Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1843)
- Article
- Konstantinopel : Der österr. Internuntius verwendet sich f. d. europ. Juden [Nachricht]
- Date
- 1843-08-29
- Page
- Seite 273 (sequence 1)
- Language
- German
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Vierter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonntvt bei alten lobt* Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Dr. Julius Fürst. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literarurblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. JA« Leipzig, den 29. August Orient. K o n ft a n t i n o p e l. Der öllerr. Jitternuntius verwendet sich f. d. europ. Juden. — Deutschland. Frans urt. Jüd. Reformation. Historische Entwickelung derselben. Erklärung d. Fr. Reform-Vereins. Hamburg. Wochenbericht. — Italien. Venedig. Ein jüd. -Arzt zeichnet sich aus. Verona. Hebräische Grammatik. — Nordamerika. New - Po r k. Die amerikanische'Gesellschaft zur Verbesserung des Zustandes der Juden. Philadelphia. Einweihung einer neuen Synagoge. Dr. Salomo n 's Predigten ins Englische übersetzt. — Licht - u. Schattenbilder aus d. iüd. Geschichte der Vergangenh. u. Gegenwart. Der Emancipationskampf im Friesenland. -— LB. des Or. Orient. Konstcmtmopel, 2. Aug. Unter den zahlreichen Juden der türkischen Hauptstadt befinden sich sehr viele aus Europa eingewanderte (aus Italien, Oesterreich, nämlich Galizien, Ungarn, Böhmen, und aus Rußland), die nun im Verlaufe der letzten Jahrzehende zu einer ansehnlichen Gemeinde angewachsen sind. Diese Fremden, unter dem Schutze der fremden Konsulen stehend, haben bis jetzt keinen eigenen Begrabnißplatz besessen und sind deswegen von der alten einheimischen Gemeinde öfter gebrandschatzt worden. In dieser Beziehung berichtet nun die D. A. „Der österreichische Jnternuntius Graf Stürmer hat verflossene Woche der Pforte eine vom englischen und toskanischen Gesandten unterstützte Note in Betreff des Mangels eines Begrabnißplatzes für die europäischen Juden in Kvnstcmtinopel überschickt. In ihr wird der Pforte bemerkt, daß die europäischen Juden keinen Begrabnißplatz in Konstantinopel hatten, weshalb sie jedesmal genöthigt waren, die Erlaubniß des hiesigen Oberrabbiners der jüdischen Rajas zur Begebung ihrer Glaubensgenossen auf dem jenen (den jüdischen Rajas) ungehörigen Gottesacker einzuholen; der Oberrabbiner ertheile diese Erlaubniß aber nur mittels der Bezahlung hoher Summen, welche sich für eine Leiche oft auf mehr als 4000 Piaster beliefen. Aus diesen Gründen wurde die Pforte ersucht, den europäischen Juden einen eigenen Begrabnißplatz anzuweisen. Die'Pforte erwiderte hierauf, daß sie sich nicht gern in die Municipal- und religiösen Einrichtungen und Rechte ihrer Rajas mische, worauf Graf Stürmer verlangte, daß die Pforte bei dem Oberrabbiner wenigstens dahin wirke, daß die für unbemittelte Personen kaum erschwingbaren Summen für die Erlaubniß zur Bestattung der Leichen herabgesetzt würden. Der Antwort der Pforte hierüber wird entgegengesehen. Deutschland. FrmEfUAt ü* IM«, 7« Aug. (Jüdische Reformation.) Der^ große und bedeutsame Umschwung der Ideen, der nut seiner Allgewalt auch das sonst so zähe, dem Geiste der'Zeit abgewandte Judenthum mächtig ausrüttelte, ließ schon seit einigen Jahren vermuthen, daß die mannigfachen Reform-Kampfe und Fehden, welche die jüdischen Gemeinden Deutschlands, und, vermittelst derselben auch Frankreichs und Englands, aufregten und tief bewegten, dereinst zu einem Zwiespalte im Judenthum führen werden, der, wie etwa die Reformation im Christeuthum, die Bekenner des Judenthums in zwei Heerlager theilen würde. Was dem christlichen Protestantismus die Autorität des Pabstes und seiner Koncilien, das ist den protestirenden Juden der Gegenwart der Talmud und alle auf denselben sich stützenden rabbinischen Satzungen; eine specielle Verwerfung dieser oder jener Satzung reicht, für die große und an Intelligenz bedeutend vorgerückte Masse der Reformisten, nicht mehr aus, so wenig als die Satze bei den Vorläufern der Reformation dem hellsehenden Luther genügten. Die Sehnsucht nach allseitiger Enrschiedenheit hat diese Krisis im Judenchum, wie sie sich unfern Augen jetzt zeigt — 35