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Der Orient · 1843-08-08 · Heft 32 (8.8.1843) · p. Seite 251

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 32 (8.8.1843)
Article
Leipzig : Die D. A. Z. über die preußischen Juden ... [Nachricht]
Date
1843-08-08
Page
Seite 251 (sequence 2)
Language
German
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251 Humanität unter den, Muß. Juden hervor. — Nach derselben Zeitung ist die Absicht der Berliner Gemeinde, den rheinischen Ständen eine Dankadresse zu übersenden, aufgegeben worden oder wenigstens spater als Ursprung-, lich bezweckt war zur Ausführung gekommen. Einer der Vorsteher soll nämlich seinen Namen aus Furcht vor der Ungnade der Obrigkeit wieder ausradirt und sogar Andere zur Nachahmung seines unangemessenen Beispiels ausgesordert haben. So habe man sich zur nochmaligen Ausfertigung des Dokuments entschließen müssen. Berlin, 26. Juli, Wir haben kürzlich darauf hingedeutet, wie die Idee vom „christlichen Staate" nicht erst im Jahre 1840 in Preußen das Tageslicht erblickt, sondern wie sie bereits nach dem letzten Kriege, hauptsächlich von 1817 an, in der deutschen Jugend und einem Theil ihrer Lehrer (z. B. Oken, Fries rc.) gespukt habe. Ich darf hier blos an die Statuten der ersten Burschenschaften, an Fries Bekämpfung der Emancipation, an die Verbannung der Schriften eines freilich sehr unpatriotischen Juden beim Wactburgfeste, an die Festsetzung der Nichttheilnahme von Juden an den Naturforscherversammlungen nach einer, spater faktisch aufgehobenen Bestimmung Okens, namentlich aber an die Ausschließung der Juden von den Tucnervereinen erinnern. Es geschah dies wohl weniger wegen des Wahlspruchs der Turner: Frisch, frei, fröhlich, fromm; denn entweder konnte auch die Frömmigkeit der Juden pasflren, oder sie stand überhaupt, also auch bei den christlichen Turnern, in Widerspruch mit „frisch, frei und fröhlich". Ich möchte wenigstens den Mucker sehen (von echter Frömmigkeit rede ich nicht), der wahrhafte Frische, Fröhlichkeit und Bewußtsein der Freiheit besäße. — Sonderbar genug hat der,Hamburger Turnverein, dem auch ältere (ehemalige) Turner angehören, noch keinen Juden in seine Reihen ausgenommen. Erst neulich ist deshalb eine Anfrage in den Wöchentlichen Gemeinnutz. Nachrichten erschienen. Ob die Herren antworten werden? ZVoüsteÜr, 26. Juli. Unser gelehrter Rabbiner, der weder in einem Wust von rhetorischen Floskeln seine „innere Energie" anpreist, noch eine ganze Legion von hohlen Redensarten in Bewegung setzt, um der Welt sein „Rednertalent" zu beweisen, gehört nicht zu jenen stürmischen Reformern, die athemlos, in aller Hast und Eile das Bestehende Umstürzen, um auf den Ruinen zerstörter Vorurtheile die Trophäen ihrer Aufklärung aufpflanzen zu können. Wie ein sorgfältiger Arzt beobachtet er die Gemüther seiner Gemeinde, lauscht auf die leisen Pulsschläge ihres religiösen Lebens, bevor er eine, obwohl zeitgemäße, Verbesserung im Kultus anbringt. Und dies mit Recht. Der reformatorische Terrorismus reizt die Gemüther, die an dem Alten mit aller Treue und Innigkeit hängen, während eine attmälige und besonnene Reform sie besänftigt. Daher kommt es auch, daß Hr. Dr. Hirschfeld erst jetzt anfängt, den Kultus in unserer Gemeinde zeitgemäß einzurichten und Verbesserungen, die in andern Gemeinden längst bestehen, in unserer Mitte Eingang zu verschaffen. So wird er am Sabbat Nachmu in der Synagoge konsirmiren, wobei zugleich ein Chor thätig sein wird. Wer den frühem Zustand, die sonstige Hyperorthodoxie unserer Gemeinde kannte, kann unserem Rabbiner die ihm gebührende Achtung nicht versagen, daß er geräuschlos und ohne Zerwürfnisse in unserer Gemeinde hervorzurufen, diesen Fortschritt wagen durfte. Wir wollen aber auch hoffen, daß die Konfirmationen der erste Anstoß zum weiteren Fortschreiten sein werden, daß diese Verbesserung bald andere nöthige Abänderungen in unserem Gottesdienste Hervorrufen werde. — Hr. D. Gaffel, der in Wöllstein lebt, hat als Anhang zu der Jacobson'schen Uebersetzung der jüd.Gebete eine kleine Schrift: Chukke Chajim, Gesetze für das Leben, enthaltend die wichtig- . sten Verordnungen über das jüd. Leben im Allgemeinen, so wie über Zizit, Tefillin, Tesilla und die übrigen gottesdienstlichen Gebräuche" verfaßt, die von großer Belesenheit in Talmud und Poskim zeugt, und die wir dem orthodoxesten Juden empfehlen können. Ob aber dieses Schriftchen voll hundert und aber hundert kleinlicher Observanzen für unsere Schuljugend geeignet sei, lassen wir dahin gestellt sein. München, 27. Juli. Der Vorfall bei dem Gerichte in L. (in der barer'scheu Pfalz), dessen bereits einmal gedacht wurde, macht noch immer viel Aufsehen und hat schon zahlreiche Zeitungsartikel hervorgerufen. So meldet die Mannh. Abendzeitung vom 11. Juli: * Aus der baier'schen Pfalz, 10. Juli. Das Frankst Journal bringt nun aus Landau vom 5. Juli eine Erwiderung auf einen von mir demselben entlehnten'unb in Ihrer Zeitung paraphrasirtbn Artikel, in welchem einem Staatsprokurator böse, böse Worte in den Mund gelegt worden. Die Erwiderung wirst den Einsendern jenes ersten Berichtes (die Redakt. des Frankst Journals erklärt, es sei derselbe von zwei Anwälten aus Landau unterzeichnet gewesen) vor, es seien die Worte jenes Mitgliedes des Parquets „verdreht, offenbar und absichtlich entstellt" und haben ungefähr so gelautet: „In diesem Falle erblicken wir wieder einen neuen Beleg für die Erfahrung, daß noch gar viele Juden kein Mittel scheuen, sich zu bereichern, und so lange dies der Fall ist, kann auch wohl deren E mancip at i o n nich r v e r w ä r k l i ch t' w e r d e n." Ich kann nicht umhin, Ihnen zu bemerken, daß, wenn ich früher an der Richtigkeit jener Worte zweifelte, ich dieselbe heute nach Ansicht der Berichtigung eines „beliebige n", mir bis jetzt noch nicht bekannten Menschen für vollkommen wahr halten muß. Vor Allem ist es tausendmal eher möglich, daß sich ein Staatsprokurator einmal verschnappt und ein unüberlegtes Wort im Laufe 32

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