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Der Orient · 1843-10-03 · Heft 40 (3.10.1843) · p. Seite 315

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 40 (3.10.1843)
Article
Memel : Der russ. Ukas ist bis jetzt nicht widerrufen ... [Nachricht]
Date
1843-10-03
Page
Seite 315 (sequence 2)
Language
German
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315 ihnendie Wahrheit zu ermitteln! Ich war selbst Augenzeuge, wie der Grenzsoldat von seinem Ofsiciec fast halbtodt geschlagen wurde, damit er dem Petersburger sagen, solle, daß es ihm sehr gut gehe und er regelmäßig feinen Sold erhalte. Aber was können die Juden dafür, daß dieser abnorme Zustand existirt, was können sie dafür, daß sie, um sich und die ihrigen zu erhalten, nach der unnatürlichen Nochwendigkeit der Landesgesetze verfahren? Man sieht hier mit Schrecken der Zeit entgegen, in der diese Veränderung vor sich gehen soll, man zweifelt keinen Augenblick, daß unsere Grenzgememden in Preußen, wohin sich ohne Zweifel viele hinbegeben werden , darunter leiden müssen, wenn nicht der Ukas zurückgenommen wird, was wir noch hoffen. Deutschland. Hamburg, 11. Septbr. Am vorigen Donnerstage, den 7. Sptbr., 10 Uhr Morgens, versammelten sich die Behörden und Honoratioren der beiden Städte Hamburg und Altona in einem, innerhalb des zu dem neuen israel. Krankenhause in der Vorstadt St. Pauli gehörigen Gartens errichteten Zelte, um der Einweihung jenes herrlichen Gebäudes beizuwohnen. Außer drei Bürgermeistern (dervierte hatte sich wegen Kränklichkeit schriftlich entschuldigen lassen) unterschied man viele Senatoren, mehre Gesandten und Geschäftsträger fremder Höfe bei den Hansestädten, die höheren Militärbeamten, eine große Anzahl von Advokaten, Aerzten, Geistlichen und Lehrern, die Vorsteher der jüdischen Gemeinde m Hamburg, dm Rabbiner H. E t tlinger aus Altona (Herr Bernays war durch Unpäßlichkeit zu erscheinen verhindert), die beiden Herren Prediger am neuen israel. Tempel und eine große Anzahl der geachtetsten christlichen und jüdischen Kausteute und anderer Privatpersonen, so wie Mehre Damen. Die ganze Versammlung mochte sich auf mehr als ö00 Personen, größtentheils in festlicher Kleidung belaufen. Auf einer Tribüne befand sich die Schafferssche Liedertafel, deren seelenvoller und korrekter Vortrag sich weithin der größten Anerkennung erfreut. Dem vorher ausgegebenen Programme zufolge ward die Feierlichkeit mit. einem Choral eröffnet. Auf diesen folgte die Rede des Gemeindevorstehers und derzeitigen Ptasidiß der Bauverwaltung, des Juveliers Herrn Wolfs David Hertz. Er begann in schlichten, aber ansprechenden und taktvoll gewählten Worten die Geschichte des neuen Krankenhauses bis zum Tage seiner feierlichen Einweihung zu erzählen, berichtete, wie, vor 3 Jahren die Vorsteher den Vau eines neuen Krankenhauses beschlossen und deshalb zu ihren Verathungen angesehene Eemeindemitglieder zugezogen worden feien, wie Hr. Salomon Heine unerwartet und mit seltener Großmuth das ganze Gebäude auf seine Kosten herzustellen sich erboten und nur die Benennung desselben nach dem Namen seiner verstorbenen Gattin Betty sich verbchalten habe, wie dann der erste Kostenanschlag (80,000 Mark Banco) bedeutend überschritten worden, und Hr Heine mit neuer Großmuth den erforderlichen Zuschuß (bis zu mehr als 100,000 Mark Banco) geleistet habe. Herr Hertz erwähnte dann der Grundsteinlegung, dankte dem wohlwollenden und wohlthuenden Gründer, den Behörden, die so zuvorkommend den Wünschen der Gemeinde durch Anweisung eines geeigneten Bauplatzes entsprochen hätten, erinnerte an die edle Theil, nähme, die sich bei allen Konfessionen in Hamburg und und bei andern Freunden der Anstalt so lebendig für das Unternehmen kundgegeben, erwähnte des glücklichen Umstandes, daß auch die große Feuersbrunst des Jahres 1842 auf den Fortbau fast gar keinen Eindruck gemacht und gedachte mit Anerkennung des Architekten, des Bauunternehmers und der Arbeiter, die ein so schönes Werk vollendet, der Hospitalkommission und der Herrn Aerzte, die die Erfahrungen der Wissenschaft und der Kunst bei den inneren Einrichtungen des neuen Betty-Heine- Hospitals beherzigt und angewandt hatten. Die trefflichste Stelle der ganzen Rede war indessen die, in welcher Hertz mit männlichem Selbstgefühl im Namen der Hamburger Juden hecvorhob und aus dem Bewußtsein derselben das Recht und die Hoffnung ableitete, das ersehnte Gut der Gleichstellung zu erlangen, und den schönsten, beneidenswerthesten Namen eines Bürgers tragen zu dürfen. — Diese Rede, die einen sehr tiefen Eindruck machte, wird ehestens gedruckt erscheinen. — Der folgende Gesang (Dichtung von Hrn. Dr. Hahn) wurde ausgezeichnet ausgeführt. — Darauf folgte ein kurzer Vortrag des ersten Hospitalarztes, Herrn Dr. Heilbut, in welchem derselbe die Nothwendigkeit eines neuen jüd. Hospitals aus der Unangemessenheit der bisherigen Lokalität und dem Bedürfnisse des kleineren Mittelstandes, so wie aus der Nothwendigkeit, dem Pauperismus zu steuern, darthat. Ein trefflicher Gesang (Text gleichfalls von H. Dr. Hahn) schloß die schöne, einfach-edle Feier. Von mehren Seiten wurde es auffallend gefunden, von anderen gebilligt, daß die Einweihung von Laien vollzogen worden war. — Eine Geschichte des älteren Krankenhauses und eine Darstellung der im Betty-Heine- Hospital getroffenen Einrichtungen hat H. Dr. Heilbut dem Drucke übergeben. — In der Pause war eine Kollation gereicht worden; nach dem Schlüsse zerstceueten sich die Anwesenden in die Krankensäle, den herrlichen SSetfaaC *) und die Küche und Kel- *) Unter Andern haben die Kaufleute Herren Gebrüder Oppenheim in Hamburg einen kunstvoll in Lyon gearbeiteten und in Berlin gestickten, mit einer hebr. Inschrift versehenen Vorhang vor der Lundeslade dem Betsaale zum Geschenke gemacht. 40

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