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Der Orient · 1843-09-19 · Heft 38 (19.9.1843) · p. Seite 303

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 38 (19.9.1843)
Article
St. Miklos an der Waag : Ueber die Beerdigung der Todten [Nachricht]
Date
1843-09-19
Page
Seite 303 (sequence 2)
Language
German
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303 den auch nicht die Richtigkeit der rabbinischen Beweise beurtheilen können. Keiner der Bittsteller hat aber daran gedachtdaß dergleichen Gesuche sowohl die Religion als die Gemeinden nur herabwürdigen kann, und daß wir noch viel zu viel in diesem Lande ein Gegenstand der Verachtung sind, als daß wir auf unsere Religion noch neue Schmach laden sollen. Einige Gemeinden bereuen es nun auch, daß sie solche dumme Rabbiner, wie wir sie hier zu Lande nun einmal haben, zu Rache geholt, da selbst die Talmudkennmiß hier mehr bei Laien als bei den Rabbinern angetroffen wird. Und der Talmud ist bekanntlich in der Abwartung der Beerdigung viel strenger als unsere Medizinal-Polizei. Wir sind es dem Talmud schuldig, der durch die vielen Thorheiten, die ihm die Rabbinen aufgebürdet, in den Augen der gebildeten Laien immer mehr herabgewürdigt und verächtlich gemacht wurde, wenigstens auf ihn zu hören, wo er human sich ausspricht und in Bezug auf die frühere Beerdigung wähle ich ein Beispiel, das keines Kommentars bedarf. In Jeruschalmi Moöd Kat an 7 a, heißt es: Rabbi Abba ben R. Pappi rc. sagen: drei Tage umschwebt noch immer die Seele den entseelten Leichnam, in der MeinunK, daß sie in ihn zurückkehren werde; nachdem sie aber die Veränderung der Farbe (Merkmale der Fäulniß) sieht, verlaßt sie ihn und geht ihres Weges. Daselbst 2 b: Anfangs legte man sie in Höhlen und geräumige Gruben, und erst nach dem die Verwesung eingetreten, sammelte man die Knochen und begrub sie in Kisten. Daselbst 9 b wird über den Fall diskutirt, wo schon die Kleiderreißung über den Todten vollzogen worden und dann das Leben zurückgekehrt sei. Aus solchen Stellen sieht man: 1) das der Glaube, das Leben könne in den ersten drei Tagen zurückkehren, vorhanden war und das 2) die Beerdigung für diese Zeit eine derartige gewesen, daß ein Aufleben noch möglich war. Und welche Beweise haben unsere Rabbiner? Keine andere, als die Gewohnheit. — Unser Landtag berührt diesmal sehr wenig die Juden; die Emancipationssache wird um kein Haar weiter rücken, vorzüglich da die Magnatentafel erklärt, daß sie nicht zu den religiösen, sondern zu den politischen Fragen gehört. Zur Beförderung der Emancipation ist bei uns und in ganz Ungarn Nichts gethan worden, und selbst die modernen Rabbinen Ungarns, nämlich Chorin, Schwab und Löw, die bei wahrer Liebe zu ihren unglücklichen Brüdern etwas thun könnten, blieben in schweigsamem Egoismus» Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Emancipatronskampf i m Friesenland. (Fortsetzung.) Der Freie» Zweite Entgegnung des Herrn H. auf die erste Antwort des Ungenannten» Das Votum, der Protest und die Antwort in der Judenfrage. Und so hat der Vorant sich vergebens für seine Insinuationen nach historischen Beweisen aus der Geschichte des fast zweitausendjährigen Lebens der Juden unter fremden Fürsten in fremden Ländern umgesehen —und sein Votum ist gerichtet. Doch was bedarfs freilich auch der historischen Beweise für eine so unschuldige Behauptung, hat man doch ausgewittert, daß „Goi" Götzendiener heiße, hat doch eine alte Charteke vorgelogen, daß die Juden die ,,Christen" Ummahammekullala nennen, erzählen doch judenfeindliche Skriptoren, der Talmud und die alten Rabbinen flößen den Juden böse Gesinnungen gegen die Christen und namentlich gegen die christliche Obrigkeit ein; was bedarf es mehr, um die Gesinnungen von Millionen, in fast zweitausendjähriger historischer Prüfung loyal befundener Menschen zu verdächtigen, was bedarf es mehr, um zu sagen, „so sehr sie auch u. s. w.; sv werden sie doch Fürst und Land verrathen!" Also das waren die sauberen Quellen, aus denen der Votant seine Theorie über das Wesen des Iudenthums, seine Theokratie und (seinen) Partikularismus geschöpft!! Der Herr nehme

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