Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1843)
- Article
- Luxemburg : Installation des Landrabb. Dr. S. Hirsch [Nachricht]
- Date
- 1843-08-01
- Page
- Seite 245 (sequence 2)
- Language
- German
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245 jetzigen Zustand der Israeliten auseinunder; erbedauerte , sehr, daß in einigen Landern den Israeliten leider noch keine Bürgerrechte ertheilt sind, und fühlte sich glücklich nun in einem Lande wirken zu können, wo eine weise und väterliche Regierung ihre wohlthätige Hand über alle Unterthanen ausbreitet, sie alle gleich beschützt, ihnen gleiche Rechte zugesteht, und weiter Nichts wünscht, als daß Alle zu guten und nützlichen Menschen gebildet werden. Ec lehrte uns, daß Israel zuerst Licht über die andern Völker der Erde verbreitet habe, daß sie ihm ihre Gesetze und somit auch die Grundlage ihres Staatsgebaudes zu verdanken haben, daß wir auch fernerhin von den göttlichen Lehren beleuchtet werden, und darin den Urquell des wahren Glücks schöpfen sollen. Ec legte uns auch die Pflichten ans Herz, die wir als Israeliten gegen den Staat, gegen uns selbst und gegen alle übrigen Menschen zu erfüllen haben; daß ein jeder Israelit sich selbst ein Priester sein und sich bestreben soll, seinem heiligen Berufe nachzukommen, und daß nur dann das Gute gedeihen könne, wenn wir Alle von der Erfüllung unserer Pflichten durchdrungen, mit vereinten Kräften Zusammenwirken. Zürn Schluß sprach der Redner ein Gebet, in welchem er Gott um die Erhaltung unseres vielgeliebten Königs und des ganzen Königshauses, so wie auch um seinen Segen nicht allein für die israelitische Gemeinde, sondern auch für alle Einwohner bat und zugleich wünschte, daß die gute Eintracht, welche stets unter denselben herrschte, auf immer ungestört bleibe. Es waren dies höchst rührende Worte, welche die guten, menschenfreundlichen Gesinnungen und die zeitgemäßen Ansichten, unsers würdigen Vorstehers an den Tag legten. Auch waren alle Anwesenden in ihren Erwartungen im höchsten Grade befriedigt; Niemand verließ die Synagoge ohne erbaut zu sein; ja Mancher gelobte sogar, noch öfter einen Ort besuchen zu wollen, wo eine so herrliche Moral gelehrt, wo so gelauterte Grundsätze anerkannt werden. Wir aber können von nun an mit zufriedenem Blick der Zukunft entgegensetzen, ja wir können stolz darauf sein, einen so aufgeklärten Mann als Vorsteher zu haben, dem wir die Reorganisation unseres Schulwesens, die Bildung unserer Jugend und die Aufcechthaltung unserer Religion nicht nach der äußern tobten Form, sondern nach ihrem wahren Geiste, ihrer lebendigen Gestalt werden zu verdanken haben, und wir glauben uns daher berechtigt, die heiligen Worte des königlichen Siegers zu wiederholen, und auszurufen: „Fürwahr, das war ein schöner Tag, den der Ewige gemacht, wir dürfen uns freuen und fröhlich sein." Kassel, im Juli. Die „Gesellschaft der Humanität" in Kassel, hat den Herrn Kaiser in Putztar und Wolf Boley in Rothelmshausen die Prämie von 124- Rthlr., sowie dem Herrn Na tan Israel Rthlc. rücksichtlich ihrer landwirthschaftlichen Betriebsamkeit auszahlen lassen, und aufs Neue drei gleiche Preise an israelitische Einwohner gleichen Zweckes ausgesetzt. Diese Förderung und Aufmunterung gereicht der Gesellschaft zur Ehre und zeugt in der Th at von der Humanitär derselben. Lxemxla doceanl! Berlin, 23. Juli. Unsere jüdischen Gelehrten beobachten, trotz den geistigen Bewegungen unsrer Zeit, ein tiefes Stillschweigen, sind indifferent. Wie? rufen die Leser entrüstet aus, hat sich doch fast zu keiner Zeit ein so lebhaftes und thatiges Interesse für Judenthum und jüdische Wissenschaft gezeigt, als in unserer Gegenwart? Man blicke doch nur auf unsere öffentlichen Organe, auf unsere Literatur; welche Regsamkeit, welche Thätigkeit, welche geistigen Kräfte wird man hier nicht gewahr? Und doch muß ich den Lesern und unfern Gelehrten — diese Trennung zwischen den Lesern und jüdischen Gelehrten werden die Letzteren wohl in Ordnung finden — gegenüber darauf bestehen, daß der Jndifferentismus sich auch unserer Gelehrten bemächtigt hat. Warum ich aber darauf beharren muß? soll sogleich klar werden. Die moderne Philosophie hat in den Bereich ihrer Dialektik alle Gestaltungen und Manifestationen des Geistes hineingezogen und dieselben einer strengen Kritik unterworfen. Auf ihrem Streifzuge durch das Gebiet menschlichen Wissens und Glaubens konnten ihr die religiösen Erscheinungen nicht entgehen» Wir haben daher auf dem Gebiete der christlichen spekulativen Theologie manchen harten Kampf mit den Waffen des Geistes ausführen sehen. Auch im Judenthum sind zwei literarische Erscheinungen auf dem religions-philosophischen Gebiete durch den Anstoß der neuern deutschen Philosophie hervorgerufen worden: „Die Religion des Geistes" von Formstecher und die „Religionsphilosophie der Juden" von Hirsch. Diese beiden Erscheinungen können nicht als einander ergänzend oder gar sich deckend, sondern müssen als von einander verschieden beuctheilt werden. Welche hat nun das wahre, specisische Judenthum, das eigentliche Pcincip der jüdischen Religion philosophisch dargestellt? Unsere Gelehrten schweigen. — Sind durch diese Erscheinungen fremde Elemente in das Judenthum übergegangen? Unsere Gelehrten sind indifferent. Haben jene Darstellungen, welche auf die jungen jüdischen Theologen influiren, -ein Recht zu bestehen, oder muß man ihnen entgegentceten? Unsere Gelehrten schweigen. — Oder haben wir gar keine Gelehrten, die sich auf dem religionsphilosophischen Gebiete bewegen könnten? Das wird man noch weniger einraumen wollen. Besitzen wir doch so viel gelehrte Rabbiner, gelehrte Prediger, Privatgelehrte und noch andere Arten Gelehrter! — Fehlt es etwa an einem passenden Organe, um das Richteramt über die erwähnten religionsphilosophischen Werken üben zu können? „Ural is Ihe mb" rufen die vornehmthuenden, sich spreizenden Pfaffen im Judenthum