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Der Orient · 1843-08-29 · Heft 35 (29.8.1843) · p. Seite 280

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 35 (29.8.1843)
Article
Der Emancipationskampf im Friesenland
Date
1843-08-29
Page
Seite 280 (sequence 2)
Language
German
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- 280 — Handlanger feil gedienet —'ja welchem Staate, der auch nur Aufenthalt ihnen gegönnt, haben sie sel st das kärglichste Gastrecht je mit schnödem Undank vergolten, gegen welchen Staat es je vergesten, daß ic." O wahrlich, darnach muffen die Juden immer ein herrliches, treffliches Volk, ein wahres Mustervolk gewesen sein, gegen welches die Christen als Ehrlose, Abtrünnige, Widerspenstige, Undankbare, Rebellen und Empörer erscheinen. Christen haben Fürsten und Volker verrathen, Dolche geschlissen, Rebellionen gestiftet, Throne umgestürzt, Könige ermordet und die Juden rerfolgt. Leider haben sie das, die Juden aber sollen das nicht gethan und die Christen niemals verfolgt haben? Aber weiß denn der Prolestführer wirklich nicht, wie das rebellische Judenvolk sich schon gegen Mose in der arabischen Wüste betrug, auf welchem blutigen Wege es zum Besitz von Kanaan gelangte, welche grausame Kriege es gegen die Philistäer und andere Dölkerstamme führte, wie es sich gegen seine Propheten betrug, wie die Iudäer später die bittersten Feinde der Samaritaner waren, wie sie unter der Anführung des Judas Gaulonitis und später des Bar Chochba Empörungen gegen die Obrigkeit stifteten und ihre Züge mit Blut befleckten; wie sie einen empörenden Justizmord an Jesus von Nazareth begingen, den einer seiner vertrauteren Freunde so bübisch berrathen hatte; wie sie dessen stille und ruhige, von aller Politik sich fern haltenden Jünger in Jerusalem drückten und -mit glühendem Fanatismus' verfolgten, den frommen Stephanus steinigten und kein Mittel unversucht ließen, um das Christenthum, das eine reinere und würdigere Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit und eine Moral predigte, vor welcher die Scheinheiligkeit und der Volksbetrung ihrer Priester, Pharisäer und Schriftgelehrten zu Schanden wurde, zu vertilgen; wie sie durch alle diese politischen und sittlichen Unbilden gleichsam einen bösen Geist heraufbeschworen, der sie nach Zerstörung ihrer Hauptstadt und ihres Landes als ein bei Heiden und Christen verachtetes Volk in alle Winde trieb und den Fluch wahr machte, den einst jener fanatische Hohepriester über sich und seine Nachkommen aussprach — weiß er das Alles nicht? — Als die Juden später ausgesioßen waren und in der Zerstreuung, ihren Glauben und ihre Sitte festhaltend, lebten, da wandte sich freilich das Blatt um. Hatten sie die Initiative zu den Verfolgungen' der Christen gegeben, so wurden sie nun von den Christen im Morgen- und Abendlande wieder verfolgt und gedrückt. in Wort und Gegenwort läutert sich die Wahrheit zur lichten Tageshelle — in der Judenfrage bedarfs oft des Allen nicht; kann man einen Protest nicht widerlegen — thut nichts — man ignorirt, was darin im Namen der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit gefordert worden — entstellt das Uebrige —- wirst dem Gegner eine Handvoll des von Eisenmenger und Consorten zusammengetragcnen judenfeindlichen Sumpfes, Schmutzes ff), in den man sich zurückzieht, entgegen, droht mit noch größerer Menge desgleichen Geschützes — und meint, nun habe man das Seinige gethan, der Jude wird verbrannt. Das sollte aber wahrlich nicht so sein, sollte nicht so sein in dem, keine Partei und keine Confession kennenden Felde des Denkens, nicht sein in unserm, der Denkkräftigkeit sich rühmenden Zeitalter, vor Allem nicht sein im Lande der Biedern, in unbeugsamen Rechtsgesiihle von jeher geraden Friesen, wahrlich nicht sein in dem Blatte, das den schönen, an alle Biederkeit und Rechtlichkeit erinnernden Namen „Frisier" zum Stirnschmuck gewählt, das jedem Eintretenden von selbst das „odi profanum“ zur ernstesten Beachtung entgegenrnst, Und doch — der Leser urtheile. *) Das Votum in Nr. 29 und 39 der Frisia hatte mit dürren Worten gesagt: Sie, „die Juden," werden, wenn sie auch noch so schön thun, wenn sie auch noch so sehr das Land rühmen, in dem sie ihren Schacher treiben, wenn sie auch dem Landeösürsten bei dessen Huldigung oder Besuch Kränze und Kronen flechten und Ehrenbogen mit den schönsten Inschriften errichten — dennoch Land und Fürst verrathen, wenn nur ihre materiellen Interesse:: dabei bestehen können." Und diese so kühne, eine so große Anzahl treuer UntertHanen mit schnödem Verdacht stigmatisirende Behauptung ward da lediglich als Folgerung einer andern Behauptung gewagt, die dem Votanten als das Ergebniß einer Spekulation über das Judenthum feststand, der Behauptung nämlich, das Wesen des Judenthums, das eben nichts als politischer und religiöser Partikularismus sei, verbiete dem Juden den Anschluß an einen fremden Staat, den Gehorsam gegen einen andern Fürsten, und ein Jude könne einem solchen nicht gehorchen, ohne sich als Rebell gegen seinen Gott anzusehen. Dem gegenüber hätte sich der Protest begnügen können, auf die einfache Thatsache wie er gethan, hinzuweisen, daß eben dieser Gott ausdrücklich dem Juden den Anschluß an jeden Staat, wohin er ihn führe, und das treue Anhängen an dessen Wohle als göttliche, heilig zu achtende Pflicht auferlege, daß die Religionslehre des Juden ihn in jedem Fürsten den von Gott mit dem Abglanz seiner Herrlichkeit umgebenen Sterblichen verehren lehre, und daß daher gerade der religiöseste Jude auch der treueste Unterthan sein müsse. *) „ Juden-Sprache hat etwas Pathetisches" —- sagt Göthe mit vollem Rechte. Anm. des Herausgebers. (Fortsetzung folgt.) Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.

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