Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1843)
- Article
- Leipzig : Verkappte Emancipationsgegner [Nachricht]
- Date
- 1843-08-08
- Page
- Seite 255 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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255 im vollen und ungeschmälerten Besitze der Freiheit dennoch nicht aufhören, die alte Lehre des Judenthums zu' befolgen, vielmehr von dem löblichen Eifer beseelt sind, das Schul- und Kultuswesen in echt religiösem Sinne zu verbessern und zu veredeln. Wir wollen in einer Reihe von Berichten über Nordamerika (die wir dem „Occident" entnehmen) zeigen, daß das religiöse Leben der Juden mit der bürgerlichen Freiheit nicht in Kollision zu gerathen braucht, daß emancipirte Juden mosaische oder talmudische Juden bleiben können. Wew-HorL, im Mai. Voriges Jahr um diese Zeit trat in New Uork eine Gesellschaft zusammen, um eine Schule unter dem Namen „Ille New-York Talinud Torali and Hebre-yv Institute" zu gründen. Das Hauptziel, welches die Gesellschaft bei der Gründung dieses Instituts erreichen wollte, war, den Unterricht des Hebräischen und der jüdischen Religion mit dem Elementarunterricht im Englischen zu verbinden. Kaum ist nun ein Jahr verstrichen, seitdem die Schule in Wirksamkeit getreten, so zählt sie schon achtzehn Zöglinge, denen von verschiedenen Lehrern in der englischen und hebräischen Sprache Unterricht ertheilt wird. (F. f.) Perforralchronik tmb Miseellen. Der Vorstand der jüd. Gemeinde in Königsberg in Preußen hat an den russ. Kaiser eine Bittschrift gerichtet, in welcher er für die Juden an der poln.-russ. Grenze Fürsprache einlegt und den Kaiser um Zurücknahme des Ukases vom 2. Mai d. I. angeht. Das neueste bad. Regierungs- (Ministerialverordnungs-) Blatt enthält u. Al. die Großherzogl. Zustimmung zu der Schenkung von 140 Fl., die der Israelit Jacob Joseph Wolf von Hechingen dem Schul-und Armenfond zu Randegg im Amte Radolphzell gemacht hat. Die Mannh. Abendzeitung vom 8. Juli enthalt folgend lautenden Artikel, mit der Aufschrift: Juden, Freimaurer und das christl. Prinzip. Nach den mancherlei Gerüchten, die wie eine dumpfe Schwüle dem Gewitter, in der Regel einer wirklichen Bewegung oder Erschütterung im politischen Leben vorangehen, soll der Protektor sämmtlicher preuß. Freimaurerlogen die Aufnahme von Juden und getauften Juden in den Orden verboten haben. Nach einer andern Version der Deutschen Allg. Zeit, soll derselbe in der Sache gar Nichts verfügt, sondern dieselbe den Logen anheimgestellt haben, welche dann im eonereten Fall gegen die Juden entschieden. Und warum, fragt man, diese Ausnahmsbestimmung, diese Intoleranz in Preußen, von dessen Fortschritten so viel Redens gemacht wird? — Weil die Idee des chrisil. Staates und das christl. Prinzip, auf dem der Freimaurerorden begründet sei(?), das jüd. Element nicht zulaffe I Zu welchen Ausstellungen wird man nicht am Ende mit Hilfe von Lüge und Heuchelei und Verdrehung historischer Begebenheiten noch kommen, wenn man das Christenthum fort und fort als Hemmschuh der freien Wissenschaft, der freien Entwickelung der Staats-Institute, jedweder freien Ansicht vom Staate und der Rechte seiner Genossen und Glieder benutzt? Denn ich sehe nicht ein, warum man nicht eben so gut wie man behauptet, das christliche Staatsprinzip hindere einen Juden, im Gemeinderath zu sitzen, auch sagen kann, die Ehe ist ein blos christlich-staatliches Institut, die Juden können demnach keine solche schließen, und daß man diese Idee herab verfolgt bis an die letzte Fingerbewegung! Denn um Beweise braucht sich die Macht nicht umzusehen, und selbst deren Freundinnen mögen sich dieselben entschlagen: man darf die Wacken nur recht voll von Emancipations- Redensarten u. dgl., wie der Berliner Correspondent in der D. A. Zeitung nehmen und dann darf man mit jesuitischschlauem Lächeln einfach hinzufügen, es sei doch nicht wegzuläugnen, daß die Maurer ei auf christl. Tendenzen beruhe, und die Juden sind glücklich für diesmal und warten auf eine andere Gelegenheit, wo sie dann mit derselben christl. Freundlichkeit abgespeist werden! Allem man weiß es ja, dieselben Redensarten werden gerade wie bei den Juden auch bei Bekämpfung der Ansichten und Wünsche ganzer christlicher Städte und Provinzen benutzt, und die Idee vom christl. Staat hat eben so viele andere aus originär christlicher Brust ausgestiegene Wünsche erstickt, als sie sich den, jeglichem Religionsbekenntniß an sich fremden,staatlichen AnsprüchenderJuden entgegen stellt! Was aber den besonder» Fall angeht, so wird es damit die Wewandtniß haben, daß man die Freimaurer, „die gerade in ihren Beziehungen zu einander und namentlich bei ihren Zusammenkünften jeden Unterschied des Ranges, der Glücksgüter und des religiösen Bekenntnisses als aufgehoben ansehen, nun ebenfalls erst mit dem ihnen fremden, nur sogenannten christlichen (oder vielmehr Unduldsamkeit) Prinzip rnsiziren will. Nachdem man hinzugefügt, daß auch getaufte Juden, das sind doch Christen, nicht ausgenommen werden dürfen, war zur Beschönigung des Ausschlusses die Lüge durchaus unnöthig und sogar albern angebracht, die Freimauerei basire auf christliche Tendenzen. Warum ist sie denn in so vielen echt-christlich-germanischen Staaten nicht erlaubt? Wie würden die vordem so halsstarrigen Juden Freimaurer haben werden wollen, wenn das Institut ein christliches wäre? Doch, daß das Unrechtlichr mit der Lüge vertheidigt, ist begreiflich. Die D. A. Z., die auch die Juden häufig mit „ Rathschlägen " versieht, meinte neulich, die beste Art, wie sich die Skrupel der christl. Freimaurer lösen lassen, sei die Gründung jüdischer Logen. Wie würde man dann erst über jüd. Absonderungssucht zu schreien anfangen. Die 3. Nummer der „Jllustrirten Zeitung" bringt eine Abbildung des Geschenkes, welches dem Sir M. Montefi or e, nach vollendeter Mission im Orient, überreicht wurde. Ein Korrespondent in der D. A. Z. berichtet über eine neue jüdische Sekte (!) in Frankfurt a. M. und sagt u. 2C.f daß die Juden in Oestro ich sich en masse derselben an sch ließen würden, wenn sie nicht zu befürchten hätten, ihre Lage dadurch zu verschlimmern. Der Korrespondent scheint die Juden in Oestereich eben so wenig als das Judenthum überhaupt zu kennen. ~~ * Mit Recht klagen die jüdischen Schriftsteller, daß ihre Arbeiten von den meisten christlichen Gelehrten ignorirt wer-