Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1843)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1843-10-03
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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318 dorther widersprechen dieser Auslegung, die auch mit dem Buchstaben des Mas nicht zu vereinigen ist. Mit Recht macht man darauf aufmerksam, daß die Bewohner des platten Landes schon deshalb nicht gemeint sein können, weil schon seit 13 Jahren das Wohnen auf dem platten Lande den Zudett verboten ist. Das einzige Gewisse 'ist, daß man mit der Ausführung zögert, vielleicht bewogen durch die Bittschreiben der Gemeinden zu Königsberg und Köln. Der Bericht aus Kalisch in diesem Blatte ist durch die Gesandtschaft an das Ministerium des Innern in Petersburg geschickt worden. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Emaucipatiovskampf i m Friesenland. (Fortsetzung.) Der Freie. Zweite Entgegnung des kHerrn H. 'auf die erste Antwort des Angenannten. Das Votum, der Protest und die Antwort in der Juden frage. Es ist auch irrig, wenn die Antwort meint, nur das Ä. T. theilen Juden und Christen gemeinschaftlich. Auch an dem Talmud und den Rabbinen hat das Christenthum und zwar an diesen einen sehr wesentlichen Antheil. Denn gerade die Bekenntnißschrist des Christentums, das N. £., ist, seinem ethischen Gehalte nach, jüdisch-rabbinische Weisheit. Wie sollte es auch anders sein? Hat ja der Stifter des Christentyums an der Brust einer jüdischen Mutter, an den Brüsten jüdisch-rabbischer Weisheit gesogen. Wir möchten nun noch mit einigen Worten den Protest gegen entstellende Auffassungen sichern, die in der Antwort liegen — und haben dann das letzte Wort in dieser Angelegenheit gesprochen. „Der Verfasser des Protestes," so beginnt gleich die Antwort, „nimmt den Mund gewaltig voll, um mit prahlerischen Worten die Juden als exemplarisches gehorsames und tugendhaftes Volk darzustellen." Wo, mit welcher Zeile, welchem Satze, welchem Worte hat der Verfasser des Protestes dies gethan? Ist man schon ein exemplarisches, tugendhaftes Volk, wenn man nur — nicht den Scheiterhaufen und die Schlachtbank verdient; ist man schon eia exemplarisches und tugendhaftes Volk, wenn man nur nicht die zahllosen Verfolgungen und Bedrückungen verdient, die vergangene Jahrhunderte auf die Juden gehäuft, und die selbst in unser erleuchtetes Jahrhundert sich zum Lhell in ihren Folgen herübergelebt? Ist man schon ein exemplarisches, tugendhaftes Volk, wenn man nur gegen die Obrigkeit nicht rebellirt, nur Fürst und Land nicht verräth? Muß man ebett ein exemplarisches, tugendhaftes Volk sein, um Gleichheit der Menschenrechte für sich anzüsprechen, der'Rechte, die ja in allen andern Kreisen selbst wirkliche Verbrechen nicht verwirken? Heißt es prahlerisch den Mund vollnehmen, wenn man auf Scheiterhaufen, Schlachtbank und Fesseln hinweist und spricht: die hat das jüdische Volk nie verdient; wenn man auf Rechte hlnweift, die selbst der Sohn eines auf's Rad Geflochtenen genießt, und spricht: „die können dem jüdischen Volke nicht versagt werden?? Und mit keiner Zelle, keinem Satze, keinem Worte hat der Verfasser des Protestes ein Mehreres und Anderes gesagt, und gewiß hat kein Redlicher und Vernünftiger ihn anders verstanden. Während ferner der Votant die Cmancipation der Juden aus dem Gesichtspunkte des Missions- und sonstigen Staatsinteresses empfohlen, hatte der Protest entgegnet, diese jEmancipation empfehle sich schon an und für sich, ohne alle Nebmrücksichten, als reiner Akt einfacher Gerechtigkeit, als reiner Sühnakt einer erleuchteten Zeit für die Versündigung dunkler Jahrhunderte, von selbst allen wahren C h r i sie n. Nur von dieser einen Versündigung, der Versündigung christlicher Staaten gegen die ihnen angehötigen jüdischen Staatsgenoffen war die Rede und konnte die Rede sein. Die Antwort jedoch fand für gut in jener Schuldzurückweisung von den Juden eine Beschuldigung des Christen, in jener Verteidigung der Juden eine Anklage des Christen zu wittern, als habe der Protest'eine Parallele ziehen wollen zwischen Juden und Christen, die Ersten mit allen Lugenden zu schmücken, die Letzteren als Ehrlose, Abtrünnige, Widerspenstige, Undankbare, Rebellen und Empörer zu zeichnen! — Fand diese ganze Entstellung für gut, um nun — da der Protest doch