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Der Orient · 1843-11-07 · Heft 45 (7.11.1843) · p. Seite 356

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 45 (7.11.1843)
Article
Berlin : Das Wörterb. von Menachen ben-Seruk wird gedruckt [Nachricht]
Date
1843-11-07
Page
Seite 356 (sequence 2)
Language
German
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356 1222 in Sevilla geschrieben ward, ist bereits angekommen. Es verdient die bereitwillige Liberalität der holländischen Regierung um jo größere Anerkennung, als nicht nur das Manuskript ein äußerst werthvolles ist (Sachverständige schätzen es auf 10,000 Thlr.), sondern auch ihre Gegenbedingungen nur darin bestanden, daß der gedachte Gelehrte sich schriftlich verpflichte, den Kodex nicht aus dem Hause zu geben, und man ihr nach dem Druck ein Exemplar zu stelle. Weniger liberal handelte eine deutsche Bibliothek (Hamburg), welche zu demselben Zweck um eine andere, in ihrem Besitze befindliche Handschrift ersucht ward, jedoch nur unter den Bedingungen willfahren wollte, daß ihr 2000 Thlr. Kaution gestellt würden, der Kodex unter dieser Werthbezeichnung zur Post versendet und in Berlin für dieselbe Summe veraffekurirt werdet Erst den wiederholten Bemühungen unsers Oberbibliothekars, des Dr. Pertz, gelang es, die Handschrift, jedoch nur im Gewahrsam der hiesigen konigl. Bibliothek, zu erhalten. Schließlich bemerke .ich, daß auch ein speciell preußisch-vaterländisches Interesse bei der Herausgabe dieses hebräischen Lexikons in Betracht kommen dürfte, indem auf der berliner Bibliothek eine ziemlich vollständige Handschrift desselben sich befindet, welche mit einer lateinischen Jnterlinearversion versehen ist. Diese aber verfaßte 1430 der berühmte brandenburgische Bischof Stephan Boediker; ein merkwürdiges Denkmal, wie in jenen barbarischen Zeiten im Vaterlande stupende Gelehrsamkeit mit tiefer Unwissenheit Hand in Hand ging. (D A. Z.) München, 12. Okt. Der heilige Gambrinus, dieser Patron aller Biertrinker, hat nun auch mit den Juden angefangen; es ist eine eigenthümtiche Erscheinung unserer Zeit, daß Alles darauf hindrängt, das jüdische Element von dem christlichen zu scheiden. Gambrinus hat den Juden in Baiern den £cmbel mit Hopfen untersagt; alle Vorstellungen, die man bei der Behörde dagegen einreichte, waren ohne Erfolg. Daß in unserem klassischen Bierlande selbst in der Konstitution das Bier nicht vergessen wurde, werden die geehrten Leser schön wissen, denn nach derselben darf kein Jude eine Bierbrauerei besitzen; denn Bier ist ein rein christliches Getränk. — Daß die Luden aus Mäßigkeitsvereinen ausgeschlossen sind, ist wahr, obgleich die Speiersche Zeitung diesem widerspricht. Die Rückschrittspolitik der Behörden in den jüdischen Angelegenheiten ist von solcher Feindlichkeit eingegeben, daß die Verwirrung m Synagoge und Schule, in unserem Verhaltniß zur Bürgerschaft und zum Staate, so groß ist, daß bald kaum zu helfen sein wird. Die Stände haben bei dieser Gesinnung der Behörden beim besten Willen für uns Nichts Lhun können; ibaS frühere gute Verhaltniß zwischen Rabbiner und Lehrer hat die Behörde so untergraben, daß der Zwiespalt nun üppig aufwuchert, und es ist hart, wie die Behörden unseren Gemeinden allmälig ganz das Präsentationsrecht entzieht. Die Gemeinden dürfen jetzt nicht einmal mehr sagen, den oder jenen Kandidaten wollen wir haben; die Behörden zwingen den Gemeinden Leute auf, die für ihre Tendenzen passen, wenn auch nicht ein Einziger in der Gemeinde für ihn ist, und die einzige Berechtigung eines solchen jungen Mannes besteht nur darin, daß er dem katholischen Principe zugethan sei. Breslau, 18. Okt. So eben ist hier erschienen: „Bericht der zeitigen Verwaltung über das zehnjährige Wirken des isr. Handlungsdiener-Instituts, erstattet am 17. Okt. 1843," welcher abermals von einem Institute uns eine genaue Nachricht giebt, das anderswo, namentlich im Großherzogthume Posen, nachgeahmc zu werden verdient. Mit dem Berichte ist auch erschienen (Breslau, bei H. Sulzbach): „Statuten des israelitischen Handlungsdiener-Jnstituts zu Breslau» Gegründet den 1. April 1834, umgearbeitet im Jahre 1843," welche Statuten außer Einleitung und Vorwort aus 72 Paragraphen bestehen, die bei Gründung eines ähnlichen Institutes zu empfehlen sind. Der Zweck dieses Vereines ist: die wiffenschaftliche Ausbildung der isr. Handlungsdiener durch Unterricht in den kaufmännischen Kenntniflen zu fördern, durch den Verein den Handlungsdienern zu ihrem ferner» Fortkommen behülflich zu sein und in bedrängten Umstanden Unterstützung zu gewähren, und dieser allgemeine Zweck wird denn genau und trefflich in den Statuten durchgeführt. Nach dieser Voraussendung sei es mir gestattet, den Bericht selbst, der über den noch gesunden Kern in Breslau Aufschluß giebt, hierher zu stellen: „Das zehnjährige Bestehen des israelitischen Handlungsdiener - Instituts, legt dem zeitigen Vorstande desselben die Verpflichtung auf, den resp. Gönnern und Mitgliedern über das Wirken und die Thätigkeit desselben während eines Decennii Rechenschaft abzulegen. Indem die Unterzeichnete Verwaltung sich dieser Pflichterfüllung gern entledigt, sei es derselben gestattet, einige Bemerkungen über das Entstehen dieser Anstalt und über die Motive, die sie hervorgerufen, voranzuschickm. Bei den gesteigerten Ansprüchen der Zeit in Bezug auf Wissenschaft und Bildung, erwachte auch unter der, dem Kausmannsstande sich widmenden jüdischen Jugend der Wunsch, denen ihrer Glaubensgenossen, welchen die Wohlthat einer bessern Erziehung und höhern Ausbildung entzogen war, Gelegenheit zu erschaffen, sich jene Intelligenz anzueignen, die den Handel auf einen höhern Standpunkt bringt und seinen Vertretern eine ihrem Stande angemessene Stellung anweist." (Beschluß folgt.) Oesterreich. Brody, 15. Septbr. (Verspätet.) Unter den mannigfachen Berichten in Ihrem Blatte über die Emancipationsfortschritte und die israelitischen Kulturverhaltnisse mögen die geehrten Leser es dem Korresp. erlauben, aus unserer Stadt über ein Jubiläum zu berichten, das für unsere große israel. Gemeinde nicht ohne Bedeutung vorübergegangen ist. Doktor D. I. Friedländer, eins der gelehrtesten und geachtesten Mitglieder unserer

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