Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1843)
- Article
- Der Emancipationskampf im Friesenland
- Date
- 1843-09-05
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
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288 rnedanischen Thron umzustürzen, sich darauf zu setzen und das längst verlorene Zepter von Juda wieder zu führen. Aber wie? wenn sie die stärkere Partei gewesen wären? Da hätten wohl die Christen, die von ihnen Götzendiener (Goim), tzas verfluchte Volk (Umnia hammekullala) rc. genannt werden, und deren Religionsstifter sie mit den entwürdigendsten Namen belegen (f. das Buch Toledot Jeschu), kein freudiges Loos erwarten können. Hierauf bezieht sich auch die Stelle in dem Votum: „sie würden Fürst und Volk verrathen". — Doch, wir brechen hier ab. Hoffentlich wird der Protestführer nicht weiter Lust haben, gegen das Votum aufzn treten. Man dürfte sonst eine ganze Masse von Stellen aus dem Talmud und den alten Rabbinen, woraus deren Löse Gesinnung gegen die Christen und namentlich auch gegen die christliche Obrigkeit hervorgeht, dem Publikum zur Verantwortung in diesen Blatten vorlegen. Daraus würde sich dann ergeben, auf welcher Seite, der christlichen oder der jüdischen, am Meisten gegen das achte Gebot gesündigt sei. Schließlich erklärt jedoch der Einsender dieses, daß er wohl geneigt ist, sein' Votum in der Emancipation der Juden, insofern selbige sich dadurch verletzt fühlen, in bester Form zurückzunehmen, wobei er aber ausdrücklich vevorwortet, daß sie ihrerseits dem Talmud, insofern darin dem Christenthume feindselige Lehren und Grundsätze gepredigt werden, entsagen und sich den Karaiten unter ihnen anschließen 'müssen, welche nur die Religionslehre der heil. Schrift, die auch von uns Christen als Gottes Wort anerkannt wird, als Regel und Richtschnur ihres Glaubens und Lebens annchmen und den Talmud verwerfen, indem darin eine Moral vorgetragen wird, die fortdauernd die gegenseitigen bösen Gesinnungen der Juden und Christen auf eine sehr beklagenswerthe Weise unterhält. Möchten die Juden doch endlich anfangen, ihre eitlen Hoffnungen auf einen noch zukünftigen irdischen Messias aufzugeben, die ewigen Wahrheiten der christlichen Religion anzunehmen und namentlich auch die reine und erhabene Sittenlehre zu der ihrigen zu machen, die der göttliche Stifter des Christenthums predigte, der, von den Propheten vorherverkündigt, aus ihrem eigenen Schooße von Gott gesandt, hervorging, um eine Religion zu stiften, worin Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet wird, und nach welcher sich die Menschen auf dem ganzen Erdboden als Kinder Eines Vaters unter einander lieben sollen. Möchten sie an diese Weltre ligion, an diese große und heilige Kirche Gottes auf Erde,' sich anschließen, und möchte diese große Vereinigung durch eine völlige Emancipation der Juden vorbereitet werden! — u. können. Wir meinten allerdings in unserer Einfalt, daß Beweise der Art gebracht werden müßten, wenn nicht diese Insinuationen des Votums in den Augen jedes Rechtschaffenen als Verleumdung dastchen sollten, meinten nämlich allerdings in unserer Einfalt, es gebe für den Rechtschaffenen nur einen Maaßstab zur Beurtheilung eines die Ehre und den Frieden der Nebenmenschen gefährdenden Wortes, werde dieses Wort nur gegen Millionen, oder gegen einen einzelnen Menschen gerichtet. Der Verfasser des Votums scheint jedoch anderen Grundsätzen zu huldigen. Denn, was bringt seine Antwort auf den Protest? Wir zeugten ihm, daß uns Gott durch seine Propheten zur Treue gegen Fürst und Land verpflichte, daß der von unfern talmudischen Weisen geordnete Gebetspruch in jedem Fürsten das von Gott gesalbte Haupt verehren lehre, daß somit seine Auffassung des Juncnthums in dieser Beziehung eine irrige und irrig alle die Konsequenzen seien, die er daraus gezogen — er ignorirt das gänzlich. Wir forderten Beweise, daß die Juden die n i ch t j üdischen Länder und Fürsten verrathen haben, die ihnen seit ihrer Verbreitung Obrigkeit und Vaterland sind — denn ja nur davon, und davon allein war die Rede —, und die Antwort — weist, komisch genug, auf ihren Ungehorsam gegen Moses in der Wüste, auf ihre Eroberung des kanaanitischen Landes, auf ihre Kriege gegen die Philister und andere Völkerstämme, auf ihr Betragen gegen ihre Propheten und gegen die Samaritaner, endlich auf einen Justizmord hin, den einmal ein Tribunal in ihrem Lande auf einen Verrath hm, den einmal ein vertrauter Freund unter ihnen begangen haben soll, auf Verfolgungen hin, die das Christenthum bei seinem Entstehen im jüdischen Lande gefunden haben soll!!! — Mit diesem Allen einmal ganz auf christlichen Standpunkt eingehend — denn es war und wird nie unsere Absicht sein, zumal in allgemeinen socialen Zeitschriften religiöse Controverse zu führen — was sollen alle diese Data zu der Sache, um die es sich handelt? Welches von allen diesen Ereignissen wäre Verrath gegen Fürst und Land, das sie ausgenommen?! Aber die Aufstände gegen die Römer unter Judas Gautonitis, unter Bar Cochba, die wiederholten Aufstände gegen die römischen Kaiser, auf die die Antwort hinweist, das waren doch solche Empörungen? — waren es nicht, Votant, waren Aufstände auf eigenem jüdischen Boden, waren Aufstände gegen das Joch der Fremdherrschaft, die mit Kriegesgriff das Vaterland und das heimische Heiligthum erbeutet und zertrümmert hatte, waren Aufstande der Reste Judäas gegen den römischen Adler, in gleicher Begeisterung, wenn gleich nicht mit gleichem Glück, wie der Aufstand Hermanns gegen die Legionen Augusts, wie der Anfstand seiner Enkel gegen die Gewaltherrschaft des französischen Adlers! lg folgt.) Verlag vorr^C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.