Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1843)
- Article
- London : Der Fr. Verein findet Anklang [Nachricht]
- Date
- 1843-09-12
- Page
- Seite 295 (sequence 2)
- Language
- German
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295 regte, als in Deutschland, wo der Zelotismus der Rabbinen dahin strebt, das Volk im Wahne befangen zu halten, wozu der Talmud die trefflichsten Dienste leistet. Hat es doch eines bedeutenden Citatenaufwandes bedurft, um die Abschaffung einiger alten, gleichgültigen Gebetsormeln zu rechtfertigen! Und da spricht man noch von Aufklärung, Fortschritt, Verbesserungen und wie noch die schön klingenden Phrasen heißen, mit denen die deutschen Theologen vor der Welt sich brüsten! Kann da von einem wahren Fortschritte die Rede sein, m man bei jedem Schritte ängstlich in die Vergangenheit zurückblickt, ob denn sie, die von unserer Gegenwart verschieden sein mußte, nicht ein Halt gebiete? — Doch um wieder auf den Frankfurter Verein zurückzukommen, die Theilnahme, deren derselbe sich hier erfreut, hat vielen Stabilen Angst und Schrecken eingejagt, und so soll denn Sir Isaak Goldsmith nach Wien abgereist sein, um sein Ansehen dort dahin zu verwenden, daß dem Umsichgreifen der Reformwuth Schranken gesetzt werden. Die österreichische Regierung, aus deren Wörterbuch die Hoscenfur den Fortschritt gestrichen hat, wird wahrscheinlich bereit sein, dem Allerthum auf die Beine zu helfen, oder es wenigstens durch Krücken zu unterstützen. „Du sollst das Alte ehren", ist ein goldner Spruch in dem österreichischen Moralsysteme» Dänemark. Kopenhagen, 15. Aug. Auch in Dänemark, wo die Juden in viel höherem Maaße als sonst wo sich des Genusses der staatsbürgerlichen Rechte erfreuen, ist neuerlich ein mit der. Emancipationsfrage zusiuumenhangendec Streit angeregt, der, obwohl christlicherseits vom positiven Glauben der Kirche ausgehend, doch auf die berüchtigten Resultate von Bruno Bauer auszulaufen scheint. In einer der letzten Sitzungen der Srandevecsammlung kam ein Antrag von einigen Juden ein, der auf die Anstellung eines Docenten der rabbinischen Literatur an der Landesuniversitär Kopenhagen ausging. Schon lange war dies ein heißer Wunsch patriotisch gesinnter Israeliten, die es mit der Würde der dänischen Nationalität unverträglich fanden, ihre Priester immer vom Auslande kommen lassen zu müssen. Wegen dieser patriotischen Gesinnung (deren Dasein übrigens den schlagendsten Beweis gegen die schaamlosen Bauer'schen Insinuationen von einer den Israeliten eigenthümlichen absoluten Entfremdung und Feindseligkeit gegen die Nationalität anderer Völker liefert) fand der Antrag Unterstützung bei mehren der tüchtigsten Mitglieder der Versammlung (z. B. Kaufmann Eibeschütz, Baron von Wolbek und General-Kriegskommissär Test), und wurde mit 45 Stimmen gegen 3 angenommen (unter denen der hochwürdigste Bischof von Seeland, Herr v. Münster, der übrigens selbst von einer jüdischen Familie abstammen soll). Dem Vernehmen nach soll auch die Regierung auf den betreffenden Vorschlag der Standeversammlung eingegangen sein und die Eröffnung einer feierlichen Konkurrenz (in Vorlesungen und Disputationen bestehend, wie sie in Kopenhagen bei Besetzung akademischer Lehrämter immer stattsinden) beschlossen haben, wozu die jüd. Herren Hannover, Glwenrath, Wohlenberg und Abrahams sich zu melden beabsichtigen. Der Gehalt soll auf 800 Thlr jährlich festgesetzt sein. Uebcigens soll die christliche theologische Fakultät an der Universität mit der projektirten Lehrstelle sehr unzufrieden sein und zwei ihrer Mitglieder, Hoftath Pauli und Archidiaeonus Martonsen haben en compagnie eine gelehrte Schrift von der christlichen Taufe herausgegeben, worin die absonderliche Lehre aufgestellt und mit Hegel'schen Phrasen vertheidigt wird, daß nur der Getaufte der Idee der Menschheit entspreche. Es steht jedoch zu hoffen, daß diese Herren mit ihrem christlichen Fanatismus nicht durchdringen werden, zumal da der Eine unter ihnen (Martonsen) schon lange als einer unserer schlimmsten Pfaffen (der sehr gerne die Bischofsmütze tragen möchte) allgemein verhaßt ist, weshalb ihm auch neuerdings ein von Bürgern und Studenten bestehender Haufe eine nächtliche Katzenmusik gebracht bat. Gegen die erwähnte Schrift der Herrn Martonsen und Pauli ist schon eine interessante Gegenschrift erschienen mit dem Titel: die Toleranz der theol. Fakultät, erwiesen von Dc. Nathan Gudenrarh. Inwieweit die literarische Kontrovers hiermit beendigt sei, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen; es steht jedoch zu erwarten, daß der bekannte Orientalist und religiös-politische Demagog Dr. Landberg (jetzt als Unterstaatssekretair und Oberfinanzrath an den Finanzen anqestellt) auch auf dem Kampfplatze und zwar als Judenfeind erscheinen werde. Da ich es nun einmal unternommen habe an Sie hochzuverehrendec Hr. Doktor zu schreiben, erlaube ich mir auch, Ihnen etwas mitzutheilen, das nicht geradezu hierher. gehört. — Viele der angesehensten Familien in Dänemark stammen von jüdischen Geschlechtern ab, wie das der Geheimrath und Domherr von Barfod in einer gelehrten Abhandlung — übrigens wie man sagt nicht eben zur Zufriedenheit vieler betreffenden Personen —- nachgewiesen hat. Auch genießen Einige noch nicht zum Christenthum Uebergetretene ein großes Ansehen. So z. B. der reiche Banquier Wambro und der Redakteur der Hofzeitung, Kammerherr Nathanson, der tapfer die Sache der Regierung gegen die Opposition führt. Derselbe wird oft zur Tafel beim König geladen. Auch sindet sich unter den Mosaiten einer unserer größten Belletristen, nämlich der Ober-Kommerzien-Affessor Levin, an einem sehr geachteten Regierungsblatt als Feuilletonist angestellt. Hier in ihren Studienjahren zum Christenthum übergetretene Theologen haben sich in diesem Fache einer glanzenden Beförderung erfreut, nämlich Dr. P.