Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1843)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1843-08-08
- Page
- Seite 256 (sequence 2)
- Language
- German
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256 den. Ja, selbst in Werken über alttestamentliche Exegese werden höchstens die alten jüdischen Kommentatoren, wie Raschi, Jbn-Esra, Kimchi, Abarbanel aus literarischem Luxus citirt, die Arbeiten der neuern jüdischen Exegeten hingegen werden gar nicht berücksichtigt. Um so rühmenswerther sind daher jene nichtjüdischen Gelehrten, welche die Vorurtheile des alltäglichen Lebens nicht in das Gebiet der Wissenschaft hineintragen und die jüd. Gelehrten wenigstens wissenschaftlich emancipiren. Au diesen vorurtheilsfreien Gelehrten gehören, außer andern bekannten, die Hrn. Prof. Tuch und Wutke in Leipzig. Ersterer sprach sich in seinen Vorlesungen „über die.Geschichte der Uebersetzungen des 2ü über „die Vorstudien zur Septuaginta" von Dr. Frankel in Dresden aus, und Letzterer würdigte in seinen historischen Vorträgen die Verdienste des Dr. Julius Surft in Betreff der Nachweisung und Durchführung, daß der indo-germanische Sprachstamm mit dem semitischen ursprünglich verwandt ist. Ein Mehres hierüber zu referiren, verbietet uns die Stellung des Redakteurs zu dieser Zeitung. — * Der alte Kohl vom Schachergeist der Juden und von den Gaunerstreichen derselben wird selbst Lesern, die zur eleganten Welt gehören, aufgetischt. In der 28. Nummer der „Zeitung für die elegante Welt" nämlich klagt ein Korrespondent aus Berlin über den Schachergeist und die Gaunerstreiche der Söhne Abrahams, und sagt u. A. — boshaft genug —: „ die schachernden Söhne Abrahams wissen überall Rache zu nehmen an den hochmüthigen Goims." Wenn solche niedrige Schmähungen elegant sind, so muß zur Eleganz auch eine hübsche Portion Schmähsucht gehören. Uebrigens wundert es uns, wie Herr Dr. Laube, als vorurteilsfreier Mann, solchem Schmutze die eleganten Spalten öffnen konnte. Im Jahre 1813 trug sich in Berlin Folgendes zu. Ein junger Jude forderte einen.Adeligen wegen eener gegen eine Verwandte desselben verübte Injurie. Der Geforderte ließ sich ein Gutachten von sieben' Standesgenossen ausstellen, wonach der Beleidigte als nicht satisfaktionsfähig erklärt wurde, und theilte dies diesem mit, der sich nun aus andere (thätliche) Weift Genugthuung zu verschaffen suchte. Dies führte zu einer gerichtlichen Untersuchung wider ihn, der aber dadurch ein Ende gemacht wurde, daß der Angeschuldigte, der inmittelst mit den Freiwilligen ins Feld gezogen war, in einer Schlacht siel. Diesen Vorgang hat S t ä g e m a n n in nachstehende Verse gebracht; Der Jude fordert den Edelmann, Der Edelmann frägt Seinesgleichen, Ob er dem Juden möcht' ausweichen? Die edle Jury also begann: „Dem Juden thut ein Edelmann Mit Waffen nicht genug; allein mit Peitschenhieben So steht's von Berseba bis Dan „Von Potsdam bis Berlin geschrieben." Trotz dieses Spruchs der edlen sieben Sind alle beide doch geblieben. Wie geht das zu 'i das höret an: Die Kriegsdrommete schall von Hüben und Drüben; Au Hause blieb der Edelmann, Der Jude ist in der Schlacht geblieben. Am 21. Mai gab ein jüdischer Komponist und Koncertist aus Prag., Hr. Sigmund Goldschmidt, eine musikalische matiuee, und haben sich die hiesigen belletristischen Blätter sehr lobend über ihn ausgesprochen. „Ost und West" Nro. 49. vom 20. Juni 1843 theilt mit, der ausgezeichnete böhm. Schriftsteller Prof. Klicpera in Königgrätz habe u. A. ein dramatisches Werk: L^ruejjtlcor (die Israelitin) vollendet. Der Beilage zu Nro. 154. der Mannh. Abendzeitung (vom 4. Juli) entnimmt die Franks. Oberpost-Amrszeitung folgende bibliographische Notiz aus einer Berliner Korrespondenz vom 28. Juni: Von dem Kammergerichts-Assessor von Rönne und dem Oberlandesgerichts-Assessor Simon ist, mit Benutzung der Archive der Ministerien des Innern und der Justiz, so eben ein Werk herausgegeben: die früheren und (die) gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in den sämmtl. Landestheilen des preuß. Staats. Einundzwanzig verschiedene Gesetzgebungen und Verfassungen sind in dem Umfange der preuß. Monarchie für die Juden in Geltung und die genannte Schrift weist schlagend nach, wie diese Gesetze sowohl in sich, als auch der Mangel an Einheit, mit den Forderungen der Zeit wie mit dem Staatsprincipe Preußens im schneidendsten Kontraste stehen. Möge denn recht bald, durch ein Gesetz, welches dem Entwicklungsgänge des preuß. Staates gemäß ist, diese Darstellung der verwickelten staats- und privatrechtlichen Verhältnisse der Juden eine antiquirte werden, und Preußen auch in dieser Richtung seinem hohen Berufe gehorchen. Die Rheinlande und die rbein. Stände geben hier einen Impuls, der nicht verfehlen kann, seine Früchte zu tragen. Während die D. A. Z. und die Karlsruher Zeitung jetzt wieder die Entstehung einer neuen jüdischen Sekte in Frankfurt a. M. in Abrede stellen, liest man in der A. A. A. vom 7. Juli in einer. Franks. Korresp. vom 3. d. M. eine Bestätigung der frühern Angaben. Doch heißt es ausdrücklich, neben^Creizenach betriebe auch ein jüdischer, tüchtiger Advokat die Angelegenheit; das Programm werde bald erscheinen, sehr geachtete Namen (es wird ein Hamburger und ein Göttinger namhaft gemacht), sollen sich dem Vereine anschließen wollen. * * Unter den Annoncen der A. 2t. Zeitung befand sich kürzlich auch eine folgenden Inhalts: Der §. 14 des Testaments der sel. Frau Lea Löwenstein verfügt, daß ein jüdischer Theolog, der durch 3 von renommirten Rabbinern ausgestellte Zeugnisse seine Befähigung zum Rabbinate nachzuweisen vermöge, die Stistungssumme von 500 fl. Conv.-Münze erhalten solle. Meldungen nimmt bis zum 1. Octbr. der Oberrabbiner Leopold Löw in Groß-Kanischa an. * Die Spen. Zeitung vorn 18. Juli (Beilage) gedenkt des in Berlin vor 2 Jahren gegründeten Adolph-Stiftes zur Unterstützung armer jüdischer Studirender mit Anerkennng, und fordert zu wärmerer Theilnahme an demselben auf. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.