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Der Orient · 1843-08-15 · Heft 33 (15.8.1843) · p. Seite 259

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 33 (15.8.1843)
Article
Schwerin: Jüd. Zustände im Großherzogthum Meklenburg-Schwerin
Date
1843-08-15
Page
Seite 259 (sequence 2)
Language
German
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259 Wohnungen ffic Arme, 2 jüdische und 2 christliche, aus eigenen Mitteln zu erbauen sich erklärt .haben. Ein darüber aufgenommenes Protokoll ist mir von der dortigen Gemeinde mitgetheilt worden. Die Verbesserung des religiös-kirchlichen Zustandes in den israel. Gemeinden hiesiger Lande wird immer mit ungeheuren Hindernissen und Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen haben und wild immer aller Garantieen eines dauernden Segens entbehren, so lange man zu ausländischen Lehrern aus Mangel an qualisicirten inländischen Subjekten die Zuflucht zu nehmen sich nochgedrungen sehen wird. Die Akquisition eines tauglichen Subjektes ist auf dem Boden meiner Wirksamkeit fast immer ein glückliches Ereigniß zu nennen. Es kostet viele Mühe, es vom Auslände, und oft von weiter Ferne, heczuholen, und das Gelingen gewährt so wenig Aussicht auf bleibenden Vortheil, da sein Verhältnis; zur Gemeinde immer nur ein sehr prekäres und der Wechsel der Lehrer immer von nachcheiligen Folgen für die Schule begleitet ist. Nur aus einer Anstalt zur Heranbildung inländischer Synagogendiener, resp. Religionslehrer, Vorderer und Schächter kann wahres Heil für die Gemeinden entspringen, nur dadurch kann mit Plan und Umsicht an der Verbesserung der religiös-kirchlichen Institutionen gearbeitet und Konformität und Ordnung in die betreffenden Verhältnisse gebracht werden. Wie im vorigen hat der Oberrath auch in diesem Jahre diese Angelegenheit zum Gegenstand seiner ernstlichen Berathungen gemacht. Sowohl die israelitischen Rathsmitgliedec als die landesherrlichen Kommissarien sind überzeugt, daß die Errichtung einer solchen Anstalt von unberechenbaren wohlthatigen Folgen für die israelitisch-kirchlichen Verhältnisse begleitet sein müsse. Allein die Ausführung scheitert an dem Mangel erforderlicher Mittel, deren Herbeischaffung den ohnehin belasteten Gemeinden anzusinnen der Oberrath nicht wagen zu dürfen glaubt. Es sei der hohen Einsicht und Weisheit hoher Landesregierung anheimgestellt, hierin einen Ausweg zu zeigen. Meine am Schlüsse meines vorjährigen unterthänigen Berichts ausgesprochene untertänige Bitte: Daß die hohe Landesregierung geruhen wolle, einen Theil des Schutzgeldes zum Zwecke eines gedeihlichen israelitischen Schulwesens zu verwenden, wage ich in Bezug auf die zur Heranbildung inländischer Synagogendiener zu errichtende Seminar-Anstalt hier unterthänigst zu wiederholen, weil ich nach meiner Kenntriiß des materiellen und geistigen Zustandes der israelitischen Gemeinden in der Erfüllung dieser Bitte die einzige Möglichkeit der Ausführung des erwähnten Planes zum Heile der Israeliten erblicken kann. In Ansehung des moralischen Zustandes erlaube ich mir, auf meinen vorjährigen Bericht vom 27. Octbr. 4841 mich unterthänigst zu berufen, weil die dort geschilderten Wahrnehmungen in diesem Betreff dieselben find. Ich habe auch in diesem Jahre recht viele wackere Männer von echt moralischer Gesinnung und Handlungsweise kennen gelernt, bin auch in diesem Jahre in viele Haushaltungen gekommen, in welchen ein sittlich schönes Familienleben mich befriedigend ansprach. Habe auch diesmal Gelegenheit gehabt von außer der israelitischen Glaubensgemeinde stehenden glaubwürdigen Männern des geistlichen wie des weltlichen Standes das Lob der Israeliten Ln manchem wichtigen Punkt zu vernehmen. Ueberall wo der Handel aus den nieder» Regionen zu dem selbstständigen kaufmännischen Betrieb sich erhebt, sind auch die ehrbaren Gesinnungen dieses Standes, gepaart mit der der Wohlhabenheit gewöhnlich zugänglichem Bildung anzutreffen. Nur da, wo der Erwerb noch auf der niederer» Stufe des Kleinhandels mit gesetzlichen Beschränkungen zu kämpfen hat, werden die denselben begleitenden moralischen Folgen zu finden sein. Der Handwerkerstand arbeitet durch seine zunehmende Verbreitung jenen aus dem Kleinhandel resultirendcn moralischen Uebelständen immer wirksamer entgegen, und das Gelingen derjenigen, die sich bisher diesem Stande gewidmet auf der einen, wie der israelitische Handwerksverein auf der andern Seite dient Vielen zur Aufmunterung. Letzterem ist durch menschenfreundliche Unterstützung Seitens der israelitischen Mecklenburger in Hamburg, die 17 Louisdors jährlich betragt, eine größere Kraftäußerung in der Entwickelung seiner gemeinnützigen Bestrebung vergönnt worden, wie dies aus der Anlage Z zu ersehen ist. Bleibt nun auch in allen Verhältnissen noch viel zu wünschen übrig, dessen Erfüllung einer später» Wechselwirkung des religiös und bürgerlich gehobenen Bewußtseins Vorbehalten ist, so ist doch überall ein Anfang gemacht worden, der zu Hoffnungen berechtigt. Als erfreulich dürste der Umstand bezeichnet werden, daß die an Intelligenz mb moralischer Gesinnung höher Stehenden, die früher an einer freundlichem Gestaltung der religiös-kirchlichen Verhältnisse verzweifelnd, sich äußerlich von der religösen Gemeinschaft gänzlich abwandten und Viele einem geist- und und herzlosen Jndifferentismus sich Hingaben, jetzt durch den sich Bahn brechenden und von innerem Leben zeugenden Umschwung hie und da ergriffen, mir Interesse sich derselben all malig wieder zuwenden. Das Streben der Juden aber, ihren religiöskirchlichen Zustand überall zu verbessern, darf nicht als eine isolirte Erscheinung, sondern in ihrem engsten Zusammenhang mit der hieraus resultirenden Einwirkung auf die Hebung der moralischen Gesinnung im Allgemeinen erwogen werden, wie nicht minder mit dem Streben, auch in dem äußern und konkreten Erscheinen der Innern religiösen Ueberzeugung Zeugniß von der den Menschen veredelnden Macht der Religion zu geben und dem Staate gegenüber, der diese Ueberzeugung ehrt und sie mit ver Aegide des heiligen Gesetzes schützt, die Würdigkeit solcher Wohltat auf alle mögliche Weise faktisch zu bekunden. Schwerin, den 8. Novbr. 1842. Der hohen Landesregierung untertänigster Dr. S° Holdheim, Landesrabbiner. t Oesterreich. im Juli. Die bewahrte Unparteilichkeit und Wahrheitsliebe Ihres geschätzten Blattes kennend, ersuche ich Sie um die Ausnahme dieser Zeilen. Ein in Leipzig erscheinendes Blatt nämlich (der Komet) enthielt vor Kurzem unter der sonderbaren 2lufschrift „Charakteristisch" (für die Wahrheitsliebe des Vers, vielleicht?) eine Rüge ge.,en Madame L ö w, Vorsteherin einer Lehr- und Erziehungsanstalt für israelitische Mädchen Hierselbst (auch als Schriftstellerin bekannt), die kaum aus einer flüchtigen Ansicht einer in dem Blatte„Prag" enthaltenen Prüfungsemladung hervorgegangen, jedenfalls eine 33

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