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Der Orient · 1843-09-12 · Heft 37 (12.9.1843) · p. Seite 296

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 37 (12.9.1843)
Article
Kopenhagen: Lehrfreiheit der Juden ...
Date
1843-09-12
Page
Seite 296 (sequence 2)
Language
German
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296 D. Faber, Redakteur einer gelehrten Zeitung „Frisedetränt", der zum Großkaplan Seiner Majestät des Königs und Mettopolitan-Domprobft von Skagen und vr. Hiev!. C. H. Kalkar, der zum Bischof von Grönland ernannt worden ist, doch mit der Erlaubniß (da es in Grönland sehr kalt sein soll) seine Residenz in Kopenhagen zu nehmen, woselbst die Kirche zum heiligen Geist ihm zue Kathedrale angewiesen ist. Dieser Bischofstuhl ist übrigens sehr gut dotict, wie sich von selbst versteht mit den Erzeugnissen des Landes d. h. mit 1000 Tonnen Wallfisch-Speck und 400 Stück Wallroßzähnen, was ungefähr 6000 Thlr. pr. Cour, betragen mag. Nordamerika. Philadelphia, im Juli. Ein Herr Julius Stern spricht sich im „Occident" über die Gründung einer jüdischen Kolonie in den Bereinigten Staaten sehr ausführlich aus. Nachdem er die traurige Lage vieler jüdischen Kolonisten geschildert, fährt er fort: „Nur dann werden wir uns unserer Auswanderungen aus Europa freuen, auf dieses Land wie auf unser zweites Vaterland blicken und es aus dem tiefsten Grunde unseres Herzens Lieben können wenn wir in den Stand gesetzt werden, anständig und unabhängig zu leben und die nagenden Sorgen des täglichen Lebensunterhalts von uns zu entfernen. Um dies aber zu erreichen, müssen sich Viele -dcM Ackerbau t-nd der Viehzucht widmen, Beschäftigungen, welche, die mächtigsten Pfeiler eines Staates bilden, die sichersten Mittel sind, einer Familie ein den Stürmen der Zeit trotzendes Glück zu sichern. Am Besten ließe sich dies Ziel erreichen, wenn einige Juden bereit wären, ein Stück Land in den westlichen Gebieten anzukaufen. Der Kostenaufwand würde nicht so bedeutend sein, da man den Morgen Land um 25 Duk. erhalten kann. Dort würde nun sogleich eine Anzahl Wohnungen errichtet werden für diejenigen, welche dem Ackerbau noch nicht obliegen, und zwar auf einem Platze, welcher das Centrum des ersten Ackergebietes bilden sollte, und die Pächter würden jeder an dem ihm angewiesenen Orte leben. ■ Es unterliegt keinem Zweifel, daß einige reiche und edetmüchige Juden das zu einem solchen Ankäufe nölhige Geld vorstcecken werden, zumal sie hinlänglich genug sicher gestellt sein werden durch die verpfändeten Grundstücke, die durch immerwährende Verbesserungen auch jeden Tag an Werth Zunehmen müßten." Ob der Plan des Herrn Stern blos auf dem Papier verzeichnet'bleiben, oder sich auch realisiren wird, ob anstatt Reformvereine sich Vereine zur Minderung der Armuth unter den Jaden, zur Verbesserung des traurigen Looses vieler durch den Druck der Gesetze unglücklicher Juden bilden werden, wird die Zukunft lehren. Jedenfalls würden die Herrn von Rothschild durch die Förderung einer jüdischen Auswanderungs-Kolonie sich das schönste Monument unter ihren Glaubensgenossen setzen. Personalchro»ik und Miseellen. Fortschritte in Holland. Aus Holland, wo schon seit länger als 50 Jahren die vollständige und ungeschmälerte Emancipation Wurzel geschlagen, hat man seit Jahren nur von Beförderungen und Ehrenbezeugungen gegen einzelne ausgezeichnete Israeliten zu berichten, da die Hauptthätigkeit der deutschen Juden, der Kamps für die Emancipation, dort unbekannt ist. Der Oberrabbiner Herzveld hat den Ritterorden des niederländischen Löwen erhalten. Der Generalinspektor der Reichskasse, Herr L. W. van M es ritz, Sohn des gewesenen Oberrabbiners von Rotterdam W. P. van Mesritz, ist zum Administrator der königlichen Domänen ernannt worden. Den Löwen-Orden besaß er schon längst. Das Budget der Judengemeinde zu Dresden. Der jährliche Bedarf der Dresdner Gemeinde für ihre Religions- und Unterrichts-Angelegenheiten beträgt 3100 Lhaler, wozu die Staatsregierung nur 200 Thlr. zuschießt, so daß das Uebrige die 120 Familien, aus welchen die Gemeinde besteht, aufzubringen haben. Auf die Bitte der Israeliten bei dem Landtage um Vermehrung des Beitrages der Regierung hat die 2. Kammer mit 30 gegen 26 Stimmen beschlossen, noch 200 (also 400) zuzulegen. Es ist also noch die Sanktion abzuwarten. — Der Frankfu rter Reformverein zum Gegenstände einer Spekulatlon. Die B. Behr'sche Buchhandlung in Berlin läßt in Heften „Jüdische Bekenntnißschriften" erscheinen, von welchen das erste Heftchen „das jüd. Glaubensbekenntnis?" nun erschienen. Es ist ein nutzloses auf Spekulation berechnetes Unternehmen. — Der Jsr. des 19. Jahrh. theilt in Nr. 31 und 32 das Schreiben des Hrn. von Rothschild an die Vertreter der isr. Gemeinde zu Wien mit, entnommen aus dem Orient, die einzige Quelle dieser Wttheilung in den Journalen. Zeichen und Wunder. Dem Redakteur ist ein vier Quartseiten starkes hebräisches Schreiben per Post aus Jerusalem zugekommen, unterschrieben von denjenigen Familienvätern, die durch den Bischof Alexandkr zum Christenthum bekehrt und getauft wurden. In diesem Schreiben legen die Familien ein offenes und feierliches Bekenntniß ab, daß sie unter Buße und Reue zur Synagoge zurückkehren und geben eine betrübende Darstellung der weltlichen Mittel, deren der Bischof zu seiner Judenbekehrung gewählt hat und noch wählt. Ein Auszug aus jenen Schreiben wird in deutscher Uebersetzung der Orient in den nächsten Nummern geben; das Original liegt zum Behufe der Veröffentlichung Jedem zur Disposition. — Verlag von, C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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