Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1843)
- Article
- Transkaukasische Länder : Koch über die Juden daselbst [Nachricht]
- Date
- 1843-10-03
- Page
- Seite 317 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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317 jetzt Cherch heißt, erhalten haben. Der Gau Jspira -liegt am schwarzen Meere, und daß dieser Gau wirklich seit undenklichen Zeiten von Juden bewohnt wurde, die unter eigenen Häuptlingen standen, beweisen schon byzantinische Historiker des Mittelalters (s. Konstantin korxll^roAenelL in seinem Werke: äe administrando imperio c. 45). Nach griechischen, armenischen und grusischen Nachrichten sollen die jüdischen Häuptlinge Jspira's unter dem Namen der Bagratiden in der armenischen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt und der Kaiser Heraklius sogar einen Bagratiden mit Namen Gur am als König von Gcuflen eingesetzt haben. Eigenthümlich ist es, daß die Juden in Grüften und in der ganzen Umgegend den Namen Uri führen, ein Name, den schon der erwähnte Konstantin Porphyrogeneta 915 zu deuten suchte (1.1.). Der Ahnherr der Bagratiden hieß A sch o t und wurde 743 zum Gouverneur von Armenien ernannt; von seinen Söhnen Senbat und Wasag stammen die beiden königlichen Linien der Bagratiden in Armenien und Grusien. Mit dem Jahre 787 setzte der Kalife Harun al-Raschid einen Bagratiden Aschot, einen Enkel Wasag's zum Herrscher von Grusien ein, im Jahre 899 nahm ein Nachkomme, Adernasse, den Titel König an und im Jahre 964 wurde das gruflsche Königthum mit dem lazischen Throne Abchasiens vergrößert. Diese Häuptlinge und nachmaligen Könige gingen später rheils im Christenthume, theils im Islam unter, wie das Reich Grusien selbst unter Kaiser Paul von Rußland aufhörte. In der Stadt Z rch in wall am Ufer des Flusses Linchwa, in der Provinz Karthli, ist eine jüdische Gemeinde mit einer Synagoge, die freilich ärmlich ausft'eht. In der nördlichen Provinz Jmeriens, Radscha genannt, wohnen, wie überhaupt in Jmerien viele asiatische Juden und in dem Orte Oni, dem Hauptorte des Kreises Radsche, ist der Chelosani (Bürgermeister) ein Jude, was bei diesen wilden und ungezähmten Völkern einen bedeutenden Grad von Vertrauen voraussetzt. In Kutais, der Hauptstadt von Jmerien, leben viele Juden, welche aber auch den größten Theil der Handelsleute bilden; in Kleidung Physiognomie und Körperform unterscheiden sie sich gar nicht von den Eingebornen des Landes. Die Stadt Anaklea an der linken Seite des Jngur am Schwarzen Meere, hat nur Juden und Türken zu seinen Bewohnern. Diese Stadt liegt an der Grenze Mingreliens. Perfonalchronik «r»d Miseellen. Das Prrncip d er Nich tinterv entio n hat auch etwas Gutes. Auch der Frankfurter Senat befolgt, wie Preußen, das Princip, sich m Angelegenheiten der isr. Religion nicht zu mischen. Die Eingabe des Rabbinats an den Senat wegen der unterlassenen Beschneidung ist dem Vorstande zur Begutachtung zugesandt worden. Man glaubt, daß der Senat keine Entscheidung aussprechen wird; und gewiß würde solches der Würde des Judenthums angemessener sein. Nekrologe. Den 13. Aug. starb der Rabbiner Karpeles zu Kojetein in Mahren. Er war aus Boskowitz und nicht seit lange war er Rab. zu Kojetein. Hr. Karpeles ertrank nämlich. — Den 15. Aug. starb der Rabbiner Kralowski in Ungarisch-Brod. Man glaubt, daß die zwei vakanten Stellen durch gebildete Rabbiner erseht werden sollen. — Den 4. Sptbr. starb Dr. Ullmann, Oberrabbiner zu C re selb, in der Blüthe seiner Jahre. Er war der Ueber- . setzer des Korans und in seinen Abhandlungen ein Mann von Geist und Herz und im Leben voll edler Gesinnungen. Möge das Konsistorium diese im ganzen gute Stelle einem Manne geben, der an guten Eigenschaften dem Verblichenen gleicht. — Das Werk: Die Juden in Oesterreich, dieses ausgezeichnete und berühmte Werk ist bekanntlich ohne Angabe des Verf.'s erschienen. Jetzt wird aus Wien die Vermuthung ausgesprochen, daß der bekannte Aesthetiker Ignaz Ibitte (es der Vers, dieses Werkes gewesen. Eine Mitarbeiterschast wird einem Prager Gelehrten Dr. W. zugesprochen. Aufmerksamkeit und Anerkennung. Das jüdische Obervorsteher-Kollegmm in Breslau hat an die Staatsdiener daselbst, an die Hrn. v. Rönn e (Kammergerichtsrath) und Simon (Oberlandesgerichts-Asseffor), in Bezug aus ihr neuestes Werk: „Die frühem und gegenwärtigen Verhältnisse der Juden", ein schönes Dankschreiben gerichtet. Unterzeichnet ist der kLn. Kommerzienrath Jonas Frankel und S. I. Levy, S. Milch, Jos. Prinz. Von Herzen wird wohl jeder Gutgesinnte wünschen, das dieses schöne Beispiel der geistigen Regsamkeit nachgeahmt werden möge. Der wackere Kämpfer. Als tüchtiger Polemiker, trat im Jahre 1614, Salomon Zewi, Vorsänger in Aushausen, unter dem Schenßenstein — fälschlich schreibt P. Pung in seiner tabellarischen Uebcrsicht rc. Leipzig 1817, Uffhausen, statt Aufhausen — gegen des Samuel Friedrich Brenz eines getauften Juden und hoh. Grässlich - Oettmgischen Dieners Schrift „Jüdischer abgestreister Schlangen- Balg," mit einer Gegenschrift „Jüdischer Theriak" aufl Wie lau aber die Juden gegen ihre Publicisten gewesen, beweist der Umstand, daß eben dieser wackre Kampe für Wahrheit und Recht, Salamon Zewi in Regensburg, auf offener Straße den Hungertod sterben mußte. Der bairische Katholicismus. In Baiern erging ein Tagesbefehl an alle Militär Kommandos, jeden jüdischen Soldaten in der Frühe vor dem Ausrücken zum Gebete anzuhalten. Und wer von seinen christlichen Genossen ihn darüber foppen würde, soll exemplarisch bestraft werden. Aussicht für einen guten Rabbrnats-Kandidaten. Im König!. Würtemb. Negierungsblatte ist das erledigte Rabbinat Freudenthal mit einem Jahresgehalte von 550 fl. zur Bewerbung ausgeschrieben. Der neue russische Ukas. Aus Posen und von der polnischen Grenze wird in den Zeitungen berichtet, daß der Uebersiedelungsbefehl nur die auf dem Lande Wohnenden berühre, keineswegs aber die Städter. Allein spezielle Briefe von