 20 Lieder verstärktveranstaltet, und diese bildeten den Chorgesang bis 1833, in welchem Jahre das jetzige Gesangbuch das seine verdrängte, obgleich die von diesem entnommenen Lieder 30 an der Zahl, hauptsächlich aber die Melodien noch immer als die am Häufigsten gesungenen und gehörten in der großen Zahl von mehr als 400 sich zeigen. Auch seinen Katechismus hatte Dr. Kley zum Grunde gelegt, darnach unterrichtet und öffentlich konsirmirt» Durch die oben angegebene Entstehung erklärt es sich, daß der Chor im neuen Tempel aus den Schülern der israel. Freischule sich bildete und heutigen Tages noch besteht. Als gleich darauf ein Filial- Tempel während der Meßzeit in Leipzig entstand, schickte Dr. Kley auch dahin mehrere Choristen, bis eine weitere Sendung durch Uebernahme des Chors abseiten der Thomasschüler. unnöthig.wurde. Weil Dr. Kley die Wirksamkeit an der Schule nicht aufgeben wollte, so mußte ein zweiter Prediger angestellt werden, und Dr. Salomon ward von ihm vorgeschlagen, den er unlängst in Dessau kennen gelernt hatte. Im November 1818, gerade zu der Zeit, da Kley schon die erste Mädchenkonfirmation hielt, kam Dr. Satomon nach Hamburg, predigte mehrmals und gefiel. Seine Anstellung ward hierauf beschlossen. Er reiste wieder zurück und trat Ostern 1819 in seinen jetzigen Wirkungskreis. Bis dahin hatte Kley nicht nur allein gepredigt, sondern auch das deutsche Gebet ohne andere Hilfe verrichtet, dabei schon im December 1818 eine zweite Konfirmation von Knaben aus den Schülern und Schülerinnen, welche er in dem Jahre |§f|- vorbereitet. So fand Salomon Alles wohl vorbereitet bei seiner Ankunft und bis auf das eine deutsche Gebet am Schluß (Neila) des Versöhnungstages hat er zu der ersten Einrichtung Nichts weiter beigetragen. Die übrigen deutschen Gebete sind von S. I. Fränkel und Kley. Diese kurze Aufzählung von Thatsachen bedarf des Kommentars nicht; sie wird genügen, um den Mann erkennen zu lassen, dem die Ehre jenes Tages gebührte. Dem Verdienste seine Krone. H. Aus dem Hannoverschen, 10. Nov. Am 1. Nov. ist zu Celle der Advokat Satomon Philipp Gans nach vieljährigen schweren Leiden gestorben. Er war daselbst im Jahre 1788 von jüdischen Eltern geboren. Seine Bildungszeit siel in eine Epoche, wo man nichts auf Religionsunterschied gab und politische Berechtigungen von keiner Art der Gottesverehrung abhängig machte. Gans trat in Celle als Advokat auf und wußte seinem im Ansehen gesunkenen Stand eine Bedeutung zu geben, wie sie nur errungen werden kann, indem er das öffentliche Wort, die Schrift, zu Hilfe nahm. Immer war er in seinen Werken bedacht, das praktisch-politische Interesse zu wahren und zu wecken. In seiner Schrift „vom Amte des Fürsprechers vor Gericht" suchte er dem Advokarenstande, der in einer unwürdigen Abhängigkeit leben mußte, eine würdigere, freiere, reinere Stellung zu gewinnen. In seiner juristischen Zeitung sammelte er kammeralistische Materialien und richtete das angeregte Interesse an der Revision des gesunkenen Criminalwesens auf die der Besserung am meisten bedürftigen Punkte. Seine Kritik des den Ständen Hannovers vorgelegren Entwurfs zu einem Strafgesetzbuche hat zu einer durchgreifenden Verbesserung dieses Entwurfs am meisten beigetragen. Den öffentlichen Angelegenheiten des Landes widmete Gans eine so ernste wie freimüthigeAufmerksamkeit. Mit der in der bewegten Zeit von 1831 erschienenen Schrift: „Ueber die Verarmung der Städte und des Landmanns", für deren Abstellung er nur in freier Volksvertretung und freier Presse das Heilmittel fand, rief er eine Reihe von Flugschriften hervor, die eben so wenig wie seine eigne ohne Wirkung geblieben sind und die ihm zum Theil Gelegenheit gaben, seine Ansicht siegreich zu vertherdigen. Die Lheilnahme an den ständischen Angelegenheiten unterstützte er durch die Zeitschrift „Verhandlungen über die öffentlichen Angelegenheiten Hannovers und Braunschweigs", die freilich, als die Reaktion in Hannover und im Allgemeinen so plötzlich und kräftig durchschlug, eingehen mußte, die aber nicht ohne ansehnlichen Einfluß geblieben und in welcher der Historiker zum großen Theile die Elemente finden wird, die der Liberalismus m Hannover noch späterhin auszubilden suchte. Auch in den materiellen Angelegenheiten des Landes war Gans thätig. In der ganzen politischen Welt aber machte er seinen Namen bekannt durch seine kühne, aufopfernde Vertheidigung der göttinger Staatsgefangenen, die ihn auch seinerseits in gerichtliche Untersuchung verwickelte, ihm mehrwöchentliche Gefängnißstrafe zuzog und ihn bei den Behörden bis an sein Ende als Bekenner extravaganter politischer Grundsätze gelten ließ. Aus den Aktenmaffen jenes Prozesses hat er starke druckfertige Manuskripte hinterlassen; die eigentliche, fast 2000 Folioseiten lange Vertheidigung ist im Besitze des celler Advokatenvereins. Gans war außerhalb Hannover bekannter und geschätzter als innerhalb. Sein stilles, geräuschloses Privatleben, seine Bescheidenheit, sein Glaube und einige andere Umstände tragen hierin einige Schuld. Eine spätere Zeit wird ihn auf die Stufe erheben, die sein bedeutungsvolles Wirken ihm erworben hat. (D. A. Z.) Berlin, 8. Nov. Die letzte Nummer des Militärwo- 47*

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