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Der Orient · 1843-08-22 · Heft 34 (22.8.1843) · p. Seite 268

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 34 (22.8.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-08-22
Page
Seite 268 (sequence 2)
Language
German
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268 vom 7. Juli/ daß die Herren Moses Rosenberg und Salomon Hirschberg zu Eschbach, Amts Usingen, eine sehr beredte Petition für Emancipation, der Regierung überreicht hätten. — Die Köln. Zeitung vom 23. Juli enthält ein Schreiben aus Hamm (Westphalen), in welchem der Eindruck, den der Beschluß der rhein. Provinzialstände auch dort hervorgebracht habe, geschildert und an die in dieser Beziehung noch immer mustergültige Periode des Königreichs Westphalen erinnert wird. — Auch in Hamburg haben die Vorgänge am Rhein einen Guerillakrieg in den W. G. Nachrichten und in den Lokalblättern erzeugt, der besser unterblieben wäre. Zuerst ließ sich ein humaner Christ, Dr. Patow, zu Gunsten der Emancipation vernehmen; ihm entgegnete ein Anonymus durch Empfehlung der beiden miserablen Pasquille vom Advokaten Witt in Altona. Dies gab den Diis minorum gentium unter den Buchhändlern in Hamburg, St. Pauli und Altona Gelegenheit, die dem Vermodern nahen Broschüren ihres Verlages, die theils pro theils contra von der Sache handelten, anzupreisen. Unter der Aufschrift: „Es werde Licht und es ward Licht" ließ Jemand in dem Wöch. G. N. vom 28. Juli seiner poetischen Ader freien Lauf; ein Anderer pries dagegen das Glück der Seligkeit, die nur durch die Taufe zu erlangen sei. Durch eine listige Diversion suchte wiederum ein Anderer den Hausirhandel der Juden zur Sprache zu bringen und so streitet man denn um solcher Lappalien halber eine Zeitlang herum, bis man wieder müde wird. — Auch über die „neue Judensekte" oder die „jüdischen Protestanten" (auch „die Freien" genannt) wird in den Zeitungen viel hin und her gesprochen. Ein ziemlich bekannter christlicher Korrespondent der D. A. Z., der H. N. Z., der Düsseld., der Bert. Voss., zuweilen sogar der Manul). Abendzeit, scheint dieses Thema förmlich für ein Vierteljahr zn seinem Unterhalte ausbeuten zu wollen; ec spricht von Dr. Creizenach, als dem Vers, des philos. Romans „Spinoza" rc. In der Köln. Zeit, wird der Name „Rießer" stets in „Strassec" umgewandelt. Das Frkft. Journal, die Köln. Zeit, und die Mannh. Abendzeitung (die jetzt von dem geistreichen Publicisten und Historiker Dr. Bernays, früher in Zweibrücken, redigict wird) und eben so der vorher gedachte Korrespondent verschiedener Zeitungennehmen sich der neuen Sekte an. Faktisch scheint für jetzt blos Folgendes festzustehen: Der erste Plan zu einer förmlichen Lossagung vom Talmud ging im Sept. 1842 von Dr. Creizenach aus. Dr. Stern suchte die Nothwendigkeit der Gründung des Vereins geistvoller zu motiviren; Dr. Rießer stellte die wichtigsten Hindernisse, die derselben entgegenstünden, zusammen. — Ueber die Beibehaltung oder Aufgebung der Beschneidung wurde man nicht einig. Ein Familienvalec in Franks, a. M. ließ seinen neugeborenen Knaben nicht beschneiden^ und wurde deswegen von Rothschild mit dem Abbrechen jeder Geschäftsverbindung bedroht. Diese Drohung soll jetzt realisirt worden sein. — Anmeldungen für den Beitritt zum Verein sollen von Frankfurt a. M., Mainz, Köln, Würzburg, Kassel, Göttingen, Hamburg/ Stettin, Prag und von namhaften jüd. Theologen eingegangen sein; auch christliche Gelehrte sollen ihren Beifall geschenkt haben. —- Nachstdem wendet sich die Aufmerksamkeit der Juden noch immer auf das ihren Glaubensgenossen in Polen und Rußland drohende Schicksal. — Riga erhält nächstens in der Person des Kand. Dr. Neumann aus Baiern (bisher in Hamburg) einen neuen Prediger. — In der Voss. Zeit, vom 29. Juli fordern mehre Gemeindemitglieder die Vorsteher der Berliner jüd. Gemeinde zur baldigen Wiederbesetzung der Stelle eines Hauptarztes am jüdischen Hospital auf. München, 11. Aug. Hr. GhUlany, Prof, und Stadtbibliothekac in Nürnberg, Vers, des bluttriefenden Werkes „die Menschenopfer der alten Hebräer" und wahrscheinlich bald Inhaber irgend eines Ordens hat ein zweites speciinen ingenii in seiner „Judensrage" gegeben. Eisenmengers „entdecktes Judenthum" in der Hand, ruft Hr. Ghillany aus: die Juden können nicht emancipirt werden. Warum? weil die Juden, nach Eisenmenger, den Untergang des Christenthums zur Zeit des Messias hoffen, einen Unbeschnittenen für einen Hund erklären und alle Nichtjuden überhaupt für unrein halten. Auch die Erfahrungen, die Hr. G. selbst gemacht, nöthigen ihn, von der Emancipation der Juden abzurathen. „Der Unstern wollte es", erzählt Hr. G., „daß ich vor Kurzem auf einer Reise nach Frankfurt in Eilwagen mit lauter Juden zusammen traf. Alsobald ging das jüdische Kauderwelsch an; ich saß da wie unter einer fremden Nation. (Wahrscheinlich ist Hr. G. kein Kenner des Altdeutschen.) Dann kamen die Koscherbissen zum Vorschein; am Morgen zogen die Menschen (wie human!) die Röcke aus, stülpten, obgleich unterdessen eine christliche Dame einen Reiseplatz eingenommen hatte (wie fashionable) die Hemdsärmel bis auf die Achsel empor, wanden den Gebetriemen um dm nakten Arm und fingen wieder an hebräisch zu plappern (das Hr. G. gewiß nicht verstand). — Und diese Menschen, dachte ich, wollen emancipirt, wollen Deutsche sein!" Armer Ghillany! wie haben Sie sich verrechnet! Als Sie Ihr kolossales Werk über „die Menschenopfer der alten Hebräer" schrieben, gab es noch ein Journal — die deutschen Jahrbücher auf dessen Schutz sie rechnen konnten; wer aber wird Ihnen jetzt Weihrauch streuen! Man muß Sie bedauern, wenn marr auch nicht ein Freund der Emancipation ist. Solche schöne Stellen aus alten Büchern, die kein Jude mehr liest, und die höchstens von den Bibliographen oder von einem Obecbibliothekar gekannt werden, zusammenzutragen, und kein Lob für diese Mühe zu ärndten, nicht einmal Beifall

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