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Der Orient · 1843-10-24 · Heft 43 (24.10.1843) · p. Seite 341

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 43 (24.10.1843)
Article
Jakobshagen: Synagogen-Einweihung ...
Date
1843-10-24
Page
Seite 341 (sequence 2)
Language
German
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341 irgend eine andere Genossenschaft die größten Opfer ihrer , Religion zu bringen stets bereit sind. Hier nämlich erbaute eine kleine und unbemittelte Gemeinde eine große und prächtig ausgesiattete Synagoge. Wie die hiesige Gemeinde so wenig bei dieser Gelegenheit das Geld geachtet, zeigt sich auch noch dadurch, daß sie den Dr. Frankel, Rabbiner in Märkisch - Friedland, der erst kürzlich die neuerbaute Synagoge Ln Labes mit dem allgemeinen Beifalle aller dort Anwesenden eingeweiht, zur Einweihung der hiesigen Synagoge und zu der Anordnung passender Feierlichkeiten herbeigeholt. Von dieser Feier war auch ich so eben ein Zeuge, und gerührt wie erbaut davon zurückkehrend, berichte ich Ihnen hierdurch das Nähere. Um 9 Uhr versammelte sich die Gemeinde in die alte Synagoge, woselbst der Rabbiner, anknüpfend an Zeremia 7, eine rührende Abschiedsrede hielt; daraus bewegte sich langsam und feierlich der Zug unter dem Voranschreiten der Aeltesten mit den Gesetzrollen, in die neue Synagoge. Hier angekommen, fand ein dreimaliger Umgang mit den Gesetzrollen statt, wahrend dessen das für min nna&y bestimmte nj nywi NOK gesprochen wurde. Nach beendigtem Umgänge begab sich Dr. F. vor die heilige Lade, wo ein Zwiegespräch zwischen diesem und dem Vorbeter, bestehend aus mehreren für diesen Akt passenden Psalmversen die Feierlichkeit sortsetzte. Der Rabb. begann sodann eine trefflache Einweihungsrede, in welcher der Faden der in dem alten Bethaufe gehaltenen Predigt gleichsam fortgesponnen wurde, mit dem von ihm sehe gut durchgeführten Texte aus dem Psalm 26, 8 p&?o üipo) ‘jrvo pyo vnriN "piiD, und endigte sie mit einem Gebete für König und Vaterland. Nach beendigter- Predigt beschloß das Absingen der Psalmen 80 und 27 diese eehebende und würdige Feier, deren Andenken wohl bei uns allen Zuhörern noch lange bleiben wird, und für die dem Dr. Frankel von allen Anwesenden der ihm gebührende Dank vielfach ausgesprochen wurde. Eine bemitteltere Gemeinde einer nahe liegenden Stadt, deren Vorstand ebenfalls gegenwärtig war, kann trotz aller Bitten und Vorstellungen bei den Behörden die Erlaubniß zum Neubau eines Bethauses nicht erhalten. Eine Mittheilung von einen Sach- und Fachkundigen in diesen Blättern, wie und auf welche Weise trotz dem vom Laudrathe abgegebenen Gutachten, ein Bethaus sei unnöthig, die Erlaubniß erlangt werden könne, wäre sehr willkommen, da die Gemeinde in der kleinen gemietheten Stube kaum so viel Platz hat, als zum Stehen nothwendig. — Von der in der Nahe liegenden Stadt Star gar d hört man, daß ein dort fuugirender Elementarlehrer Predigten halt; wie diese ausfaUen können, überlassen wir dem denkenden Leser. Uebrigens könnte diese Gemeinde wohl einen Studirten besolden, hatte nicht der Jndifferentismus alle bessern Kräfte längs ausgesogen. Berlin, den 18♦ Okt. Am 15. Okt. dieses Jahres feierte der von seinen zahlreichen und geachteten Schülern so verehrte Inspektor der Samson'schen Frelschule, der auch als Verfasser von Schulschristen dem Publikum rühmlich bekannte S. M. Ehren d erg, seinen siebzigjährigen Geburtstag im stillen Kreise seiner Familie. Es giebt wohl keinen einzigen seiner Schüler, unter denen so viele, welche die schönsten Zierden des Judenthums sind (wie z. 33. Zunz, Jost u. A.), der nicht in der Zurückerinnerung an seinen ehemaligen Lehrer diesen Tag mit Freuden begrüßte, itub auch das übrige jüdische Publikum wird sich gerne dieses ehrwürdigen Greises mit Vergnügen erinnern, drr im Verlauf einer so langen Iahrenreihe dieses schöne Institut geleitet. Hr. Samuel M e y e r Ehre nb erg wurde zu Braunschweig den 15. Okt. 1773 (29. Tischri) geboren, und schon im Jahre 1789 wurde er in das 1786 von Philipp Samson gestiftete und selbstgeleitete B er ha-Midrasch ausgenommen. In diesem blieb er 34- Jahre, ging dann um das Studium des Talmuds zu treiben nach Berlin, und war später mehrere Jahre Hauslehrer in Berlin, Brandenburg, Peine und Hannover und besuchte Zuletzt auch das Gymnasium zu Braunschweig, wo er in den klassischen Wissenschaften sich vervollkonnnnete. Seine praktische und so sehr nützlich gewordene Thätigkeit begann er aber erst 1807; denn im April jenes Jahres wurde das erwähnte Bet ha-Midrasch in eine deutsche, jüdische Erziehungs-Anstalt umgewandelt, seit welcher Zeit Hr. Ehrenberg als Inspektor und Direktor derselben unermüdlich thätig ist, und gegen 200 Zöglinge für Kunst, Wissenschaft und Industrie ausgebildet und dem socialen Leben zugeführt. Möge er noch recht viele Tage im Kreise seiner Familie und seiner Zöglinge erlebend Eine Geschichte der Samson'schen Freischule, welche, wie ich vernehme, in Kurzem erscheinen soll, möge den Namen Ehrenberg der Nachwelt übergeben, da er mit diesem Institute so innig verwachsen ist. Polen und Rußland. Petersburg, 1. Juni. Ich wurde von einem israelitischen Bankier ersucht, nachfolgenden Artikel aus der Sr. Petersburger Handelszeitung zu übersetzen, und in einer jüdischen Interessen nicht fremden Zeitschrift der Oeffentlichkeit zu übergeben. Ich komme um so lieber diesem Wunsche nach, als mir dadurch die Gelegenheit geboten wird, allen denen, die Rußland der Intoleranz und der Inhumanität zeihen, einmal einen schlagenden Beweis des Gegentheils zu liefern. Aus Nr. 33 der St. Petersburger Handelszeitung vom 17. Marz. St. Petersburg, den 16. Marz. Dem in Lepel (in der Nahe von Witepsk) cmsaßigm jüdischen Kaufmanne erster Gilde B ermann Na poport, wie seiner Frau Esther und seinen Söhnen, und zwar: 1) seinem Sohne Nachim David, dessen Frau Sara, Tochter Rachel und Söhnen Salomon Isaak, Hirsch, Newech und Hilel; 2) seinem Sohne Hilel, dessen Frau Rachel und Söhnen Hirsch sammt Frau Debora, dann Salomon Aaron und Moses Jakob; 3) seinem Sohne Mendel, dessen Frau Rehle und Sohne Aaron; 4) seinem Sohne Salomon, dessen Frau Sara, (Löhnen Michel und Isaak und Tochter Masche; und 5) seinem Sohne Isaak, dessen Frau Jette, Sohne Markus und Tochter Rachel ist vom regierenden Senate das erbliche Ehrenbürgerrecht gnädigst ertheilt worden.

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