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Der Orient · 1843-08-22 · Heft 34 (22.8.1843) · p. Seite 270

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 34 (22.8.1843)
Article
Berlin: Ansichten eines vorurtheilfreien Christen über die preußischen Juden ...
Date
1843-08-22
Page
Seite 270 (sequence 2)
Language
German
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270 gehen, sondern das schnelle Nachkommen möge hier Preußen auszeichnen. Mannheim, 16. Juni. (Fortsetzung.) Wir hatten das stacarische Bibellesen nicht blosfür einen üttegrirenden Lheil des Religionsunterrichtes, sondern für dessen wichtigsten und hauptsächlichsten, auf den wir weit mehr Werth legen, als auf den Katechismus-Unterricht, der mehr in das Gedächtniß als in das Herz sich einprägt. Daß aber auch die Sprache, in welcher Gott vormals mit unfern Vätern gesprochen und die wir eine heilige nennen, dem Inhalte, \a dem Worte und Buchstaben eine größere Weihe und Heiligkeit verleihe, und Ohr und Herz tiefer ergreife und erschüttere , als jede andere Sprache, in welche die Bibel übertragen werde, das wird wohl Niemand bezweifeln, der mit dem menschlichen Herzen und seinen Erregungen nur einigermaaßen vertraut ist. Nicht zu gedenken, wie aus der Sprache eines Volkes, die Denk- und Anschauungsweise desselben erst recht zu erkennen ist. Es ist demnach das Lesen der heiligen Schrift in der Ursprache, der Sprache Gottes und unserer Urväter, von größter Bedeutung und Wichtigkeit für den Religionsunterricht selbst. Es ist hier der Ort nicht, dies weitläufig zu erörtern, und behalten wir uns vor, solches bei einer andern Gelegenheit zu versuchen. Aber auch auf den übrigen Elementarunterricht übt das Erlernender hebräischen Sprache einen heilsamen Einfluß aus. Nicht nur die Denkkcaft wird dadurch mehr geübt, sondern vorzüglich die Kenntnis' der Muttersprache gefördert, da, wie Erfahrung lehrt, die Bekanntschaft mit einer fremden Sprache die eigene erst recht zum Bewußtsein und Verständniß bringt. (Wenn wir nicht irren, hat man in unserer Deputirtenkammer einmal behauptet, der Unterricht in der hebräischen Sprache sei Hauptursache, daß die jüdischen Schulen häufig mehr leisten als die christlichen). Es ist in dem Vorhergehenden, von dem bestehenden hebr. Sprachunterrichte nur in soweit er den jüd. Knaben angeht abgehandelt worden, noch bleibt uns zu sagen übrig, wie es in dieser Beziehung mit den jüd. Mädchen in unserer Schule gehalten zu werden pflegt. Haben wir dort die theilweise Beibehaltung des hebr. Lehrstoffes, unter unveränderter Form, dem Zwecke angemessen und entsprechend gefunden, so vermögen wir das Verfahren hier nicht eben so gut zu heißen und zu billigen. Dem alten rabbin. Grundsätze treu, wird die Kenntniß des Hebräischen bei dem Mädchen nicht weiter gefordert als höchstens bis zu einem mechanischen Ueberseh.m der üblichsten' Gebetstücke, welche Kenntniß — wie leicht begreiflich —- die Schuljahre nicht lange überdauert, zumal das jüd. Mädchen noch von der Theilnahme an dem öffentlichen Gottesdienste ganz und gar ausgeschlossen ist. Es ist nicht selten, daß jüd. Mädchen, welche von ihren Eltern nicht zur Privatandacht aus dem hebr. Gebetbuch angehalten werden, nach mehren Jahren nicht einmal mehr Hebräisch lesen können. DiesemUebel wird, unseres Dafürhaltens, nicht anders vorzubeugen fein, als dadurch, daß das weibliche Geschlecht, gleich dem männlichen, zum Synagogengottesdienste zugelassen werde. Ein anderer Lehrgegenstand für das Mädchen, den die jüd. Schule aus der alten Zeit überkommen und mit Unrecht beibehalten hat, ist das Jüdisch-deutsch-Lesen. Wenn es ehedem für den ungelehrten Juden überhaupt nöthig war, das Jüdisch-Deutsche lesen zu können, um sowohl die Übersetzung der Bibel und der Gebete, als auch die jüdische Volks- und Erbauungsschriften, welche alle ohne Ausnahme, obwohl in deutscher Sprache verfaßt,; doch mit hebr. oder rabbin. Lettern gedruckt waren, benutzen zu können, so findet dies in neuerer Zeit, wo alle deutsche Judenschriften auch mit deutschen Lettern gedruckt erscheinen, keine Anwendung mehr. Der Unterricht im Jüdisch-Deutsch-Lesen ist aber nicht blos überflüssig und somit als eine Zeitverschwendung zu betrachten, sondern er scheint auch von entschieden nachtheiligem Einflüsse auf den deutschen Sprachunterricht zu sein, indem er dem Kinde das Erlernen der Orthographie und einer korrekten Pronunciation erschwert. Denn nicht immer können die, den deutschen entsprechenden hebr. Buchstaben gefunden werden, so wie ganz besonders die Vokalisation sehr schwierig wird, dadurch, daß das Hebräische keine Diphthongen kennt, und wo solche vom deutschen Worte bedingt werden, durch willkührlich erfundene Surrogate aushilft, die keine genaue Unterscheidung der ähnlichen Laute zutassen. So hat das Jüd.-Deutsche ein und dasselbe Zeichen für e, ö und ü, ei, d n. äu, f, v. u. pH und bergt, mehr. Dies Misverhaltniß mag ursprünglich einen guten Theil mit zur Korruption der deutschen Sprache unter den Juden beigetragen haben und Mitursache des unter demselben ausgekommenen Jargons gewesen sein. Es wäre darum wünschenswerth, daß der Unterricht im Jüd.-Deutsch-Le sen, wie - Schreiben, — von welchem Letztern das Vorgebrachte gleichermaaßen gilt, — wenigstens aus der Schule verwiesen werde. Der neue Lehrplan für die jüd. Schule wurde, nebst dem, was er dem alten entlehnte, noch durch 2 Religionslehrgegenstände,— alle Schüler ohne Unterschied des Geschlechts angehend vermehrt; es sind „biblische Geschichte und systematische Religionslehre". Die biblische Geschichte, nächst dem Bibellestn, ist unstreitig der wichtigste, gehaltvollste und lehrreichste Lheil des Religionsunterrichts, wird am Zweckmäßigsten unmittelbar aus der Bibel selbst geschöpft, und zwar wird der Lehrer wohl daran thun, wenn er strikt dem Worte und Ausdrucke der Bibel folgend, sich weder Zusätze noch Auslassungen erlaubt, am Allerwenigsten aber als Philosoph erscheint, und Raisonnements einmische, um alles Wunderbare und Transseendente in natürlichen Grenzen einzuengen. Das in der heiligen Geschichte sich kundgebende unmittelbare Watten und erhaben wunderbare Eingreifen Gottes hi das Gebilde der Menschen, wie in die Werke der Natur, breitet über das ganze Gemälde einen Nimbus aus, der das kindliche Gemüth mächtig ergreift

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