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Der Orient · 1843-08-29 · Heft 35 (29.8.1843) · p. Seite 278

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 35 (29.8.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-08-29
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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278 Jahre haben in dem ehrenwerthen Staatsbeamten eine wirklich totale Umwandlung hervorgebracht: nicht nur, daß er Jost 'und seinen andern damaligen Gegnern ihre früheren derben Angriffe vergiebt, er nimmt sogar gegen das bisherige Verfahren der Negierung und gegen die überfromme Richtung Partei und zeigt sich nur darin kurzsichtig, daß ec von der Losung der auf. den Juden lastenden Fesseln auch die Auflösung der die Juden als religiöse Gemeinschaft umfangenden Bande erwartet. — Zu Streckfuß früheren Gegnern gehörte auch, wie aus der trefflichen Biographie des Verfassers der „vier Fragen" in dem Taschenbuche,,Vorwärts" (Leipz. b. Friese 1843) hervorgeht, eben jener Or. Johann Jacoby, dessen Ruf durch die ebenerwähnten zündenden Worte sich über ganz Deutschland und selbst im fernen Auslande verbreitet har. Dieser gefeierte Königsbergec Arzt (geb. 1. Mai 1805 als Sohn eines achtbaren jüdischen Geschäftsmannes) war es, der 1833 die Broschüre: „Ueber das Verhaltniß des kon. preuß. Ob.-Reg.-Raths Streckfuß zu der Emancipation der Juden veröffentlichte. Möchte der „Orient" aus dem obenbezeichneten Blum- Stegeschen Taschenbuchs recht bald den vollständigen Abdruck der Biographie Jacoby's entnehmen. — Ich habe nun noch einige Worte über Dc. Wilh. Freund's Unternehmen zu berichten. Auch in weitern gelehrten Kreisen durch sein lat. Wörterbuch bekannt, hat Dru Freund feit Jahren an der Verbesserung der Verhältnisse seiner preußischen Glaubensgenossen einigen Antheil genommen. Ich erinnere hier nur an die auf seine Veranlassung von dem Buchhändler Schulz in Breslau zweimal gestellte Preisaufgabe über jüd. rituelle Gegenstände, an seine Mitwirkung bei der Berufung Dr. Geigers nach Breslau, an seine im vorigen Jahre anonym in Breslau erschienene Schrift über das neue preuß. Judengesetzentwurss-Projekt, und reihe diesem Rückblicke auf seine literarische und praktische Thatigkeit noch die Hindeutung aus das Buch an, das er jetzt begonnen und in sechsmonatlichen Lieferungen fortzusetzen beschlossen hat. Mit besonderem Interesse werden die Leser des „Orient" vernehmen, daß schon in den nächstfolgenden Heften der Schrift „zur Judenfrage" größere Beiträge bewährter Schriftsteller sich finden werden und auch die neuesten Vorgänge berücksichtigt werden sollen. Nach Vollendung dieser Arbeit, also mit dem neuen Jahre (1844) dürfte dann das Unternehmen die Form einer Monatsschrift annehmen und als Archiv erscheinen. Dem zweiten Hefte werden auch die bereits erwähnten leitenden Artikel der Voss Zeitung über die Ungefttzmäßigkeit der seit dem Jahre 1812 mit dem Judenedikte vorgenommenen Veränderungen einverleibt werden, die, wie wir aus guter Quelle wissen, ebenfalls Herrn Dr. Freund zum Verfasser hatten. Bis dahin wird auch wohl der König den Landtagsabschied an die Rheinprovinz haben ergehen lassen. Erfreulich ist es zu bemerken, wie der Kanonikus Lensig aus Emmerich, dem seine Schutzrede für die Juden vielleicht früher die ärgste Unpopulan tat zu Wege gebracht hatte, wegen dieses seines Referats nicht minder als wegen seiner übrigen Reden überall gepriesen wird. — Zu meiner Aufforderung für die Jordanische Familie in Marburg erlaube ich mir noch die Bemerkung hinzuzufügen, daß Juden in allen Theilen Deutschlands in ihrer Nahe Gelegenheit haben, ihr Scherflein den Unglücklichen zukommen zu lassen. Die norddeutschen dürfen es nur nach Königsberg (an Dr. Jach mann oder Dr. Dinter, die früher die nun der Jordanschen Familie zugesandten Beitrage für die dem Dr. Jacoby zugedachten Bürgerkrone sammelten), die mitteldeutschen nach Leipzig (an die Redaktion der Sachs. Vaterlandsblatter) odernachD ärmst ad t (an den Gemeinderath Ernst Emil 5?offmann), die süddeutschen an Hofrath Welcker in Freiburg im Breisgau oder an Herrn von Jtzstein in Mannheim senden. Italien. Venedig, im Aug. Vor Kurzem zog die Kunst und Geschicklichkeit eines jü d i sche n Jüngers des Aeskulap die Aufmerksamkeit eines bedeutenden Theiles der hiesigen Einwohnerschaft auf sich. Der Sohn eines französischen Edelmanns — dessen Name in den Vend6ekriegen sehr berühmt war — erkrankte hier lebensgegefahrlich. Der Schmerz des Vaters und die Theilnahme vieler hochgestellten Personen waren sehr groß. Einem jüdischen Arzte — Herrn Dr. Taussig aus Prag — gelang es nun, dem betrübten Vater den vielgeliebten Sohn wiederzugcben. Hr. v. Rosas in Wien wird es gewiß unchristlich finden, daß das Leben eines Edelmanns jüdischen Händen anvertraut war. Veron<r, im Aug. Das Studium der hebräischen Grammatik, welche in neuerer Zeit von Hrn. S. D. Luzzatto angeregt worden, verbreitet sich immer mehr in Italien. Ein Hr. Emanuel Recanati schreibt eine ausführliche Grammatica ELraica, von der bis jetzt zwei Hefte (clue Eascioli) erschienen sind. Nordamerika. NeW-AvE, im Mai. Die Juden bleiben immer ein ausecwahltes Volk,, .sonst würden uns die Herren Missionäre mit ihren Predigten, Traktätchen, Almosen und wie noch die Lockspeisen heißen, mit denen man einen armen, unwissenden Juden fangen will, verschonen. Wahrscheinlich wollen die Herren hinter unserer Staatsverfassung nicht Zurückbleiben. Sind wir nämlich im Besitze der Freiheit aus Erden, so wollen die Mitglieder der „amerikanischen Gesellschaft zur Verbesserung des Zustandes der Juden" für unsere Emcrncipa-

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