Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1843)
- Article
- Mannheim: Zustand der israel. Schule in Baden
- Date
- 1843-08-01
- Page
- Seite 248 (sequence 2)
- Language
- German
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248 dlsche Volksschule von Nutzen und nicht vielmehr ein Uebel sei, das, unter den gegebenen Verhältnissen - zwar notwendig erscheint, mit deren Umgestaltung aber auch beseitigt werden müsse, — darüber divergiren die Meinungen sehr. Viele von der modernen Klasse der Juden — darunter mancher wackere Lehrer — sind wirklich der letzteren Ansicht. Sie glauben, wenn gleichwohl. nicht nachgewiesen werden könne, daß der hebräische Elementarunterricht zum Nachtheile der -Schule gereiche — da, wie wir sehen, die jüdischen Schulen nirgends und in keinem Betrachte den christlichen nachstehen; so sei doch auch andererseits nicht' zu beweisen, daß ein wesentlicher Nutzen daraus erwachse, wenigstens sei es sehr problematisch, ob der große Zeitaufwand für diesen Lehrgegenstand durch den sich ergebenden Vortheil ausgewogen werde. Diejenigen, welche in dieser Meinung befangen sind, sehen es in der Th at sehr ungern, daß ihre Kinder mit dem hebräischen Unterrichte beschwert werden, und da den Letzteren solches nicht verborgen bleibt, so wenden sie nur gezwungen und mit Widerwillen Aufmerksamkeit und Fleiß einem Gegenstände zu, auf den die Eltern so wenig Werth legen und dessen Gewinn für das praktische Leben sie nicht einsehen. Dieser Umstand erschwert wiederum dem Lehrer das Unterrichten und erzeugt manche Störung, welche der Lehrer zu bekämpfen hat, ohne auf Anerkennung oder Lohn rechnen zu dürfen, so daß nur große Selbstverleugnung alle diese Schwierigkeiten zu überwinden vermag. (Fortsetzung folgt.) Aus der baierschen Pfalz, 3. Juni (M« A. I.) Das Frankfurter Journal berichtet in seiner Extrabeilage zu Nr. 181: „Wahrend der rheinpreußische Landtag den Grundsätzen der Zeit und der Vernunft auch in Beziehung auf die Juden treu bleibt, und so das schönste Zeugniß der wahren Gesinnung der deutschen Nation ablegt, hat ein Substitut des königl. Staatsprokurators, zu L. in Rheinbaiern in einer öffentlichen Sitzung, wo über ei lf Diebstähle verhandelt wurde, von denen einer und zwar der eines vier Kreuzer- (sogenannten Batzen) Laibes einem Juden zugeschrieben wurde, es gewagt, diese Anklage mit folgenden Worten zu begründen: „Der Angeklagte ist Jude. Grund genug, daß er den Diebstahl begangen. Dem Geize und der Habsucht auch des vermögendsten Israeliten genügt es, sich, wenn auch durch 4Kreuzer, zu bereichern. Der arme Neufel wurde vom Gerichte zu 2 Tagen Gefangniß, zu weit höherer Strafe aber wurde der Herr Substitut, der sich seines Berufes so unwürdig zeigte, von der öffentlichen Meinung verurtheilt. Solches Verfahren Im 19. Jahrhundert, an unserm Rhein, da wo Oeffentlichkeit herrscht, ist in der That als Anachronismus eben so lächerlich, wie es als Zeichen der Gesinnung, die es vercäth und zu erzeugen bemüht ist, empörend ist/' Wir glauben an diese eben so unjucistische als abgeschmackte Motivirung eines Strafantrages von einem pfälzer Substituten gerade nicht; wenn es aber doch so sein sollte, so sind daraus keine Schlüsse auf die Verachtung von Seiten des Publikums zu ziehen. Manche Mitglieder des Parquets, die eben rasend viel zu thun haben, gewöhnen sich ähnliche stereotype Redensarten leicht an, die für viele Falle ausreichen, z. B. wenn von einer Unterschlagung oder einem Diebstahl in S. die Rede ist, heißt die Formel: Meine Herren, dieses S. ist ärger als Sodom und Gomorra; es ist nothwendig, daß Sie an dem Beschuldigten ein Exempel statuiren; oder es verwundet ein Bauer den andern in F., dann heißt der Spruch: Meine Herren, F. ist der gefährlichste Ort im ganzen Land, sie werden daher mit Strenge verfahren; das in Frage stehende Verbrechen ist immer das ärgste, das man begehen kann, die Klaffe der Menschen, welcher der Beschuldigte angehört, entweder die schlechteste, die jederzeit zu Aehnlichem bereit ist, oder die beste, bei der so etwas nie zu erwarten stand, und weshalb nothwendig die Strafe eine um so stärkere sein muß! Trifft sich's,^ daß ein Jude einmal gestohlen hat, so sind aber die Juden lauter Diebe, und zur Statuirung eines Exempels geeignet. Das scheint man anzunehmen, bringe das Institut der Staatsprokuratur mit sich -— darüber „straft aber die öffentliche Meinung noch lange nicht" mit Verachtung: die Gerichte denken ihr Theil dazu und —- thun was Recht ist-, und das Publikum gewöhnt sich daran und denkt selten etwas dabei! Haben doch auch Advokaten und Notare solche stehende Formeln und sind viel weniger beschäftigt als die Staatsprokucatoren! Leipzig, 20. Juli. In Nr. 110 des Gutzkow'- schen Telegraphen (Juli 1843) finden sich von Ludwig Elbing, wahrscheinlich einem Anonymus, „Rhapsodieen aus meinem Tagebuche, in Franks, a. M. geschrieben." Es werden zuerst über die weltgeschichtliche Bedeutung des jud. Volkes, worunter der Vers, auch die heutigen Juden mitbegreifen zu wollen scheint, einige wohlmeinende Reflexionen angestellt und danm über ihren Gottesdienst in Deutschland einige Details hinzugefügt. Ueber den Ritus im Hamburger ...Tempel urtheilt der Verfasser günstig, auch scheint er von dem Gebetbuchstreite Notiz genommen zu haben. Großes Lob spendet er der Kassler Synagoge, ein Lob, auf. das der jetzt in Hamburg lebende Architekt, Herr Rosengarten, stolz sein darf. — Dagegen findet er das Lokal der beiden alten Frankfurter Bethäuser in der Judengasse wahrhaft schauerlich und gespenstisch, obwohl er gerade dort viele inbrünstige Andacht wahrgenommen haben will. Ec hofft, daß mit dem neuen Rothschild'- schen Bau dort auch ein zeitgemäßerer Gottesdienst eintreten werde; wir theilen diese Hoffnung indessen nicht. Der Andachtssaal in Franks, a. M. behagt ihm jedoch auch nicht; ec findet da alles zu todt, öde und abgemessen; hier fehle wieder die Andacht. Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.