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Der Orient · 1843-08-22 · Heft 34 (22.8.1843) · p. Seite 272

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 34 (22.8.1843)
Article
New-York : Synagogeneinweihung ... [Nachricht]
Date
1843-08-22
Page
Seite 272 (sequence 2)
Language
German
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272 Juden in Polen, Baiern unb in andern Theilen des aufgeklärten Deutschlands lastet, treibt sie in ein Land, wo Jeder den Schöpfer auf feine Weife verehren kann, wo die Vorurtheile der verschiedenen Konfessionen gegen einander keinen Raum finden. — Künstler und Handwerker in den verschiedensten Zweigen werden unter den Juden Rew-Porks zahlreich gefunden. Die Anzahl der gegenwärtig hier lebenden Juden wird auf fast zehn Tausend angeschlagen. Philadelphia, 19. März. Heute fand die fünfte jährliche Prüfung der Schüler, welche in der „Sonntagsschule für den Religions - Unterricht der Juden zu Philadelphia" unterrichtet werden, statt. Folgender Auszug aus dem Jahresbericht des Oberaufsehers möge zeigen, daß unsere freien Glaubensgenossen in Nordamerika das wärmste Interesse für die religiöse Erziehung ihrer Kinder haben. „Indem der Oberaufsehec der Sonntagsschule den fünften Jahresbericht abstattet, so freuet es ihn sehr, darthun zu können, daß der Unterricht wahrend des vergangenen Jahres ununterbrochen fortgesetzt wurde, daß die Zahl der Zöglinge von hundert und zehn auf hundert und vierzig gestiegen und daß die Lehrer mit unermüdendem Fleiße ihren Zöglingen die Grundsätze unserer heiligen Religion eingeprägt haben: die Früchte davon sollen in dieser Prüfung sichtbar werden." Wie nun der Berichterstatter in dem „Occident" meldet, waren alle Anwesenden mit den Fortschritten der Schüler höchst zufrieden, was sich auch durch eine Kollekte von 112 Dollars bechatigte. Was besonders überraschte, war die Geläufigkeit, mit welcher die deutschen Kinder die ihnen vorgelegten Fragen englisch beantworteten. Einer von ihnen erhielt sogar eine Prämie. New-Novk, im Juni. Um das Jahr 1656 ließen sich die ersten Juden in New-Pork nieder. Auf dem alten Begräbnißplatze finden sich Grab sch elften, die alter als hundert und sechzig Jahre sind. Wahrend der Revolution, zur Zeit als die Britten New-York in Besitz harten, zogen die meisten Juden sammt ihrem Seelenhirten R. Gerson Seixas (der über fünfzig Jahre dieses Amt versah) nach Philadelphia, wo sie bis 1783 blieben. Wiele unter ihnen dienten als Osficiere im Freiheitskriege. In Albanien haben die Juden zwei und in Syrakus eine Synagoge. Vor Kurzem wurde auch eine Synagoge in Easton (Penn.) erbaut. Perfoitalchronik ntt& Miseellen. In Frankfurt a. M. soll der Plan zur Gründung einer Judenkolonie in Texas aufgetaucht sein. Wahrscheinlich ein ähnlicher „Puff", wie der mit der neuen Iudensekte, von der die D. A. Z. vom 16. Juli wieder viel spricht. Auch die Mannb. Abendz. vom 16. Juli enthält darüber ein mit dem Korrespondenzzeichen VÄ versehenes Schreiben aus Franks, a. M. und fügt ihnen eine Menge Glossen (von Seiten der Red.?) bei. Es heißt daselbst: Verschiedene, ganz unrichtige Berichte in mehren Tagesblättern über einen Verein, der sich hier gebildet haben soll, bestimmen mich, Ihnen Näheres darüber mitzutheilen. Unter der Leitung des Dr. Theodor Cr e iz en a ch sind einige Ungesehene Männer zusammengerreten und haben erklärt, daß sie die talmudischen Vorschriften nicht für verbindlich halten. Es ist dies nichts Neues, denn diesem negirenden Principe wird schon längst von einer bedeutenden Anzahl Israeliten gehuldigt. Nur insofern dadurch gegen die überlieferten Vorschriften und Gebräuche angekämpft wird, mußte solches Benehmen für Manchen (alten Heuchler oder Dummkopf etwa? Die Red.) etwas unmoralisch (?) scheinen, was wohl weniger (soll wohl heißen „ebensowenig" die Red.) der Fall ist, als wenn eine Mehrheit zusammengetreten, welche ein Princip zu vertreten öffentlich erklärte. Man hofft, daß auch an andern Orten viele Gleichgesinnte dem Verein beitreten, und will zu diesem Zwecke ein betreffendes Memoire drucken lassen. Was man aber von Unterlassung der Weschneidung, von Taufe der neuer Sekte hin und wieder gelesen, ist alles Lüge (?), der Verein bewegt sich streng innerhalb des Iudenthums (?) und selbst Rigoristen werden nicht behaupten, daß die Nichtbefolgung talmudischer Vorschriften davon ausschließen (?) — Im Allgemeinen herrscht viel Leben unter den hiesigen Juden, und obgleich streng unter sich abgeschlossen, findet man einen hohen Grad von Bildung und Aufklärung. Um so auffallender muß es freilich sein, daß hier mehr als irgendwo der Jude von Allem ausgeschlossen ist und mit den Christen nie in gesellige Beziehungen tritt. Fast alle christliche Gesellschaften sind für den Juden gar nicht vorhanden, selbst die Lesegesellschast, die nicht einmal ein geselliger Verein ist, nimmt keinen Juden auf. Sollte man von der hier herrschenden Toleranz auf die Bildung schließen, so könnte man den Bürgern Frankfurts nur eine sehr niedrige Stufe von Bildung anweisen. — (Wenn schon was früher wahrscheinlich indiskreter Weise von einer neuen jüd. Sekte 2c., bevor es für die Oeffentlichkeit gereist war, mitgetheilt wurde, uns unwahrscheinlich schien, so beweist uns die obige Mittheilung, daß deren etwaige Gründer mit ihrem Programm noch nicht hervorge- Lreten sind, wofür sie ihre guten Gründe haben mögen. Uns scheint nichts natürlicher, als daß die Juden mit den Christen heute so große gemeinschaftliche Zwecke zu erringen haben, mit dem großen Ziele auch ihre kleinen Wünsche zumal zu erreichen trachten, und daß sie sich des Gedankens der Separatemancipation entschlagen, und die Freiheit am nämlichen Orte mit dem ganzen deutschen Volke suchen. Die Red.) Die „Eisenbahn" (Red. Binder in Leipzig) und die „Posaune" (Red.: G. Harrys in Hannover) theilten jüngst Dr. Frankels Brief an den preuß. Kultusminister mit und bezogen sich dabei auf die ursprüngliche Quelle, den „Orient". Der Israel, des 19. Iahrh. that es nicht. An Gesenius Stelle ist Pros. Hupfeld aus Marbug nach Halle berufen worden. Prof. Hupfeld soll der ausgezeichnetste Kenner des Aethiopischen in Deutschland sein, lehrt aber auch Hebräisch und Chaldäisch. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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