Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1843)
- Article
- Berlin : Gerüchte betreffend den russischen Ukas [Nachricht]
- Date
- 1843-10-17
- Page
- Seite 334 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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334 der ofsiclellen Erkundigung zu erreichen. Uns sind Fälle bekannt, wo preußische UnLerthanen, nachdem sie auf an den Kaiser Igerichtete Vorstellungen wegen dringender Rechtsverletzungen nach Jahren keinen Bescheid erhalten, das hiesige auswärtige Amt baten, auf gesandschaftlichem Wege über das Schicksal ihres Gesuchs Erkundigung einzuziehen, aber zur Antwort erhielten, ein Regreß an jene Kommission sei auch auf gesandtschaftlichem Wege unthunlich. Wohl aber wissen wir, daß auf Vriesschafren, die der Kaiser oder seine nächste Umgebung, persönlich im Ausland entgegengenommen, nach kurzer Zeit Erledigung und Abhilfe erfolgt ist. Namentlich zeigen die HH. v. Benckendorff und Orloff für die Vermittelung derartiger Vorstellungen vielen Rechtssinu, und dieser Weg möchte den vielen Deutschen zu empfehlen sein, welche das Eingreifen des persönlich hochsinnigen und gerechten Kaisers für irgend eine Anlegenheit zu erbitten sich berufen fühlen. Manche sehr unangenehme Verwickelungen und Verletzungen, die in letzterer Zeit wieder an der Grenze vorgekommen, werden unsere Notiz rechtfertigen. D. A. Z. Lichtrmd Schotterchildev aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Frankfurter Reform - Verein. *) Offenes Schreiben an Hrn. Dr. G. Riester. Endlich sind, viel ersehnt und lauge erwartet, einige authentische Aktenstücke der jüdischen Reformfreunde veröffentlicht worden, und an Sie wende ich mich in dieser Angelegenheit, weil von allen Namen, die nt Verbindung mit derselben genannt worden sind, der Ihrige am Meisten Achtung gebieret, am Meisten Vertrauen entfloßt. Was Sie bis jetzt für das Iudenthum gewirkt haben, muß jeden Unbefangenen Ihre wahre Stellung zu demselben würdigen lassen, und auch »einem Unbekannten den Math geben, über das, was seinem Herzen am Wichtigsten ist, offen und frei dem größten Publikum gegenüber mit Ihnen zu sprechen. Können Sie meine Ansichten Lheilen, so werden dieselben durch Sie einen bequemeren Weg zu den Reformfreunden finden; müssen Sie aber sie verwerfen, so erwarte ich von mir, daß ich Ihre wohlmeinende Belehrung mit Ruhe und Aufmerksamkeit entgegen nehmen werde. Die Nothwendigkeit einer Reform im Iudenthum sieht Niemand mehr ein, als ich; Niemand kann sie sehnlicher und aufrichtiger herbeiwünschen. Aber ich meine, es giebt überhaupt zwei Wege, auf denen sich die Nothwendigkeit einer Reform herausstellt. Der eine ist der Weg der historischen Entwickelung, aus dem Innern der Macht selbst hervorgehend. Sie beherrscht die Gemüther ihrer Anhänger unumschränkt und geht faktisch von einem Uebergriffe in das Recht oder die Vernunft derselben zum andern, bis das unerträg- *) Unter dieser Rubrik werde ich manche Einsendungen, die den Reform - Verein betreffen, aufnehmen, Ln sofern sie ohne Animosität, ohne Verdächtigungen auftreten. Red. liehe Uebermaaß eine faktische Reaktion hervorruft, mit welcher die Reform, wie mit Einem Schlage, gemacht ist. Dem gegenüber geht der Weg der philosophischen Fortbildung in den Anhängern der Macht. Diese ist eine stabile geworden, ohne theoretischen ohne praktischen Fortschritt; jener hat sich die Philosophie des Gedankens bemächtigt und sie können für den fortgebildeten Gedanken in der Macht nicht mehr eine adäquate Form finden. Die Reform aber macht sich hier nicht mehr mit Einem Schlage; die Philosophie und ihre Resultate müssen durch Einzelne erst nach und nach in das Bewußtsein der Gesammtheit üb ergehen, oder diese Einzelnen müssen gemeinsam diese Resultate nach reiflicher Erwägung der Gesammtheit mit Einem Male dekretiren. Es würde die Grenzen eines Briefes überschreiten, wollte ich, was ich angedeutet, weitläufig ausführen und mit Beispielen belegen; es wäre anwaaßcnde Schwätzerei, wollte ich es nicht Ihnen überlassen, mit Einem Blicke schnell und bequem zu umfassen, was Hunderte von Worten erst auszudrücken sich bemühten. Es ist einleuchtend, daß die Nothwendigkeit einer Reform des Iudenthums sich auf dem zweiten Wege hervorgebildet hat, und bewußt oder unbewußt sind die Reformfreunde auf ihm zu ihrem Programme gelangt. Aber dieses Programm! Ich kann es nicht glauben, daß Sie es unterschrieben haben. Man kann ein ganzes Buch darüber schreiben. Ich will nur Ln wenigen Worten sagen, daß es mir verkommt, als ob man durch ein so seichtes Raisonnement und so konfuse und konfundirende Ansichten den Freunden religiöser Reform wenig Beherzigenswerthes vorgelegt hat. Ich habe den Abdruck im „Orient" Nr. 39 vor mir und möchte fragen, wie aus den ziemlich oberflächlichen Philosophemen über die Einführung des Mosaismus auf der ersten Spalte der Seite 307 Zeile 18 v. u. die dem mosaischen Glauben ura n fang lieh beiwoh-