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Der Orient · 1843-09-19 · Heft 38 (19.9.1843) · p. Seite 299

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 38 (19.9.1843)
Article
Hamburg
Date
1843-09-19
Page
Seite 299 (sequence 3)
Language
German
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299 Ruf und war besonders in Deutschland (wo er als Divisionsarzt bei der engl. - hannöv. Legion fungirt hatte) und Frankreich (wo ec von der Acad. des Sciences wegen einer Erfindung in der Lithotritie einen Preis erhielt) und Belgien, dessen med. Gesellschaft ihn erst -kürzlich zum ausw. Korresp. ernannte, geachtet und geschätzt. Schweden (er war in Stockholm erzogen) ehrte ihn durch Verleihung von Orden (er war Kommandeur des Wasa- und Ritter des Nordsternodens); auch war er in der eigenen Heimath Rittervom Danebcog und Oberarzt bei der Königl. Garde zu Fuß. An beiden scandinav. Naturforschecversammlungen in Kopenhagen (1840) und Stockholm (1842) nahm er bedeutenden Antheil, den Kongreß in Christiania (1844) zu besuchen, war ihm nicht beschieden. Er war mit einer Christin verheirathet und erzog seine Kinder in der christl. Religion. — lieber die erfreuliche Lage der Juden auf den dän. Inseln und in Jütland folgt nächstens ein ausführlicher Bericht. Frankfurt er. M., 8. Septbr. Die hiesige Anti-Reform-Partei denkt jetzt ernstlich daran, dem Proselytenmachen der Reform-Partei entgegenzuwirßen, und zwar auf eine ehrenhafte Weise, d. h. weder durch Machinationen noch durch Denuntiationen. Es hat nämlich ein Privatlehrer beim hiesigen Senate um die Erlaubniß nachgesucht, eine Schule für den talmudischen und rabbinischen Unterricht errichten zu dürfen. Der Vorstand tritt zwar einem solchen Institute mit allem Nachdruck entgegen; allein da die Entscheidung darüber vom Senate abhängt, der den Altgläubigen bis jetzt immer Vorschub geleistet, so steht wohl in Aussicht, daß dieses talmndisch -rabbinische Institut ins Leben treten wird. Ein solches Institut wäre allerdings das geeigneteste Mittel, die bis jetzt noch immer hohlen Phrasen der Reform-Partei, die bei einer von jedem jüdischen Wissen baren Jugend leicht Eingang finden, in ihrer Hohlheit bloszustellen; man würde allerdings der Jugend Waffen in die Hände geben, mittelst deren sie in dem stürmischen Reformkrieg zur Seite der Alten treten könnte und würde; allein die Reform-Partei hat es nicht mit Knaben, sondern mit Männern — freilich auch bisweilen unmündigen — zu thun; nicht an den Schößlingen, sondern an den Baumen will sie ihre zerstörende und auflösende Kraft erproben. Aber die Zukunft? Die kommende Generation? Diese steht auf den Schultern ihrer Vater, diese folgt dem Beispiele der Eltern: die knabenhaften, spielenden Männer zu Juden gebildet, dann die Knaben zu gläubigen Männern. Mannheim, 16. Juni. (Beschluß.) Der Synagogenrath sah sich dadurch veranlaßt, dem Rabbiner folgende Alternative zu stellen: Dieser habe in der Folge entweder den Konsirmanden-Unterricht selbst — ähnlich dem christl. Geistlichen — zu übernehmen, oder sich bei der Konfirmation der Prüfung zu enthalten. Der Rabbiner entschied sich, wenn auch ungern, für Ersteres, und erklärte sich bereit, den Konsirmandenuntercicht selbst zu ertheilen. Gegen diesen löbl. Entschluß konnte Niemand etwas einwenden, am Wenigsten der betreffende Religionslehrer, der sich dadurch nicht nur einer Mühe, die weder Lohn noch Anerkennung brachte, überhoben sah, sondern auch der Hoffnung Raum gab, nunmehr werde der Konfirmation zu der ihr gebührenden Wurde und Weihe verholfen werden. Schon mochte sich der Lehrer darauf gefreut haben, von nun an den Rabbiner öfter in der Schule, der Religionslehrstunde anwohnen zu sehen, um mit dem Unterrichte selbst sowohl, der ihm bisher unbekannt geblieben, da der Lehrer denselben nicht nach einem gedruckten Buche, sondern nach eigenen Diktaten ertheilte, als auch mit den Schülern sich vertraut zu machen. Denn solche Vertrautheit scheint uns unbedingt nothwendig, so der Konfirmandenunterricht den zu erzielenden Erfolg und Nutzen haben soll. Wir sind nämlich der Meinung, und die große Mehrzahl der gelehrten Theologen ist auf unserer Seite — der Konfirmandenunterricht sei kein gesonderter, unabhängiger, selbstständiger, sondern ein aus den Schulunterricht basirender, denselben fortsetzend, erweiternd und ergänzend. Das gewonnene Resultat des Schulunterrichts bildet demzufolge die Grundlage worauf, und die Richtschnur wohin der Konfirmandenunterricht fortzubauen habe. Doch der erwähnte Rabbiner schien hierin — wie in vielen Dingen nicht gleicher Ansicht mit dem Religionslehrer zu sein, und Letzterer sah sich in seinen Erwartungen getäuscht. Der Rabbiner mied nach wie vor die Schule, nahm von dem dort ertheilten Religionsunterrichte durchaus keine Notiz, noch fragte er nach der Befähigung der zu entlastenden Schüler und ihrem sittlichen Verhalten; der Maaßstab, um unter die Konfirmanden emgeceiht zu werden, war ihm kein anderer, als das gesetzliche Alter. Wo dieses bei dem Schüler vorhanden war, wurde er ohne Rücksicht, ob er irgend einmal Religionsunterricht genossen habe, für dmKonsirmandenunterricht fähig erklärt. Sehen wir nun, worin dieser letztere bestand, und welches Verfahren dabei befolgt wurde. Ein dickleibiges Heft — bei gewöhnlicher Schrift 20—22 Bogen umfassend*) — wurde in 2 wöchentlich dazu anberaumten Stunden den Konfirmanden diktirt und das Diktat wohl zu memoriren aufgegebeu. Der Konfirmandenunterricht d. h. das Dikriren und Abhören des Memorandums wurde 4—5 Monate hindurch fortgesetzt, und nun — die Stunde des Haupt- und Generalverhörs d. i. der heil. Konfirmation selbst war erschienen, zum Tröste und Heile der Konfirmanden, die mit Sehnsucht und Bangen dem *) Eine umsichtige Anordnung des Materials hätte freilich dem Verf. manche Wiederholung ersparen und das Heft verdünnen können. In formeller Beziehung siel uhs beionders eine oft angewendete contradictio in uch'oeto auf in den Fragen : „Was verbietet das 2. 6. rc. G e b o t?" 38*

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