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Der Orient · 1843-08-15 · Heft 33 (15.8.1843) · p. Seite 260

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 33 (15.8.1843)
Article
Prag: Vertheidigung der Löw'schen Erziehungsanstalt ...
Date
1843-08-15
Page
Seite 260 (sequence 2)
Language
German
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260 Entstellung und Misdeutung des Tatbestandes enthalt. Es heißt dort: „Fürs Tanzen und Französische 38 (soll heißen 36), für die nöthigsten Wissenschaften blos acht und sieben Zöglinge"! Zch frage hierauf: 1) Warum sind in dieser Stelle die früher erwähnten elf Zöglinge der ersten Abtheilung des st g. literarischen Unterrichts (den der Ihren Lesern bekannte Hr. M. Steinschneider ertheilt) weggelassen, welche gerade die „allecnöchigsten Wissenschaften", nämlich die der Volksschule vorgeschriebenen und der Prüfung an der jüdischen Hauptschule unterliegenden Gegenständen emschließt? Daraus ergäbe sich, daß unter 36 Zöglingen nicht weniger als 26 die nöthigsten Wissenschaften in der Anstalt, die andern 10 entweder in Hause ihrer Eltern erlernen, oder diesem Unterricht bereits entwachsen sind! 2) Warum übergeht der Verfasser gerade hier den Unterricht in den weiblichen Handarbeiten, den sa mmtliche Zöglinge drei bis sechs Stunden täglich genießen, während das Französische nur eine Stunde täglich, der Tanz nur drei Stunden wöchentlich in Anspruch nimmt. — Wie steht es nun mit des Verf. Folgerung auf „die Sorte von Unterricht und Bildung, die den Frauleins unserer Zeit noch thut", wogegen ein Handwerksverein für jüd. Knaben zu Worms hervergehoben wird? Die Zöglinge der Anstalt gehören aber gerade der bemittelten Klasse der böhmischen Juden an! — Mit welchem Rechte kann endlich die Vorsteherin einer Privatanstalt für die frei Verfügung der Eltern in Anspruch genommen werden? Mit weit größerem Rechte dürften Solche vor der Öffentlichkeit zur Verantwortung gezogen werden, die aus Unkunde, Leichtsinn oder Böswilligkeit Personen und Anstalten „alles in Liebe und Güte" verunglimpfen! Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Die neue jüdische Reform-Sekte. [ Seit einigen Wochen — die erste dunkle Nachricht darüber brachte der Orient in Nr. 19, vom 27 April, wobei ebenfalls die Huuptnamen genannt sind — berichten die öffentlichen Matter von einer jüdischen Sekte, die den Talmud verwirft und nur den Mosaismus festhalten will, ohne daß jene angebliche Sekte bis jetzt ihr Manifest, ihre Gntachten oder auch nur ihre zu diesem Zwecke geführte diskussive Korrespondenz veröffentlicht hat, so daß die Zeitungsmittheilungen darüber allen Schein der Bewahrheitung verlieren. Und doch wurden in jenen Mittheilungen sehr achtbare Namen genannt, die sonst nicht gewohnt sind, ihre Meinungen aus kleinlichen Rücksichten vor der Oeffentlichkeit zu verheimlichen z es wurden Männer genannt, die als Meister der Rede bekannt,. wohl nicht über die geeignete Fassung ihrer Reform-Erklärung in Verlegenheit sein konnten. Trotz dem erschien von den sogenannten Häuptern dieser Sekte keine öffentliche Erklärung, und das Publikum begann bereits zu vermuthen, daß diese Angelegenheit wahrscheinlich wider den Willen der Häupter zur Oeffentlichkeit gelangt, ja vielleicht nun ganz verfahren ei; es wird daher den Lesern dieses Blattes gewiß sehr angenehm sein, von einem Manne über diesen Gegenstand eine Erklärung zu vernehmen, der neben Dr. Th. Creizenach tu Dr. Stern als der Dritte im Bunde genannt wurde, nämlich die Erklärung von Dr. G. Rieß er. Es wäre im Interesse der beabsichtigten Reform selbst zu wünschen, daß auch Hr. Dr. Th. Creizenach u. Hr. Dr. Stern authentische Veröffentlichungen über diesen Gegenstand machten, sei es durch die Publikation eines Manifestes mit beigefügten Motiven, oder durch Veröffentlichung der zum Zwecke der Reform geführten Korrespondenz. Die Wahrheit soll sich nicht verkriechen oder im Gewände der Dunkelheit einherschleichen, auch soll die Wahrheit nicht blos den Frieden wollen, sondern wenn es nöthig ist auch den Krieg. Nach Vorausschickung dieses Wunsches möge die Erklärung des Hrn. Dr. R. hier folgen. Red. „Erklärung. Seit mehren Wochen ist mein Name vielfach in öffentlichen Blättern in Beziehung auf eine neue mosaische Sekte genannt worden, die sich in Frankfurt a. M. gebildet haben soll. Da diese Nmnung meines Namens in Artikeln, deren Quelle ich nicht kenne, unmotivirt und unschicklich ist, so sehe ich mich genöthigt, gegen dieses Treiben Einspruch zu thun. Die Heerstraße der Oeffentlichkeit ist weit und-zugänglich genug, und ich habe mich nie gescheut, sie zu betreten, wenn ich dadurch einer guten Sache dienen ^'zu können geglaubt habe. Aber ich liebe es nicht, meinen Namen im Schweif zum Theil sehr alberner Korrespondenzartikel vor das Publikum geschleift zu sehen, und bedauere es herzlich, daß eine windige Geschwätzigkeit mich in eine schiefe Stellung, die schwer zurecht zurttcken sein wird, zu einer Sache gebracht hat, in der ich die zu Grunde liegende Gesinnung aufrichtig hochschätze. Hätte ich zu dieser Sache auf eine Weise mitgewirkt, die zur öffentlichen Nennung meines Namens berech-

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