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Der Orient · 1843-08-08 · Heft 32 (8.8.1843) · p. Seite 254

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 32 (8.8.1843)
Article
Schwerin: Jüd. Zustände im Großherzogthum Meklenburg-Schwerin
Date
1843-08-08
Page
Seite 254 (sequence 2)
Language
German
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254 Allerhöchsten Reskript vom 18. März 1842 auf dem 17. desselben Monats allerhöchst angeordneten Gedachtnißfeier des hochsetigen Großherzogs Paul Friedrich, KLnigl. Hoheit in sammtlichen Landes-Synagogen abgehaltene Gottesdienst, der überall der hohen Feier angemessen und würdig begangen, in den meisten Gemeinden aber durch eine den ernsterhabenen Moment würdig beleuchtende deutsche Predigt — wovon außer Schwerin, die in Güstrow und Bützow gehaltenen im Drucke erschienen, viele andere mir zur Durchsicht vorgelegt worden sind — gehoben worden ist, ein Umstand, der den in Verbesserung begriffenen kirchlichen Zustand außer Zweifel setzt. Nebst den gedruckten erlaube ich mir auch eine von den im Manuskript mir vorliegenden Gedächtnißpredigten, die zu Röbel von M. Freund gehalten wurde, der hohen Landesregierung unterthänigst unterzubreiten. Mit der Synagogen - Ordnung verbindet der Oberrath auch die Einführung der Konfirmation, deren Anordnung von den israelitischen Mitgliedern bereits entworfen und votirt ist, in sämmtliche Gemeinden, die sowohl auf die religiöse IugeudbÜdung als die kirchliche Feier nicht ohne gesegneten Einfluß bleiben wird. (Beschluß folgt.) Rußland. Mevlrtt, 20. Juli. Die Spen. Zeitung enthält von Zeit zu Zeit Beiträge zur Länder- und Völkerkunde Rußlands. Interessant ist die Charakteristik der Juden in Odessa (Spen. Zeit, vom 15. Juli). Wir liefern dieselbe übersichtlich. — Odessa zahlt etwa 12,000 Juden, theils Russen aus verschiedenen Theilen des Kaiserreichs, (Heils eingewanderte Fremde (besonders Oesterreicher). Man findet 200 jüd. Kaufleute, dagegen gehören ihnen weder Fabriken noch Manufakturen. Sie sind Banquiers oder treiben Börsengeschäfte und in- und ausländischen Ein- und Ausfuhrhandel. Besonders sind rohe Produkte und Getreide (vorzüglich Weizen) die Haupthandelsartikel; am Lebhaftesten ist der Verkehr mit Manufakturwaaren, die aus Deutschland, England und Frankreich kommen. Thee, Baumöl, Baumwolle, Fische rc. werden von Odessa aus ins Innere Rußlands geführt — Am Ende des Jahres 1842 hatten die Juden 228 Magazine und Läden inne; der Werth der darin enthaltenen Maaren wurde auf 400,000 Silberrube! geschätzt. — Biele Juden treiben auch bürgerliche Gewerbe und sind als Arbeiter beliebt. Da sie auch dann oft mit ihren eigenen Fabrikaten Handel treiben, so treten sie ebenfalls in den Kaufmannsstand. Sie verrichten nützliche Arbeiten und scheuen auch die schwerste nicht. So kommen sie als Garbenschneider aus den westlichen Provinzen und verdingen sich für einen Tagelohn von 40 Kopeken Silber. Es sind ordentliche Leute, von gesetztem Alter, meist schriftkundig. Sie verrichten ihr saures Tagewerk häufig unter Gesängen aus dem A. Testamente oder dem Talmud (?.), Andere arbeiten in den Steinbrüchen um Odessa. Die Zahl der in Polen und Westrußland häufig anzutreffenden jüd. Faktoren (d. h. Kommissionäre und Geschäftsträger) ist in Odessa gering und dem Erwerbe nicht nachtheilig. — Den Jüdinnen liegt nur das Hauswesen und die Aufsicht über die Bazars und Laden ob. — 'Eine Privatsynagoge ist nach dem Muster der besseren deutschen Bethauser eingerichtet, die 3 öffentlichen Synagogen sind verfallen. Man denkt an den Bau einer neuen, der Gemeinde würdigen. Außerdem existireri noch gegen 80 Bethauftr. — Der für die Schulen im Jahre 1842 verwendete Fonds betrug 23,726 Silber-Rubel; sie zahlten 114 Lehrer und 1878 Schüler. — Auch Privatunterricht laffen viele Eltern ihren Kindern ertheilen.— 1826 wurde die hebräische Schule in Odessa gegründet, die als Musteranstalt für das übrige Rußland gelten darf. — Die Knaben- und die Mädchenschule umfassen 400 Zöglinge. Es wird auf Kosten der Gemeinde im Russischen, Deutschen, Französischen, Althebräischen (nebst allgemeiner Literaturgeschichte), in der Geographie, allgemeine Geschichte, Specialgeschichte Rußlands, bürgerliche Ge setz künde, Arithmetik, Buchhalterei und im Schönschreiben unterrichtet. — Die Mädchen lernen weibliche Handarbeiten. Viele Schüler der Odessaer hebräischen Schule haben russische und auswärtige Universitäten besucht und zumal in Berlin und Leipzig studirt. — Sie treten in den Staatsdienst, oder werden Handlungs-Comtoinsten oder Gewerbtreibende. Noch ist Keiner derselben Faktor oder Schenkwirt!) geworden. — Seit 1826 sind 1360 Knaben und 400 Mädchen aus der Anstalt entlassen worden. Das Beispiel der Kinder wirkt selbst auf die altere Generation anregend zurück. — Auch die Voss. Zeit, vom 15. Juli theilt Einiges über die Kulturverhältnisse der russ. Juden mit. Ihre Darstellung ist dem neuesten Bericht des Unterrichtsministecs entnommen. Im Jahre 1842 erschienen wenig hebr. Werke in Rußland, doch wird nicht mehr wie sonst, lediglich der Kultus, sondern auch die literarhistor. Forschung berücksichtigt. Außerdem übersetzen die Juden viel aus dem Russischen und Polnischen. Nordamerika. Leipzig, 26. Juli. Die Emancipation der Juden hat manche Gegner, die, wie der Votant im Frieftnland, unter der Maske der Freundschaft den Juden mit einem gewissen Pathos zumfen: Laßt euch beileibe nicht emancipiren, so ihr nicht dem ohnedies morschen Gebäude eurer Religion den letzten Stoß geben wollt. Diese Herren nun, welche dem emancipirten Judenthum ein solches Prognostikon stellen, denen unser Seelenheil so sehr am Herzen liegt, daß sie uns vor der irdischen und bürgerlichen Freiheit mit allem Nachdruck ihrer Phrasen warnen, verweisen wir aus'Nordamerika, wo die Juden

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